Orgel der Ostenländer Kirche wird gereinigt

Frühjahrsputz für 1500 Pfeifen

Delbrück-Ostenland

Leise, aber schnell hantieren die Männer im Kirchenschiff von St. Joseph in Ostenland. Jeder Handgriff sitzt. Mit einem speziellen, sehr schmalen Hubsteiger wird eine große Kiste nach der anderen von der Orgelempore geholt. In Vlies eingeschlagen liegen darin die größten der rund 1500 Pfeifen aus der Feith-Orgel.

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Sebastian Sauer, der nicht nur Orgelbauer, sondern auch studierter Maschinenbauer ist, demontiert nach und nach alle Bausteine des Spieltisches und packt die Pfeifen fachmännisch ein. Foto: Almut Thöring

Für die „große Inspektion“ werden alle Pfeifen ausgebaut. Rund 70.000 Euro wird die Renovierung der Ostenländer Orgel mit allen Nebenarbeiten insgesamt kosten. Rund 600 Arbeitsstunden Zeitaufwand fallen direkt am Instrument an. „Das Fachunternehmen Heinemann & Sauer Orgelbau aus Höxter ist mit den Arbeiten beauftragt“, sagt Franz Büser vom Ostenländer Kirchenvorstand. Er kümmert sich, nach Abstimmung der Arbeiten über ein Gutachten des Orgelbeauftragten in der Erzdiözese Paderborn und Leiter des Orgelmuseums Borgentreich, Jörg Kraemer, um die Abstimmung mit den Handwerkern. In der Vorgänger-Werkstatt von Heinemann & Sauer, damals unter dem Namen Feith noch in Paderborn geführt, wurde das Instrument 1965 auch gebaut – speziell für die Ostenländer Kirche. Denn jede Orgel ist eine Einzelanfertigung und passt in Größe und Klang genau in „ihr“ Gotteshaus.

Eine große Hoffnung haben Büser und seine Mitstreiter aus dem Kirchenvorstand: Dass viele Menschen sich für den guten Ton in Ostenland begeistern und die Arbeiten mit einer Orgelpfeifen-Patenschaft unterstützen. „So eine Patenschaft gibt es ab 100 Euro“, sagt Büser. Der Name des Paten wird handschriftlich auf die überwiegend metallenen Pfeifen graviert. Bis zum 15. Februar ist die Gravur möglich, denn danach werden die Pfeifen wieder eingebaut. Weil es neben der Spendenbescheinigung noch eine Urkunde gibt, ist die Patenschaft auch eine schöne Geschenkidee für feierliche Anlässe wie Taufe, Kommunion, Firmung oder (Silber-) Hochzeit. Aber auch Vereine oder Unternehmen dürfen sich mit handschriftlicher Gravur verewigen lassen. Ein kleiner Flyer des Kirchenvorstands enthält alle notwendigen Informationen und liegt bei den örtlichen Geschäften aus.

Notwendig ist die Instandsetzung der Orgel aus mehreren Gründen. Die elektronischen Kontakte am Spieltisch sind verbraucht. Weil bei weiterer Nutzung der Orgel Funken überspringen könnten, ist die Brandsicherheit nicht mehr gewährleistet. „Außerdem“, so Orgelbauer Sebastian Sauer, „ist die Technik im Spieltisch wirklich veraltet.“ Er gibt zu bedenken: „Die letzte Inspektion wurde vor 25 Jahren durchgeführt.“ Er zeigt das Innenleben des Spieltisches und deutet auf einen für Laien stattlichen Kabelbaum mit zig Abzweigen. Altmodisch sieht das aus. Der überarbeitete Spieltisch wird nun an die Möglichkeiten der soliden Orgel angepasst. Alle Renovierungsschritte dienen dazu, wie es im Gutachten heißt, die Orgel „mit einem vernünftigen Maßnahmenkatalog für die nächste Generation zu ertüchtigen, (…) um die Gottesdienste würdig zu begleiten“.

Klima- und Feuchtigkeitsschwankungen in der Kirche beeinflussen den Klang der Orgel. Vor allem aber Staub und Ruß auf und in den Pfeifen machen eine Grundreinigung notwendig. Jede einzelne Pfeife wird gewaschen und neu gestimmt werden. Dafür ist Sorgfalt oberstes Gebot, schon beim Ausbau der Pfeifen. Die großen Pfeifen werden tatsächlich mit handgeschriebenen Aufklebern nummeriert. Bei den kleinen Pfeifen ist das Prozedere etwas anders: Orgelbauer Thomas Heinemann zieht die Pfeifen aus ihren Steckplätzen und reicht sie mit Angabe der Tonlage an Orgelbauer Gustavo Thern weiter. Dieser legt sie, immer schön der Reihe nach, auf sogenannte Pfeifenbretter. Das sind gut 1,20 Meter lange und schwere Bretter mit Aufkantungen. Damit die Pfeifen nicht herunterrollen und gestapelt werden können. Zur Sicherheit werden die hier „wie die Orgelpfeifen“ sortierten Instrumenten-Bauteile mit Klebeband fixiert. Tischler Dirk Wegener und Azubi Björn Wunsch helfen mit großer Sorgfalt dabei. Nicht auszumalen, wenn die Orgelpfeifen beim Transport durcheinander kämen.

Sobald die Pfeifen und die Technik der Orgel gereinigt, der Spieltisch überholt und dessen Technik ausgetauscht und ein neues Orgelgebläse eingebaut ist, muss die Orgel neu gestimmt werden. In reiner „Handarbeit“ und rein analog. Da ist das gute und geschulte Gehör von Orgelbauer und Intonateur Thomas Heinemann gefragt. „Leider können wir jetzt noch nicht sagen, wann wir auf der generalüberholten Orgel zum Konzert einladen können“, bedauert Büser. „Das ist in Pandemiezeiten einfach schlecht planbar.“ Hoffentlich klappt es noch in diesem Jahr, denn ausgerechnet die Orgel ist das Instrument des Jahres 2021. Bis das Instrument in etwa acht Wochen Renovierungszeit wieder am alten Platz aufgebaut ist, steht eine kleine elektronische Orgel für die Begleitung der Gottesdienste zur Verfügung. Die Rückkehr der großen Orgel werden die Ostenländer hören. So kraftvoll wie auf ihr kann der Organist die kleine Ersatzorgel nicht spielen.

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