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Größte Plantage im Kreis Paderborn: Helfer (48) lebte in Hövelhof unter schlimmen Umständen – Hintermänner unbekannt

Bewährungsstrafe im Marihuana-Prozess

Paderborn/Hövelhof

Eigentlich war er nach Deutschland gekommen, um hier zu arbeiten. Doch der Job war nicht das, was er erwartet hatte: Der Mann kümmerte sich in Hövelhof um die größte Marihuana-Plantage, die bislang im Kreis Paderborn entdeckt worden ist.

Ulrich Pfaff

Das Bild zeigt die Marihuana-Plantage in Hövelhof. Im September 2020 war der Betrieb der Anlage aufgeflogen. Foto: Polizei Paderborn

Wegen Beihilfe zum unerlaubten Handel mit Betäubungsmitteln ist der 48-jährige Albaner am Dienstag vom Amtsgericht zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden. Bleibt der Familienvater in den kommenden fünf Jahren straffrei, dann muss er die Strafe nicht absitzen.

Straßenverkaufswert von etwa 600.000 Euro

Was juristisch so nüchtern klingt, sah in der Realität schlimm aus. „Wenn man sich vorstellt, wie der Angeklagte in der Halle hausen musste, dann entspricht das eher einer verlängerten Haftzeit“, sagte Richter André Budde. Die Lagerhalle an einem ehemaligen Bauernhof am Hövelhofer Mergelweg sei ohne Tageslicht gewesen, weil die einzigen beiden Fenster verhängt waren, und noch schlimmer: ohne Sanitäreinrichtungen. Der 48-Jährige hatte dort von Mai bis zu seiner Festnahme Mitte September 2020 in einem abgeteilten Ein-Zimmer-Wohnbereich gelebt, mit Küchenzeile, Schlafsofa und Fernseher, konnte aber nur zwei bis drei Mal in der Woche hinaus – wenn seine unbekannt gebliebenen Hintermänner ihn abholten, damit er duschen konnte. Als Toilette diente ein Eimer.

Aufgabe des 48-Jährigen war es nach eigenen Worten in seinem Geständnis, Pflanzkübel mit Erde vorzubereiten und die Hanfpflanzen zu bewässern. 300 Marihuana-Pflanzen stellte die Polizei bei ihrem Zugriff im September sicher – es war nach Angaben der Kripo die größte Plantage im Kreisgebiet. So groß immerhin, dass nach Erinnerung eines Kriminalbeamten zum Abtransport der Pflanzen wie der dort vorgefundenen professionellen Ausrüstung ein 7,5-Tonner und ein 750-Kilo-Anhänger benötigt wurden. 25 Kilo Marihuana ergab die Beprobung der Pflanzen beim Landeskriminalamt, daraus errechneten die Ermittler einen Jahresertrag bei drei Ernten von 150 Kilo, was einem Straßenverkaufswert von etwa 600.000 Euro entspricht.

Schöffengericht honoriert Geständnis

Der 48-Jährige hatte davon aber nichts, außer sechs Monate Untersuchungshaft, die zusätzlich noch durch zwei Corona-Quarantänephasen erschwert wurden. Der Mann, der zuhause in Albanien wegen eines Erdbebens seine Existenz verloren haben will, war Anfang 2020 nach Deutschland gekommen, um Arbeit zu suchen. Windige Vermittler hätten ihm ein Visum versprochen, aber er sei mit einem Tageslohn von 120 Euro für seine Hilfsdienste in der Halle geködert worden – für eine Arbeit, von der er keine Ahnung gehabt habe. So habe er dann auch durch falsches Hantieren einmal ein Drittel der Plantage „platt gemacht“.

Das Schöffengericht honorierte das Geständnis, die lange Untersuchungshaft sowie die Zustände in der Halle und sprach eine Bewährungsstrafe aus.

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