1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Delbrueck
  6. >
  7. Mit 2,4 Promille auf der Anklagebank

  8. >

49-Jähriger hat sich Sexfotos von Kindern sowie Jugendlichen angeschaut

Mit 2,4 Promille auf der Anklagebank

Delbrück (WB/upf). Er schaute sich Sexfotos von Kindern sowie Jugendlichen an und machte sich nachts an einem 16-Jährigen zu schaffen. Das Landgericht Paderborn gab dem Delbrücker nochmal eine Chance – aber wenn er seine Bewährungsauflagen nicht einhält, droht ihm der Knast. Es liegt vor allem am Alkohol.

Symbolfoto. Foto: dpa

Zwei Tage lang musste der 49-Jährige auf der Anklagebank vor der 5. Großen Jugendkammer zubringen. Am zweiten Prozesstag am Freitag war zu Beginn nicht klar, ob er überhaupt der Verhandlung folgen könnte: Er war sicht- und riechbar alkoholisiert. Ein Atemalkoholtest ergab 2,4 Promille – aber Richterin Nicole Klein konnte keine Ausfallserscheinungen feststellen. Alkohol ist das große Thema bei dem Delbrücker. Der psychiatrische Gutachter spricht vom Verfall sittlichen und moralischen Verhaltens infolge seiner Sucht. Und so erklärt sich aus seiner Sicht auch, was den 49-Jährigen überhaupt auf die Anklagebank gebracht hat.

Polizei durchsucht Wohnung

Im Juni 2017 tauchte die Polizei bei dem Arbeitslosen auf und durchsuchte seine Wohnung. Auf einem Computer fanden sie kinderpornographische Fotos. Die Spur kam von einer US-amerikanischen Behörde.

Etwa ein halbes Jahr später kam es nach Überzeugung des Gerichts zu einem sexuellen Übergriff auf einen damals 16 Jahre alten Jungen. Der war mit mehreren Gleichaltrigen aus einer Jugendeinrichtung ausgebüxt und hielt sich bei dem Angeklagten auf. Eines Morgens wachte der 16-Jährige mit heruntergezogener Hose auf. Alles, was er noch wusste, war, dass der 49-Jährige ihn in der Nacht am Bauch gestreichelt hatte und er sich dieses verbeten hatte. Jedoch war es eine Bemerkung des »Hausherrn« über das Geschlechtsteil des 16-Jährigen, was diesen in Verdacht brachte, ihn ihm Schlaf unsittlich angefasst zu haben.

Angeklagter bestreitet die Vorwürfe

Der Angeklagte bestritt die Vorwürfe. Der Gutachter hingegen sah durchaus die Möglichkeit, dass der 49-Jährige unter Alkoholeinfluss die Taten begangen haben könnte – auch wenn er nicht eindeutig pädophil veranlagt sei.

Die Jugendkammer blieb mit einer einjährigen Bewährungsstrafe deutlich unter der Forderung von Staatsanwalt Kai Waschkies, der eineinhalb Jahre Haft gefordert hatte. Die Auflagen: Alkoholtherapie, kein Kontakt zu dem 16-Jährigen und keine Personen unter 18 Jahren in seiner Wohnung. Die Richterin sprach dem 49-Jährigen nochmal deutlich ins Gewissen: »Wenn Sie dagegen verstoßen, müssen Sie die Strafe absitzen.«

Startseite
ANZEIGE