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Stadt Delbrück muss weit mehr als zehn Millionen Euro in die Erweiterung investieren

Kläranlage ist an der Kapazitätsgrenze

Delbrück

Das wird richtig teuer: Die Stadt Delbrück muss in den nächsten Jahren einen zweistelligen Millionenbetrag für die Erweiterung und Modernisierung des Klärwerks aufbringen. Das hatte ein Gutachter schon vor einiger Zeit aufgezeigt. Neu ist diese Nachricht insofern nicht; neu ist jedoch, dass in den vergangenen Monaten im Vorgriff auf das große Gesamtprogramm die ersten Maßnahmen schon umgesetzt worden sind.

Jürgen Spies

Blick aus der Vogelperspektive auf das Delbrücker Klärwerk: Diese Luftbildaufnahme ist zwar schon einige Jahre alt – es fehlt beispielsweise der Erweiterungbau (2017) des Betriebsgebäudes –, zeigt aber einen guten Überblick auf die betrieblichen Anlagen samt Vorklärbecken, Belebungsbecken, Nachklärbecken. Die bislang letzte Erweiterung des Klärwerks liegt fast 20 Jahre zurück. Die Anlage ist folglich mit der Entwicklung der Stadt seitdem nicht mehr mitgewachsen Foto: Heiko Jungmann

Errichtet wurde inzwischen ein zusätzliches Betriebsgebäude, in dem durch den Einsatz von Blockheizkraftwerken (kurz: BHKW) elek­trische Energie und Wärme gewonnen werden. Das gängige Prinzip: In Kläranlagen kann ein BHKW das im Faulturm gewonnene Methangas verstromen und gleichzeitig Wärme für den Faulturm liefern.

Das neue Gebäude, hochgezogen vom Lipplinger Bauunternehmen Burkhard Ewers, hat Platz für drei BHKW; installiert werden zunächst zwei Anlagen.

Seit vielen Jahrzehnten schon wird das im Faulturm des Delbrücker Klärwerks entstehende Gas für den Betrieb eines Blockheizkraftwerkes genutzt. „Unser altes BHKW ist ‚in die Jahre gekommen‘ und könnte jederzeit ausfallen. Es ist auch schon ein paarmal notwendig gewesen, es nach Ausfällen wieder in Gang zu bringen. Hier leistet dann unser Klärwerkpersonal ganze Arbeit“, berichtet Olaf Mersch­mann, Leiter des Fachbereiches Tiefbau, in einem Gespräch mit dem WESTFÄLISCHEN VOLKSBLATT.

Überschüssiges Faulgas musste bisweilen abgefackelt werden, weil der betagte Gasspeicher gleich nebenan zeitweise randvoll war. Abfackeln kommt allerdings purer Energieverschwendung gleich und soll deshalb die Ausnahme bleiben.

Bakterien vergären bekanntlich organische Verunreinigungen zu Methan. Das macht man sich beim Betrieb von Kläranlagen, wo rund um die Uhr ununterbrochen große Mengen an verunreinigtem Wasser landen, zunutze. Mersch­mann: „Ziel ist es, gewonnenes Gas zu 100 Prozent zu verstromen und auch die erzeugte Wärme in hohem Maße direkt vor Ort zu nutzen. Der Energiebedarf in Klärwerken selbst ist immens, wenn man nur mal allein an die großen Gebläse in den Becken, an die leistungsstarken Pumpen und vieles andere mehr denkt.“

Ferner ist auf dem Gelände der Kläranlage der Bau einer neuen Trafostation – ebenfalls im Hinblick auf das große Ganze – geplant; auch dafür muss Raum geschaffen werden, zumal die jetzige Umspannstation mittlerweile 36 Jahre auf dem Buckel hat und ebenfalls an Schaltungs- und Leistungsgrenzen stößt.

Täglich fließen dem Klärwerk der Stadt Delbrück über ein insgesamt gut 210 Kilometer langes Rohrnetz mehr als 4,2 Millionen Liter (Stand: 2017) zu, die dann dort gereinigt, geklärt und letztlich beinahe zu 100 Prozent gesäubert über den Schönungsteich in den Vorfluter, den Haustenbach, fließen. Die Menge der ankommenden Abwässer ist in den vergangenen Jahren in Delbrück deutlich gestiegen. Mitgewachsen ist die Anlage seit der bislang letzten größeren Erweiterung in den Jahren 2000 bis 2003 jedoch nicht.

Von Belang sind in einem Klärwerksbetrieb die sogenannten Einwohnergleichwerte, kurz: EWG. Er dient in der Wasserwirtschaft als Referenzwert der Schmutzfracht aus Gewerbe- und Industriebetrieben sowie aus häuslichem Schmutzwasser. Vereinfacht ausgedrückt errechnet sich daraus insgesamt der EWG. Derzeit ist die Kläranlage noch auf 48.000 EWG ausgelegt.

Die vom Gutachter erstellte Analyse hat den künftigen Bedarf in der mechanischen und biologischen Reinigung sowie der Schlammfaulung aufgezeigt. Die Rede war von einem Ausbau auf 75.000 bis 80.000 EWG. „An dieser Größenordnung wird sich nichts ändern“, blickt Olaf Mersch­mann voraus.

Ehe es aber mit dem Ausbau so richtig losgehen kann und neue Erkenntnisse eingearbeitet worden sind, muss zunächst ein EU-weites Ausschreibungsverfahren allein für die Planungsleistung auf den Weg gebracht werden. Daran schließen sich die konkreten Bauplanungen, die Vergaben der Arbeiten und der eigentliche Bau an. Mit einer kompletten Fertigstellung ist frühestens in vier Jahren zu rechnen. Auf dem Klärwerksgelände sind zudem einige räumliche Betriebsveränderungen vorgesehen. So soll etwa der Zulauf zum Klärwerk in Richtung Süden und somit weiter weg von der umgebenden Bebauung verlegt werden, was die Geruchsbelästigung minimiert.

Für die Schlammbehandlung im Faulturm müssen auf jeden Fall größere Kapazitäten geschaffen werden. Der bisherige Faulturm läuft derzeit zwar stabil, aber eben auch absolut „spitz auf Knopf“. Ferner müssen sich die Planer Gedanken über die Kapazitätserweiterung des Gasbehälters machen.

Weiter ist der Bau neuer Becken erforderlich. Die Stadt hat dazu ein angrenzendes Grundstück südlich der Kläranlage erworben.

Vor drei Jahren hatte die Stadt bereits das aus dem Jahr 1974 stammende Betriebsgebäude modernisiert, erweitert und dafür 800.000 Euro investiert.

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