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Errichtungsbeschluss folgt erst nach der Ausschreibung – Baustart nicht vor Mitte 2020

Rathausplanung: Wie es jetzt weitergeht

Delbrück (WB). Am Tag 1 nach dem Ratsbürgerentscheid zur Rathausfrage, die am Sonntag ziemlich eindeutig mit Ja beantwortet wurde, ist in der Stadtverwaltung über die Wiederaufnahme der gestoppten Planungen gesprochen worden. Der Ratsbür­gerentscheid ist verbindlich, die Bestätigung des Ergebnisses durch den Rat in seiner Sitzung am 21. März lediglich noch ein formaler Akt.

Jürgen Spies

Fällt der Rat den Errichtungsbeschluss, wird das Rathaus genau hier gebaut. Der langgestreckte Veranstaltungssaal der Stadtsparkasse wird dazu abgerissen. Ebenfalls abgerissen werden soll das ehemalige Haus Stroop (weißes Gebäude links mit Backsteinbau). Foto: Jürgen Spies

Das ganze Procedere zur Vorbereitung der EU-weiten Ausschreibung wird bis zur Ratssitzung aber noch nicht in Gang gesetzt.

Auf Anfrage dieser Zeitung sagte Markus Hückelheim, Leiter des Fachbereiches Bauen und Planen, es müssten in Kürze sämtliche vor dem Ratsbürgerentscheid schon gestarteten und dann dadurch aufgehobenen Schritte noch einmal neu gemacht werden. Dies und die teils komplizierten EU-weiten Ausschreibungen werden viele Monate dauern.

Wenn dann die Ausschreibungsergebnisse vorliegen, erst dann kann der Rat den Errichtungsbeschluss zum Neubau eines Rathauses an der Himmelreichallee fassen. Vor Mitte 2020 wird wohl – Errichtungsbeschluss vorausgesetzt – der erste Spatenstich nicht erfolgen.

Städtebauliche Aspekte

Bürgermeister Werner Peitz sagte auf Anfrage dieser Zeitung, er habe mit Freude zur Kenntnis genommen, dass die 60,7 Prozent der Abstimmenden beim Ratsbürgerentscheid am Sonntag die Tragweite und Notwendigkeit des Vorhabens auf Jahrzehnte hinaus betrachtet gesehen und dementsprechend mit Ja gestimmt hätten und dass erkannt worden sei, dass es eben nicht allein um die Frage eines neuen zentralen Gebäudes für die Verwaltung gehe. Ausschlaggegend für die Befürworter des Vorhabens seien »die städtebaulichen Aspekte« gewesen, schätzt Peitz.

Folgen muss in den nächsten Wochen und Monaten ein Bebauungsplanverfahren für diesen Bereich des Himmelreiches. Das Areal, auf dem das Rathaus entstehen soll, und der »grüne Platz« befinden sich  im Besitz der Stadt Delbrück.

Mit Anliegern und angrenzenden Grundstückseigentümern muss und wird die Stadt Gespräche führen.

Mit dem Architekturbüro Alhäuser (Elkenroth), das den Architektenwettbewerb zum Bau eines Rathauses gewonnen hatte, werden die Gespräche jetzt wieder intensiviert. Ferner soll ein externes Fachbüro eingeschaltet werden, das in Sachen Ausschreibungen/Vergaben begleitend und beratend zur Seite steht, um etwaigen Formfehlern aus dem Wege zu gehen.

Gegner des Neubaus kritisieren bekanntlich, dass die Baukosten zu niedrig geschätzt seien und die geplante Tiefgarage noch nicht in der Kostenschätzung berücksichtigt werde.

