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Spargelbauern benötigen jetzt dringend Saisonarbeitskräfte

Erntehelfer händeringend erwartet

Delbrück (WB). Die Ausbreitung des Coronavirus führt dazu, dass landwirtschaftlichen Betrieben derzeit Saisonarbeitskräfte fehlen. Aktuell sind davon Spargelhöfe betroffen – gerade jetzt, wo intensiver Sonnenschein die trapezförmigen Spargelwälle erwärmt und die Spargelstangen wie von einem Turbo gezündet sprießen lässt. „Das wird insgesamt eine ganz, ganz schwierige Saison“, prophezeit Spargelbauer Christian Grewing schon jetzt.

Jürgen Spies

Spargelbauer Christian Grewing, hier auf einem Feld unmittelbar an seinem Hof an der Lippstädter Straße, wartet auf die Erntehelfer aus Rumänien. Für die ersten acht Arbeitskräfte hat er Flugreisen gebucht. „Ob sich dieser Aufwand rentiert, kann ich noch gar nicht sagen“, sagt Grewing. Fest steht indes, dass es auf den Spargelfelder n in der Region sehr bald sehr viel Arbeit gibt. Foto: Jürgen Spies

Er wartet händeringend darauf, dass die rumänischen Erntehelfer, mit denen er über eine Vermittlerin in Kontakt steht, nun endlich nach Deutschland einreisen können, was aufgrund aktueller Grenzregelungen auf dem Landweg noch nicht wie früher funktioniert. Für die ersten acht von gut 20 zunächst eingeplanten Saisonarbeitern auf seinem Hof an der Lipp­städter Straße in Delbrück-Westenholz hat Grewing deshalb Flugreisen gebucht.

„Hänge ständig in einer Warteschleife“

Weil in Rumänien aber doch noch ein paar Details geklärt werden müssen und er auf einen Rückruf der Fluggesellschaft wartet, „hänge ich ständig und seit Stunden per Handy in einer Warteschleife“, stöhnt der 38-Jährige, der hier stellvertretend für weitere Betriebe der Branche steht, die in der Region ebenfalls Spargel anbauen. Teils verfügen sie schon über Saisonarbeiter, teils sind sie aber eben auch noch von der Unsicherheit geplagt, ob ausreichend viele Leute in der Saison das Edelgemüse mit dem Spargelstechmesser aus dem vorwiegend sandigen Boden holen können.

In den vergangenen Monaten hat Christian Grewing auf seinem Hof erheblich investiert: „Es war alles vorbereitet. Und es konnte ja niemand ahnen, dass es nun diese Pandemie gibt“, denkt der Spargelbauer daran, dass er unlängst unter anderem eine neue Sortieranlage gekauft hat, dass er Geld in die Ausstattung und Modernisierung des Gastrozeltes (neue Küche) gesteckt hat und dass das Gastrozelt nun geschlossen bleiben muss. „Wir hatten schon vor der Saison mehr als 800 Reservierungen! Mehrere Busreisen wurden jetzt storniert.“

Bereits im vergangenen Herbst hatte Grewing zudem einige Gerätschaften, Maschinen und Fuhrpark-Teile des weithin bekannten Delbrücker Spargelhofes Brautmeier übernommen, der den Spargelbetrieb vor dieser Saison eingestellt hat. Auch einige gepachtete Anbauflächen von Brautmeier hat Grewing pachtweise übernommen.

Trotz aller Schwierigkeiten durch Corona blickt Grewing voll motiviert nach vorn. Er hofft in den nächsten drei Monaten auf ein gutes Hofgeschäft und darauf, dass an den Verkaufsständen in der Region die Nachfrage gut verläuft. Auch hier gelte es noch, die Stände auszustatten, mit Virusschutzabtrennungen zu versehen, um allen Auflagen genüge zu tun.

„Davon leben wir den Großteil des ganzen Jahres.“

Grewing ist grundsätzlich ein optimistisch gestimmter Mensch; er verhehlt aber nicht, dass er sich jetzt schon Gedanken über die finanzielle Lage nach dieser Saison macht: „Wir brauchen dringend die Einnahmen aus dem Geschäft ab Hof und an den Ständen! Davon leben wir schließlich den Großteil des ganzen Jahres.“

Inwieweit die Verbraucher in den kommenden Wochen gewillt sind, wie in den Vorjahren Spargel zu kaufen, vermag der Fachmann – Stand jetzt – noch nicht abschließend beurteilen. Fakt ist, dass stechfrischer Spitzenklasse-Spargel nun mal „seinen Preis“ hat. „Wenn in den kommenden Wochen der ein oder andere Normalverdiener beispielsweise Kurzarbeit machen muss, oder wenn aus anderen Gründen Familien weniger Geld ausgeben können, würde ich es verstehen, dass Betroffene in diesem Jahr wenig oder gar keinen Spargel kaufen“, denkt Christian Grewing ganz pragmatisch.

Dass es derzeit noch schwieriger als ohnehin schon ist, Erntehelfer zu bekommen, hat sich weitgehend herumgesprochen. „Ich habe Anrufe von Rentnern bekommen, die sich fit fühlen und sich als Spargelstecher anbieten. Außerdem haben sich Studenten bei mir gemeldet, die als Erntehelfer arbeiten und Geld verdienen wollen“, berichtet Grewing. Das findet der Spargelbauer wirklich lobenswert; er weiß jedoch, dass dies auf Dauer die Probleme nicht lösen kann, denn Spargelstechen ist ein verdammt harter Job – nur ein Stichwort: Rückenschmerzen! Das halten viele Ungeübte nicht länger als ein paar Tage durch.

Online-Jobbörse des WLV

Der Westfälisch-Lippische Landschaftsverband (WLV) hat ganz aktuell eine Jobbörse eingerichtet. Hubertus Beringmeier aus Hövelhof, der neue Bauernpräsident (Westfalen-Lippe) und Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Paderborn, sagt dazu: “Wir möchten auf dieser Online-Plattform Bewerber – zunehmend deutsche Arbeitskräfte aus anderen Branchen – und andererseits Landwirte, denen Arbeitskräfte fehlen, zusammenbringen.“ Weitere gehende Infos:

www.wlv.de/corona/index.php

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