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Hövelhofer kritisieren Fällung an der Delbrücker Straße – Grundstückseigentümer nimmt Stellung

Die alte Eiche liegt am Boden

Hövelhof

Wer über die Delbrücker Straße nach Hövelhof hineingefahren kam, für den war die alte Eiche am Ortseingang auf dem Gelände des ehemaligen Gastro-Centers ein vertrautes Bild. Am Samstag ist der große Baum gefällt worden – und in der Senne­gemeinde gibt es Kritik.

Meike Oblau

Die alte Eiche auf dem ehemaligen Gastrocenter-Grundstück an der Delbrücker Straße/Ecke Küsterkamp ist am Samstag gefällt worden. Foto: Meike Oblau

Die Gemeinde Hövelhof hat auf Anfrage des WB mitgeteilt, dass es sich um ein Privatgrundstück handele und die Fällung nicht von der Gemeinde initiiert worden sei, sondern vom Investor, der derzeit auf dem Grundstück mehrere Mehrfamilienhäuser errichten lässt. „Nach Rücksprache teilte uns der Eigentümer mit, dass das Wurzelwerk des Baumes größer war als vermutet und im Rahmen der Baumaßnahmen erhebliche Schäden davongetragen hätte. Aus diesem Grund hat man sich nach Beratung durch ein Fachunternehmen für die Fällung entschlossen. Der Grundstückseigentümer weist darauf hin, dass im Rahmen der Baumaßnahmen grünpflegerische Maßnahmen geplant seien und Gehölzstrukturen wieder angelegt würden“, so die Stellungnahme aus dem Rathaus. Weil Grundstücksangelegenheiten in den politischen Gremien nicht öffentlich behandelt werden, teilte die Gemeinde den Namen des Investors nicht mit.

Mehrere Leser dieser Zeitung hatten sich am Montag sowohl schriftlich als auch telefonisch in der Redaktion gemeldet und ihren Unmut über die für sie unerwartete Baumfällung kund getan. In den vergangenen Jahren waren in Hövelhof immer wieder Fällaktionen auf Kritik gestoßen, so auch an der Baustelle des neuen E-Centers, an der neuen Malteser-Kita am Hollandsweg und an der Gütersloher Straße. „Wozu war die Baumfällung an der Delbrücker Straße nötig? Mehr als 100 Jahre stand die Eiche an der äußeren Grundstücksgrenze niemandem im Weg. Sie gehörte an dieser exponierten Stelle zum Ortsbild von Hövelhof“, schreibt eine Leserin. Als die Bauarbeiten für das neue Wohnquartier vor einigen Monaten starteten, sei sie als einziger Baum verschont worden, während alle anderen Büsche und Bäume dort hätten weichen müssen.

Erneut gibt es auch Kritik daran, dass die Gemeinde Hövelhof solche Fällungen nicht mit Hilfe einer Baumschutzsatzung stärker kon­trolliert: „An diesem Beispiel wird einmal mehr deutlich, wie dringend Hövelhof eine Baumsatzung benötigt. Ich finde, in der heutigen Zeit sollte die Entscheidung von Baumfällungen nicht mehr in der Hand des Grundstückseigentümers liegen dürfen“, schreibt die Leserin. „Bäume sind für das Allgemeinwohl bestimmt und sollten vor den Interessen einzelner geschützt werden.“ Die Grünen hatten im Juni 2018 für Hövelhof eine Baumschutzsatzung beantragt, waren aber bei CDU und Bürgermeister Michael Berens auf wenig Gegenliebe gestoßen. SPD und FDP hatten sich bei der Abstimmung im Bauausschuss enthalten.

Kommentar

„Die Eichen stehen stolz im Land, fest und erdverwachsen“, heißt es im Refrain des Kompanie­liedes der Hövelsenner Schützen. Aber: Wie wichtig sind Bäume in Hövelhof? Regelmäßig gibt es im Winter Diskussionen um Baumfällungen. Auch 2021: alle Jahre wieder. Gemeindeverwaltung und Politik scheuen vor klareren Regeln für private Grundstücke zurück. Die immer wiederkehrende Diskussion zeigt aber: Den Bürgern ist es längst nicht mehr egal, wenn ortsbildprägende Bäume verschwinden. Es gibt doch seit einem Jahr die neue Klimakommission. Das Thema Baumschutzsatzung wäre wie gemacht für dieses Expertengremium oder den Klimaschutzmanager, der bald eingestellt werden soll. Meike Oblau

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