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Viele Friseursalons wie der von Daniela Paust in Delbrück beklagen ausbleibende Hilfen

„Kleine Betriebe gehen leer aus“

Delbrück

Vor gut 15 Jahren wagte Daniela Paust (43) den Schritt in die Selbstständigkeit. Ihr Salon Haarlekin in einem Delbrücker Neubaugebiet hätte im November 15-jähriges Jubiläum gehabt, doch nach Feiern ist Daniela Paust gar nicht zumute. Im Gegenteil: Sie bangt um ihre Existenz. Grund sind die Coronaauflagen.

Axel Langer

Fordert Hilfen, die auch tatsächlich in den vom Lockdown betroffenen Friseurbetrieben ankommen: Daniela Paust. Foto: Axel Langer

„Wir dürfen gar nichts machen. Menschen frisieren geht nicht über das Internet. Wir haben ein gut funktionierendes Hygienekonzept, auf dessen Einhaltung wir genau geachtet haben und trotzdem steht alles still,“ macht sich Daniela Paust große Sorgen.

„Der zweite Lockdown hat uns schwer getroffen. Vor allem der Dezember war ein Schlag ins Kontor. Die Einnahmen sind komplett weggebrochen, aber die Fixkosten laufen weiter. Miete, Sozialabgaben, Kranken- und Rentenversicherung müssen gezahlt werden“, musste Daniela Paust ihre drei Mitarbeiterinnen in Kurzarbeit schicken. Schwarze Schafe im eigenen Handwerk ärgern die Delbrückerin. Doch noch mehr erzürnt sie, dass immer wieder von finanziellen Hilfen gesprochen wird, die den größten Einnahmeausfall abfedern würden. „Es kommt nichts an und die Beantragung ist ein sich ständig wandelnder Wust an Bürokratie.“

Im ersten Lockdown hat sie Soforthilfen beantragt und auch bekommen. „Allerdings musste ich bis auf 2000 Euro Unternehmerlohn alles komplett zurückzahlen. Schon da musste ich meine Rücklagen angreifen und fast aufbrauchen. Nun geht es um die Existenz. Einen dritten Lockdown würden wir, wie viele andere Betriebe auch, nicht überstehen. Das steht fest“, so Daniela Paust. Die Sorge um den Salon und damit den Arbeitsplatz ist natürlich auch Thema in ihrer Familie. „Meine Tochter hat schon ihre Spardosen angeboten. Da wäre noch Geld drin“, berichtet Paust. Sie hat auch schon einen offenen Brief an die Kreishandwerkerschaft geschrieben. „Wir verlangen ja nicht, dass der Staat unser Leben finanziert.“ Es gehe um eine Grundversorgung: „Großkonzerne bekommen ganz schnell Geld, aber kleine Betriebe gehen leer aus.“ Sie habe auch schon bei Fernsehsendern angerufen, wenn Menschen vor der Kamera top gestylt aussehen. „Das haben unsere Stylisten auf Abstand gemacht“, sei ihr dann erklärt worden. Paust sagt: „Was bei uns verboten ist, wird dort hingenommen. Das kann nicht sein!“

In ihrem Salon in der Potsdamer Straße hat sie ein Hygienekonzept umgesetzt. An den Arbeitsplätzen wird auf ausreichend Abstand zwischen den Kunden geachtet. Wo dies nicht so ohne weiteres möglich ist, stehen Plexiglaswände, ebenso wie im Kassenbereich. Kunden mussten vor der Tür warten und es wurden auch Namenslisten geführt sowie die Stühle regelmäßig desinfiziert. „Die Kunden durften den Fön nicht anfassen und sich nicht selber die Haare fönen. Im Supermarkt nehmen Kunden doch auch Artikel aus dem Regal und stellen sie wieder zurück“, sieht Daniela Paust eine Ungleichbehandlung. Ihr sind keine Corona-Ansteckungen aus Friseursalons bekannt. „Das Konzept funktioniert“, so Paust. Außerdem hat sie für sich und ihre Mitarbeiterinnen FFP2-Masken bestellt. Weitere Kosten bringt die Mehrwertsteueränderung mit sich, die Kasse musste umgestellt werden.

Für Paust war die Beteiligung an der Aktion „Licht an“ sowie an der Demonstration in Schloß Holte-Stukenbrock am Wochenende selbstverständlich. „Wir müssen Flagge zeigen. Aber unter Einhaltung der Corona-Vorgaben,“ fordert die Delbrückerin. Schon wenige Minuten nachdem in den Abendstunden der Salon Haarlekin im Rahmen der Protestaktion erleuchtet war, gab es schon Reaktionen in Form von Anrufen aus der Nachbarschaft.

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