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Revisionsverhandlung: keine Drogentherapie für Messerstecher aus Delbrück

Es bleibt bei acht Jahren Haft

Delbrück/Paderborn

Nach zwei tödlichen Messerstichen muss ein Delbrücker jetzt seine komplette Haftstrafe absitzen: Das Paderborner Landgericht hat am Montag entschieden, dass der 30-Jährige nicht nach zwei Jahren Haftdauer in eine Drogentherapie eingewiesen wird.

Ulrich Pfaff

Symbolfoto Foto: dpa

Im Oktober 2019 hatte das Schwurgericht den Delbrücker zu acht Jahren Gefängnis verurteilt, weil er ein knappes Jahr zuvor einen Bekannten mit einem Messer getötet hatte. Nach einem so genannten Vorwegvollzug von zwei Jahren sollte der Angeklagte dann in den Maßregelvollzug wechseln, um dort eine Drogentherapie zu machen.

Der Bundesgerichtshof (BGH) bestätigte in einem Revisionsverfahren die Verurteilung wegen Totschlags sowie die Höhe der Haftstrafe, verwarf aber die Anordnung der Therapie. Jetzt befasste sich die 8. Große Strafkammer mit dem vom Bundesgerichtshof zurückverwiesenen Verfahren und der Frage, ob der 30-Jährige in den Maßregelvollzug gehört.

Der BGH hatte beanstandet, dass seinerzeit im Paderborner Urteil der Zusammenhang des Drogenkonsums mit der Bluttat nicht hinreichend berücksichtigt worden war. Ein psychiatrischer Gutachter, der zu der Problematik gehört wurde, bestätigte: Es könne beim Konsum von Cannabis, so wie ihn der Angeklagte am Tattag und auch regelmäßig davor betrieben hatte, zu einer Enthemmung kommen. Es sei aber hier nicht sicher nachzuweisen, dass der Gewaltausbruch ursächlich auf die zuvor gerauchten Joints zurückzuführen sei.

In ihrer Entscheidung berücksichtigte dies die Kammer unter Vorsitzender Richterin Anne Zacharias: Zwischen dem Hang zum Drogenkonsum und den Messerstichen des 30-Jährigen beim Aufeinandertreffen der langjährig verfeindeten Männer sei ein Zusammenhang nicht zweifelsfrei nachzuweisen.

So bleibt es bei acht Jahren Haft, was auch Staatsanwalt Kai Waschkies in seinem Plädoyer befürwortet hatte: Würde der Angeklagte im Maßregelvollzug therapiert, wofür in der Regel zwei Jahre ausreichten, könne er danach mit einer Aussetzung der Reststrafe zur Bewährung und Haftentlassung rechnen – und hätte damit nur vier Jahre Freiheit eingebüßt.

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