1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Delbrueck
  6. >
  7. Geflügelpest-Verdacht in Westenholz

  8. >

30.000 Legehennen müssen am Montag getötet werden – Überwachungszone betrifft Delbrück und Rietberg

Geflügelpest-Verdacht in Westenholz

Delbrück-Westenho...

In einem Geflügelbestand in Westenholz besteht der Verdacht auf Ausbruch der Geflügelpest. Nach Angaben des Kreises Paderborn müssen am Montag 30.000 Junghennen getötet werden. Um Mitternacht ist eine Überwachungszone in den Grenzen des zukünftigen Sperrbezirks in Kraft getreten. Die Überwachungszone betrifft auch Teile des Nachbarkreises Gütersloh.

wn

Nach einem Geflügelpest-Verdacht in Westenholz ist eine Überwachungszone eingerichtet worden, in der allein auf Delbrücker Gebiet 109 Geflügelbetriebe liegen. Foto: Kreis Paderborn

Allein in dem Teil der Zone, der im Kreis Paderborn liegt, sind nach Angaben der Kreisverwaltung 109 Geflügelbetriebe beheimatet. Der Geflügelhalter aus Westenholz hatte am Samstag verendete Legehennen in seinem Bestand gefunden und seinen Hoftierarzt eingeschaltet. Erste Schnelltests fielen positiv aus. Die Veterinäre des Kreises Paderborn untersuchten den Bestand und nahmen Proben, die am Sonntagmorgen an das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe gesandt wurden. Das Amt für Verbraucherschutz- und Veterinärwesen stimmte die Vorgehensweise am Samstagabend mit dem Landestierseuchenkontrollzentrum im Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz ab. Sie verständigten sich auf die Einrichtung einer Überwachungszone mit einem Radius von drei Kilometern rund um den Verdachtsbetrieb, die auch Teile des Kreises Gütersloh umfasst.

Zweiter Fall im Kreis

Für den Kreis Paderborn ist es in diesem Frühjahr der zweite Fall: Am 3. März war in einer Hobby-Haltung in Lichtenau-Henglarn die hoch ansteckende Form der Geflügelpest (Influenza Virus A Subtyp H5N8) bestätigt worden. Dort mussten 50 Tiere vorsorglich getötet werden. Besonders bitter für die Geflügelhochburg Delbrück: Vor vier Jahren war hier ebenfalls die Geflügelpest ausgebrochen. In der Überwachungszone auf dem Gebiet des Kreises Paderborn befinden sich 109 Geflügelbetriebe, von denen 14 mehr als 10.000 Tiere, 13 zwischen 5000 und unter 10.000, 5 zwischen 1000 und unter 5000 sowie 4 zwischen 350 und unter 1000 Tieren halten. Insgesamt werden dort rund 648.000 Stück Geflügel gehalten.

Hoch ansteckendes Virus

Die Klassische Geflügelpest ist eine hoch ansteckende Viruserkrankung bei Hühnern und anderen Geflügel- und Vogelarten. Auch Katzen und Schweine können potenzielle Träger des Erregers sein. Sie ist anzeigepflichtig. Schutzmaßnahmen wie ein Sperrbezirk und Beobachtungsgebiet können nach der Geflügelpestverordnung erst dann angeordnet werden, wenn der amtliche Ausbruch durch das Referenzlabor des Friedrich-Löffler-Institut labordiagnostisch bestätigt ist. Bis zum Vorliegen dieser Testergebnisse soll mit der Einrichtung einer Überwachungszone eine Weiterverbreitung des Geflügelpesterregers verhindert werden.

„Wir müssen in dieser Situation alles tun, um unsere Geflügelbestände zu schützen. Ich bitte alle Tierhalter eindringlich, ihre Tiere sorgfältig zu beobachten und bei Verdacht sofort ihren Tierarzt einzuschalten und unsere Veterinäre zu kontaktieren“, betont Landrat Christoph Rüther. Der Landrat hat am Sonntag den Krisenstab des Kreises einberufen, um Schutzmaßnahmen auf den Weg zu bringen.

Tierseuchenkasse zahlt

Die Tiere im Seuchenbestand müssen nach der Geflügelpestverordnung bereits bei einem deutlichen klinischen Verdacht getötet werden. Die Tierseuchen-Vorsorge-Gesellschaft und das Kreisveterinäramt treffen zurzeit alle Vorbereitungen für Tötung und Entsorgung der Tiere in dem Seuchenbestand. Zum Einsatz kommt die in solchen Fällen übliche Methode der Begasung mit Kohlendioxid. Danach werden die Ställe gereinigt und desinfiziert. Der betroffene Landwirt erhält eine Entschädigung aus der Tierseuchenkasse.

Die Karte zeigt rot markiert die Grenzen der Überwachungszone. Die lila gefärbte Linie ist die Kreisgrenze zwischen den Kreisen Paderborn und Gütersloh. Foto: Kreis Paderborn

Regeln für die Zone

In der Überwachungszone gilt ein so genannten Stand-Still: Tiere dürfen weder in noch aus dem Bestand verbracht werden. Auch umfangreiche Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen müssen eingehalten werden. Alles Geflügel muss weiter in geschlossenen Ställen untergebracht sein. Dr. Elisabeth Altfeld, Leiterin des Amtes für Verbraucherschutz und Veterinärwesen, erinnert eindringlich noch einmal an die Aufstallpflicht, die bis auf Weiteres im gesamten Kreisgebiet gilt. Dadurch soll der Kontakt zu Wildvögeln und somit die Einschleppung in Geflügelhaltungen wirksam verhindert werden. Wildgänse und Wildenten gelten als Träger der Erreger der Geflügelpest.

Was sind die Anzeichen einer Geflügelpest?

Von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Geflügelpest (die so genannte Inkubationszeit) vergehen nur wenige Stunden bis Tage. Innerhalb weniger Tage können alle Tiere eines Bestandes erkranken und sterben. Hohes Fieber, Atemnot, Ausfluss aus Augen und Schnabel, ein stumpfes, gesträubtes Federkleid, zen­tralnervöse Störungen, verminderte oder keine Legeleistung oder dünnschalige, verformte Eier sowie vermehrte Todesfälle können Anzeichen sein. Bestätigt werden kann eine solche Infektion immer nur durch eine Laboruntersuchung.

Was tun bei Verdacht auf Geflügelpest?

Bei Verdacht auf Geflügelpest sollte umgehend das Veterinäramt unter Telefon 05251/308-3939, erreichbar montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr, kontaktiert werden. Außerhalb der Servicezeiten des Infotelefons können die Veterinäre über die Kreisleitstelle unter Telefon 02955/76760 erreicht werden.

Werden außerhalb von Haltungen tote Wildvögel gefunden, könnte dies ein Indiz dafür sein, dass sich unter der wilden Population der Virus verbreitet. „Deswegen bitten wir alle Bürger, große tote Wildvögel zu melden, wie wildes Wassergeflügel, Greifvögel, Störche oder Kraniche. Bitte fassen Sie die Tiere nicht selbst an, um eine unbeabsichtigte Weiterverbreitung des Virus zu vermeiden“, betont Dr. Elisabeth Altfeld. Totfunde können über das Info-Telefon Geflügelpest gemeldet werden oder per Mail unter veterinaeramt@kreis-paderborn.de.

Startseite