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Viereinhalbstündige non-stop-Karnevalsitzung in der Stadthalle Delbrück

Pizzabäcker Michele I. besteigt den Thron

Delbrück (WB). »Wenn ein Deutscher in Rom Papst werden kann – dann kann ein Italiener auch Prinz Karneval in Delbrück werden!« Dieses Argument von Ehrenpräsident Reinhold Hartmann saß: Am Samstagabend bestieg Michele I. (Abbenante) als neuer Prinz Karneval unter riesigem Jubel der gut 1000 Jecken in der Stadthalle den Narrenthron des Karnevalvereins Delbrück.

Jürgen Spies

Antrittsrede des neuen Prinzen Karneval in Delbrück, Prinz Michele I. (Abbenante). Der 38-Jährige hat die Herzen der Jecken am Samstagabend im Sturm erobert. Foto: Jürgen Spies

Damit ist der Viererbande des KV »Eintracht von 1832«, die den neuen Fürsten des Frohsinns wie immer heimlich ausguckt und bis zuletzt zum Stillschweigen verdonnert, wieder mal ein echter Glücksgriff gelungen. Der 38-Jährige Gastronom betreibt »Michele’s Pizzeria« in der Kirchstraße 2. Michele I. ist in Delbrück geboren, laut Pass und auch tief im Herzen Italiener – und doch gleichzeitig Delbrücker durch und durch. Er hat hier den Bambini-Garten besucht, lief als kleiner Junge im Kinderzug mit – und steht jetzt, fast 30 Jahre später, als Prinz dem ältesten und mitgliederstärksten Karnevalverein im Bund Westfälischer Karneval vor.

»Da staunt ihr, was?«

»Buena sera, amici Notte di Carnevale! Ehhh... Entschuldigung, meine lieben Närrinnen und Narren, liebe Delbrückerinnen und Delbrücker – verehrte Pizza-Freunde. Vor euch steht kein Staatsoberhaupt, sondern der kleine Italiener aus der Kirchstraße. Da staunt ihr, was? Es wäre mir im Traum nicht eingefallen, jemals Prinz Karneval von Delbrück am Kanal zu werden«, gestand Michele I. Er möchte ein Jahr lang sein Bestes geben und erhofft sich dabei auch Unterstützung von seiner lieben Frau Martina.

»Die wird mehrere Augen zudrücken, wenn ich mit der bezaubernden Prinzengarde unterwegs bin – oh la la! Dafür kann sie dann ruhig mit dem Ältestenrat und den Ehrendoktoren des Karnevalvereins losziehen. Das ist doch ein faires Angebot, oder?«, bemerkte Michele augenzwinkernd.

Der neue Prinz absolvierte von 1996 bis 1999 eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker bei der Firma Schniedertüns, arbeitete dort bis 2003 und machte sich 2004 in der Gastronomie selbstständig: 2004 bis 2007 Cocktailbar und Pizzeria SanRemo in Delbrück, 2007 bis 2013 Kneipe und Pizzeria in Delbrück-Ostenland, seit 2013 gibt es »Michele’s Pizzeria«. Wenn er mal etwas Freizeit hat, spielt er gern Tennis und schraubt hobbymäßig an Autos ‘rum.

Begonnen hatte die viereinhalbstündige non-stop-Prinzenproklamations-Sitzung mit der Verabschiedung des Vorjahresprinzen Markus I. Berhorn, der in seiner Abschiedsrede echtes Büttenrednertalent bewies.

Präsident Peter Hartmann, der wie immer souverän durch die Narrenrevue führte (»Unser Sitzungskarneval ist ‘ne Wucht!«) und zwischenzeitlich das Mikro an den Vize-Präsidenten Ralf »Nippel« Brüggenthies abgab, erinnerte an den Prinzen Karneval vor 40 Jahren, Hermann Scheller (†), und holte den Jubelprinzen (1994) Franz I. Kors auf die Bühne.

Spitzenleistung

Eine absolute Spitzenleistung lieferte den ganzen Abend hinweg die 40-köpfige Stadtkapelle Delbrück unter der Leitung von Gregor Hüllmann. Viele Programmpunkte begleitete die Kapelle für alle Fälle. Wochen und Monate lang wird dafür geprobt. Livemusik im Karneval, bis hin zum Triumphmarsch aus Aida, das gibt es heutzutage kaum noch, das können auch nicht alle, und das muss auch mal ausdrücklich erwähnt werden. Super! Wie das aktuelle Prinzenlied heißt? »Oh la la, Pizza Wunderbar...« Eine naheliegende Wahl.

Die Sitzung hatte keinerlei Schwachpunkte: Ob Tanz (darunter das Jugendtanzpaar Felix Bertram/Lisa Schaffer, Solomariechen Esther Grothoff, die preisgekrönte Showtanzformation Diwo und die stark verjüngte Gruppe Sunny Girls mit einem wunderschönen Tanz zu afrikanischen Rhythmen), ob Gesang, oder Wortbeträge (darunter Volker Diefes, bekannt aus dem Kom(m)ödchen) – da passte einfach alles.

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