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SGD-Bürgermeisterkandidat Willibald Haase fordert in Delbrück Werner Peitz heraus

„Wähler müssen die Wahl haben“

Delbrück (WB). Die Soziale Gemeinschaft Delbrück (SGD) stellt zur Kommunalwahl in Delbrück einen eigenen Bürgermeisterkandidaten. SGD-Chef Willibald Haase fordert den parteilosen Amtsinhaber Werner Peitz heraus. Mit Willibald Haase hat sich WB-Redakteur Jürgen Spies unterhalten.

SGD-Bürgermeisterkandidat Willibald Haase am Alten Markt. Der 63-Jährige ist nach wie vor der Ansicht, dass an dieser Stelle mit bekannt hoher Fußgänger-Querungsfrequenz auch nach dem Straßenumbau ein „Zebrastreifen” sinnvoll gewesen wäre. Foto: Jürgen Spies

Herr Haase, vor 16 Jahren waren Sie schon einmal Bürgermeisterkandidat, damals noch für die SPD. Was motiviert Sie jetzt, es erneut zu versuchen?

Willibald Haase: 2014 gab es für den jetzigen Amtsinhaber keinen Mitbewerber. Und die CDU stellt auch diesmal wieder keinen eigenen Kandidaten. Die SGD ist der Auffassung, dass es nur im Sinne der Demokratie sein kann, wenn Wähler wirklich die Wahl haben.

Die Stadt Delbrück hat als zweitgrößte Stadt im Hochstift immerhin insgesamt 446 Bedienstete, sämtliche Erzieherinnen sowie Teilzeitkräfte mitgerechnet. Von der Personalstärke her entspricht das schon einem beachtlichen mittelständischen Unternehmen! Welche Qualifikation werfen Sie als Bürgermeisterkandidat in die Waagschale?

Haase: Ich habe eine fast 30-jährige Berufserfahrung in der öffentlichen Verwaltung, habe beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe und bei der Bezirksregierung Detmold gearbeitet. Außerdem bringe ich 22 Jahre Erfahrung in politischen Gremien ein, überwiegend in Führungspositionen übrigens. Ich erinnere auch an meine Mitwirkung an verschiedenen Bürgeraktionen, teilweise in vorderster Reihe, wie beispielsweise Erhalt der Hohen Brücke, Wiedereröffnung des Alten Kirchweges, Sendeturm am Nordring, Unterstützung der Bürgeraktion Pastorsbusch oder zuletzt der Einsatz für den Naturschutz in der „Delbrücker Schweiz“.

Auf welche Erfolge können Sie, kann die SGD, konkret beim Rückblick auf die fast abgelaufene Wahlperiode verweisen?

Haase: Ich greife da mal ein Thema besonders heraus. Der größte Erfolg ist der Bau der Lärmschutzwand an der B 64 in Höhe des Baugebiets Tegetfeld und an der Südstraße. Hier ist unser SGD-Mitglied Egon Schönbach hartnäckig drangeblieben. Das gilt auch für die Verlängerung der Lärmschutzwand an der Auffahrt vom Marktkauf aus.

Was hätte Ihrer Ansicht nach in der fast abgelaufenen Wahlperiode anders gemacht werden müssen?

Haase: Die Kosten für das geplante Rathaus werden voraussichtlich aus dem Ruder laufen...

Moment! Sie waren doch immer einer der Befürworter des Rathausneubaues.

Haase: Bin ich immer noch. Aber man hätte unseren Vorschlag aufgreifen sollen, eine funktionsgerechte, sparsamere Lösung zu verwirklichen. Das Atrium wird zwar schön aussehen, ist in Zeiten knapper Kassen aber als feudal zu bezeichnen.

Worauf würden Sie im Falle einer Wahl zum Bürgermeister besonderen Wert legen?

Haase: Wir brauchen Vorzeigeschulen und kein Vorzeigerathaus. Wichtig finde ich auch, dass die Stadt – wo immer das möglich ist – verstärkt auf sozialen Wohnungsbau mit bezahlbaren Mieten für Familien und Alleinstehende mit Kindern hinwirkt. Oberste Zielsetzung nach der Corona-Krise wird es sein, bei notwendigen Ausgaben sparsam zu sein und ausgeglichene Haushalte aufzustellen.

Sie sind ursprünglich und im Herzen SPD-Mann. Bei der Kommunalwahl 2014 hatten Sie im Wahlbezirk 2 fast 24 Prozent der Wählerstimmen geholt, wenig später kam es zum Umbruch, Sie gründeten die SGD und nahmen ebenso wie Alexander Wiechers ihre beiden Ratsmandate mit. Wie grenzt sich denn die SGD heute von der SPD ab?

Haase: Hier möchte ich aus Respekt vor den Mitbewerbern keine Aussage machen. Das trifft genauso für die anderen Parteien und Wählergemeinschaften zu.

Wie beurteilen Sie die zunehmende Zersplitterung des Rates der Stadt Delbrück, der aktuell aus den Fraktionen CDU, SPD, Grüne, PID, SGD sowie den Einzelkämpfern Hans Theo Sasse und Roze Özmen (FDP) besteht? Und jetzt tritt ja noch die Linke erstmals in Delbrück an.

Haase: In Delbrück hat seit Jahrzehnten eine Partei die absolute Mehrheit. Eine politische Vielfalt im Rat ist also eine Chance für mehr Demokratie und für mehr Ideen. Bei allem Bemühen muss aber immer die Vernunft im Vordergrund stehen. Parteipolitische Profilierungen und stark ideologisch gefärbtes Denken lehne ich ab. Ganz klar.

Mit welchem Abschneiden für die SGD wäre der Spitzenkandidat Haase zufrieden. Was rechnen Sie sich aus?

Haase: Wir wollen erneut in Fraktionsstärke in den Delbrücker Stadtrat einziehen. Wir konnten alle Wahlbezirke besetzen und haben ein breites Kandidatenspektrum. Das reicht von Simon Kalka, der gerade 18 Jahre alt geworden ist, bis hin zu unserem Senior Helmut Suren, einem kommunalpolitischen Urgestein, er ist Ende 70. Wir hoffen, dass wir mit anderen Parteien und Wählergemeinschaften gemeinsam die absolute Mehrheit einer Partei brechen können. Die SGD tritt außerdem erstmalig auch kreisweit an und konnte viele der 30 Kreis-Wahlbezirke besetzen. Auch da hoffen wir auf einen Einzug in den Kreistag.

Und Sie persönlich? Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein?

Haase: Ich will natürlich gewinnen! Aber das wird sehr schwer, das gebe ich zu.

Zur Person

Willibald Haase ist 63 Jahre alt und verheiratet.Er hat drei Kinder. Der Diplom-Ingenieur für Bauwesen wohnt in Delbrück-Mitte in der Georgstraße. Aktuell ist er Vorsitzender der zwei-Mann-Ratsfraktion der Sozialen Gemeinschaft Delbrück (SGD) und Vorsitzender des Sportausschusses. Seine Hobbys: Schach, Schwimmen, Radfahren.

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