Kostenschätzung überprüft

Auf Anfrage des WV sagte der Bürgermeister dazu, die Kostenschätzung für den Rathausneubau ohne Tiefgarage sei mehrfach überprüft und berechnet worden. Bei mittlerem Standard und mittlerer Ausstattung komme man auf Kosten in Höhe von etwa 8,7 Millionen Euro inklusive der Außenanlagen. »Das ist das, was wir ausschreiben wollen«, so Peitz. Die Kosten für eine Tiefgarage, die den jederzeit möglichen Wegfall von mehr als 100 Parkplätzen auf Privatgrundstücken am und im Himmelreich kompensieren könne, seien dagegen derzeit nur schätzungsweise zu benennen. Nach Angaben von Fachbereichsleiter Hückelheim werde die Stadt für die Untersuchung des Baugrundes ein Gutachten in Auftrag geben. Erst nachdem Bohrkern-Analysen zum Untergrund im Himmelreich vorliegen, könne die Kostenschätzung konkretisiert werden. Sollte es keine Überraschungen geben, könne – Stand jetzt – von Baukosten für die Tiefgarage in Höhe von etwa 1,6 Millionen Euro ausgegangen werden.

Das WV erkundigte sich ferner, wie und wann die Verwaltung gedenkt, das Rathausgebäude Marktstraße zu räumen. Der Komplex soll bekanntlich der weiter wachsenden Gesamtschule zur Verfügung gestellt werden, wobei hier die komplette Schulverwaltung konzentriert werden soll und nur im heutigen Sitzungszimmer ein Klassenraum vorgesehen ist.

Ausziehen und umziehen

Peitz sagte, die Stadtverwaltung werde sich in Kürze Gedanken darüber machen, welche Mitarbeiter wann und für welchen Zeitraum aus der Marktstraße ausziehen und wohin sie übergangsweise hinziehen werden. Abhängig sei dies auch von möglichst reibungslosen Verwaltungsabläufen. Angemietet hat die Stadt vor einiger Zeit nun auch das Erdgeschoss des sowieso angemieteten Rathaus-Standortes Lange Straße. Hierhin könnte zumindest ein kleiner Teil der Verwaltungsmitarbeiter aus der Marktstraße umziehen. Nach Bau des neuen Rathauses wird der Komplex nicht länger angemietet bleiben. »Besser ist es, in Eigentum zu investieren«, so Werner Peitz.

Zum Thema Schulen sagte der Bürgermeister, es sei das Ziel, »dass keine Schüler in Bussen hin- und hergefahren werden müssen.«

Kommentar von Jürgen Spies

Das »Ja« beim Ratsbürgerentscheid ist mit einem Votum von 60,77 Prozent eindeutig ausgefallen. Dieses »Ja« ist ein klarer Auftrag an Rat und Verwaltung, das im November auf Eis gelegte Bauprojekt nun ohne weitere Zeitverzögerung umzusetzen. Das müssen nun auch diejenigen kapieren und akzeptieren, die meinen, jetzt im Nachhinein noch weiter herum­prukeln und herum­mäkeln zu müssen.

Wer sich in den vergangenen Wochen in Delbrück mal etwas umgehört hatte, fand schnell heraus, dass es nicht wenigen Wahlberechtigten gar nicht so recht gepasst hat, per Ratsbürgerentscheid plötzlich Verantwortung aufs Auge gedrückt zu bekommen. Das ist verständlich, wenn man weiß oder zumindest ahnt, wie hochkomplex die ganze Angelegenheit ist. Dann gab es noch diejenigen, die sich für dieses Thema weder interessierten, noch die Mühe gemacht hatten, sich darüber überhaupt zu informieren und deshalb von ihrem Wahlrecht erst gar nicht Gebrauch machten. Und dann gab es noch jene, die sich sofort eine felsenfeste Meinung gebildet hatten und die sich auch nicht weiter für Argumente für oder gegen das Vorhaben und deren tiefere Gründe interessierten.

Gut, dass der Ratsbürgerentscheid nun gelaufen ist, gut gelaufen ist. Abstimmungsbeteiligung: 36,6 Prozent. Kein schlechter Wert. Der nun vorgegebene Weg kann sowohl den Raumengpass der Gesamtschule lösen als auch die Platzprobleme und räumliche Zerrissenheit der Verwaltung klären. Nebenbei: Wann hatte Delbrück eigentlich mal ein wirklich den Anforderungen genügendes Rathaus? Eben!

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