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Hans-Josef Becker wendet sich mit Brief zur Fastenzeit 2022 an alle Kirchengemeinden des Erzbistums Paderborn

Paderborns Erzbischof: „Erneuerung der Kirche ist notwendig“

Paderborn

Erzbischof Hans-Josef Becker wendet sich in seinem Brief zur Fastenzeit 2022 an alle Gläubigen im Erzbistum Paderborn. Unter der Überschrift „Lazarus, komm heraus! Gedanken zur Umkehr und Erneuerung der Kirche“ ruft der Paderborner Erzbischof dazu auf, in aller Verschiedenheit beieinander zu bleiben und sich nicht zu zerstreiten.

Erzbischof Hans-Josef Becker Foto: Besim Mazhiqi

Unter dem „Eindruck der aktuellen Ereignisse in der Kirche in Deutschland, in der Welt und in unserem Erzbistum“ unterstreicht Erzbischof Becker, es komme darauf an, „mit Respekt und Wertschätzung“ denen zu begegnen, die in der Vergangenheit oft übersehen wurden und auch heute nicht wahrgenommen werden. „Kirche ist kein Selbstzweck. Sie ist nicht selbst das ‚Reich Gottes‘. Dennoch bleibt sie Kirche Jesu Christi“, bekräftigt Erzbischof Becker.

Der Brief des Paderborner Erzbischofs zur Fastenzeit 2022 wird in allen Kirchengemeinden des Erzbistums in den Gottesdiensten des ersten Fastensonntags, 6. März 2022, verlesen. Die Fastenbotschaft von Erzbischof Becker kann in einer Audioaufnahme unter www.erzbistum-paderborn.de gehört werden.

„Wir müssen die Dinge beim Namen nennen“

„Auch bei mir hinterlassen die Geschehnisse der vergangenen Monate und Jahre Spuren“, erläutert Erzbischof Becker am Beginn seines Schreibens. Er frage sich „sehr selbstkritisch“, wieso die Unzufriedenheit und Verunsicherung vieler Gläubiger auch im Erzbistum Paderborn so rasant anwachsen konnten. Der Erzbischof sieht „eine große Notwendigkeit, gemeinsam Wege der Umkehr und Erneuerung der Kirche“ zu finden und zu gehen. Er hebt hervor: „Ich nehme mich da ausdrücklich nicht aus. Zugleich habe ich die begründete Hoffnung, dass Umkehr und Erneuerung geschehen und gelingen.“

Erzbischof Becker sieht die Kirche aktuell an einer Schwelle, die Lage sei ernst, ohne wirkliche innere Erneuerung werde es nicht gehen. Der „Synodale Weg“ habe erste Wegmarken gesetzt und konkrete Schritte beschlossen, führt der Paderborner Erzbischof aus und fordert: „Wir müssen die Dinge beim Namen nennen, und wir dürfen gleichzeitig nicht übersehen, was an Gutem bei uns geschah und geschieht. Es geht um uns als Weggemeinschaft in dieser Kirche und als Kirche.“ Jesus Christus sei der Herr der Kirche, die Kirche sei von ihm selbst gewollt und begründet worden.

Momentan vollziehe sich an vielen Stellen ein schmerzhafter kirchlicher Lernprozess, der jedoch zu einer Konzentration auf das Wesentliche führe, auf das, was Christinnen und Christen in dieser Welt ausmache, analysiert Erzbischof Becker. Dazu bekräftigt er: „Niemals dürfen wir dabei Verbrechen und Schuld relativieren!“ Der Paderborner Erzbischof bittet alle Gläubigen darum, jetzt nicht mutlos zu werden und sich nicht zurückzuziehen. „Ich kann Sie nur bitten, dass ausgesprochen wird, was Sie denken und fühlen, und dass wir dabei barmherzig und gut miteinander umgehen.“

„Wir dürfen uns jetzt nicht verstecken“

„Nicht wenigen Gläubigen“ sei „die Heimat Kirche“ fremd geworden, schreibt Erzbischof Becker weiter und unterstreicht: „Ich bin dankbar, wenn Sie dennoch bleiben und wir einander vertrauen. Ohne Sie, liebe Schwestern und Brüder, wird es die Erneuerung nicht geben.“ Sowohl der „Synodale Weg“ als auch der bistumseigene Prozess „Erzbistum Paderborn 2030+ – Gott vertrauen, Glauben leben, Zukunft gestalten“ würden glaubhaft und lebendig den Neuanfang vorantreiben. In der Kirche zu bleiben, sei ein Hoffnungszeichen.

„Die Kirche von Paderborn ist in erster Linie dazu da, dass möglichst viele Menschen Jesus Christus kennenlernen und ihm näherkommen und dass möglichst viele die religiöse Melodie in ihrem Leben vernehmen“, schreibt Erzbischof Becker zum Abschluss seines Briefes zur Fastenzeit 2022. Er lädt dazu ein, sich gegenseitig zu bestärken: „Wir dürfen uns jetzt nicht verstecken und uns die Hoffnungsperspektive verdunkeln oder gar ausreden lassen.“

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