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Wie Alfred Krause vor 50 Jahren beim Kranzreiten in Delbrück triumphierte

Kamelritt auf den Königsthron

Delbrück (WB). Wenn heute Abend die »Weiberfastnacht de luxe« in der Stadthalle gefeiert wird, ist dies der Startschuss für den Schlussspurt im Delbrücker Karnevalsgeschehen. Höhepunkte sind wieder die beiden großen Umzüge (Sonntag Kinderzug, tags darauf Rosenmontagszug, jeweils ab 14.01 Uhr), die Hauptkappensitzung am Samstagabend und das Kranzreiten am Montagvormittag. Vor genau 50 Jahren verlief dieses Kranzreiten geradezu sensationell.

Jürgen Spies

Das ist und wird einmalig bleiben in der Geschichte des Karnevalvereins Delbrück: der Kamelritt 1969 von Alfred Krause. Vormittags war er auf dem ausgeliehenen Reittier Kranzkönig geworden, am Nachmittag machte er mit beim Umzug durch die verschneite Stadt. Foto:

Ältere Delbrücker Karnevalsfreunde wissen auch ein halbes Jahrhundert später bei diesem Stichwort sofort, was an diesem völlig verschneiten 17. Februar 1969 passierte. Ein Kamel spielte dabei eine im wahrsten Sinne des Wortes tragende Rolle. Doch der Reihe nach...

Karnevalist Alfred Krause hatte ein paar Tage vor Rosenmontag in der Heimatzeitung gelesen, dass in der Nachbarstadt Salzkotten an der B1 Richtung Geseke ein Zirkusunternehmen sein Winterlager aufgeschlagen hatte. Damals und auch heute noch gilt »Krausen Alex« als Mann mit außergewöhnlichen Ideen. Er kombinierte seinerzeit: Ein Zirkus hat ja meistens auch Kamele – da könnte man mal nachfragen, ob man sich ein solches Tier ausleihen könnte, um damit als Reiter beim Delbrücker Kranzreiten teilzunehmen.

Das Zirkusunternehmen sagte zu.

Zwei Affen auf der Bühne

Mehr noch: Der Zirkus stellte für die Kappensitzung am Samstagabend vor Rosenmontag noch zwei kleine dressierte Affen zur Verfügung, die – betreut von zwei Zirkusmitarbeitern – im Programm mitwirkten. Ein Affe sprang dabei auf der Bühne Elferratsmitglied Berni Grothoff auf den Kopf, riss ihm die Narrenkappe runter und zerkratzte ihm den kahlen Schädel. Das Publikum hat sich wohl vor Lachen gebogen!

Der wichtigste und älteste Bestandteil des Delbrücker Karnevals, das historische Kranzreiten, folgte am Rosenmontagmorgen. Am Wochenende war so viel Schnee gefallen, dass sogar die Hauptstraßen nur notdürftig geräumt werden konnten und der Umzug über eine verkürzte Strecke geführt werden musste. Gut, dass vormittags das Kranzreiten, ausgetragen auf Henken Wiesen, überhaupt stattfinden konnte.

Weil der Vorstand des KV Eintracht wusste, dass Alfred Krause mit einem Kamel aufkreuzt, wurden per Eilbeschluss des Vorstandes die Statuten zum Kranzreiten geändert. Demnach war es ab sofort erlaubt, »mit einem Reittier« (und nicht mehr explizit nur mit einem Pferd) am Kranzreiten teilzunehmen. Um es abzukürzen: Alfred Krause gelang es jedenfalls, den baumelnden Buchsbaumkranz vom Galgen zu reißen. Die Menge tobte vor Begeisterung! Klar, dass Krause und das Kamel auch am Umzug am Nachmittag teilnahmen und umjubelt wurden.

Heutzutage nahezu undenkbar

Rückblickend muss man feststellen: Was vor 50 Jahren möglich war – dressierte Affen auf der Bühne, ein Kamel im Tiefschnee, eine kurzfristige Änderung der Statuten –, wäre heutzutage undenkbar. Sogar die Teilnahme eines Kamels würde versicherungstechnisch gesehen heute zu einer kaum zu überwindenden Hürde.

Zurück in die Gegenwart

Das Karneval-Hauptwochenende beginnt am Samstag, 2. März, um 19.01 Uhr, mit der Hauptkappensitzung in der Stadthalle. Die Veranstaltung ist praktisch ausverkauft; es gibt für ganz Spätentschlossene nur ein paar Tickets an der Abendkasse.

Am Sonntag geht es weiter um 10.30 Uhr mit der Hl. Messe unter karnevalistischen Vorzeichen in der Pfarrkirche. Um 14.01 Uhr beginnt vom Wiemenkamp aus der große Kinderumzug durch die Innenstadt. Gegen 16 Uhr schließt sich die Kindersitzung in der Stadthalle an. Eintritt frei. Durch das Programm von Kindern für Kinder führt der Kinderelferrat.

Am Rosenmontag ist um 8.45 Uhr Anreiten der großen Reiterschar auf dem Alten Markt. Von dort aus geht es zum Rathaussturm, Lange Straße. Der große Umzug durch die Stadt beginnt dann um 14.01 Uhr, nach dem »Zuch« ist Narrentreffen in der Stadthalle mit Liveband, Preisverleihung und Rosenmontagsball.

Neu: Die Ansteckfähnchen, die vor den beiden Umzügen angeboten werden, kosten jetzt 2 Euro. Zuletzt war der Obolus 2002 erhöht worden. Einen Kaufzwang gibt es nicht, der KV Eintracht hofft aber auf viele Käufer, denn die Einnahmen dienen der Mitfinanzierung der Umzüge.

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