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Im Hövelhofer Haus Bredemeier haben 275 Bewohner und Mitarbeiter die zweite Impfung gegen Corona erhalten

Entscheidung fiel nicht allen leicht

Hövelhof

Die Impfungen gegen das Coronavirus im Hövelhofer Altenzen­trum Haus Bredemeier sind abgeschlossen. Am Samstag haben insgesamt 275 Bewohner und Mitarbeiter auf freiwilliger Basis die zweite Impfung erhalten. Wie es ihnen dabei erging und warum sie sich für eine Impfung entschieden haben, berichten vier Mitarbeiter aus den unterschiedlichsten Einsatzbereichen des Seniorenheims im Gespräch mit dem WB.

Meike Oblau

Angelica Briñez (rechts) stammt aus Kolumbien. Sie leistet im Haus Bredemeier Bundesfreiwilligendienst und entschied sich für eine Impfung. Foto: Karl-Martin Flüter

„Ich habe überhaupt keine Bedenken gehabt und mich sofort für die Impfung entschieden“, sagt Elmar Kroll. Der 51-Jährige arbeitet seit 20 Jahren als Koch in der Einrichtung an der Allee. „Nach der ersten Impfung habe ich nach drei Tagen so etwas wie Muskelkater im Arm gespürt, ansonsten ging es mir gut.“ Freunde und Nachbarn seien neugierig gewesen, wie die Impfung verlaufen sei.

Valentina Ewert, die am Empfang arbeitet, hat sich die Entscheidung für die Spritze nicht ganz so leicht gemacht: „Eigentlich wollte ich erst nicht, auch meine Familie war dagegen. Es gibt schon viele Vorurteile. Viele dachten auch, dass wir zu der Impfung gezwungen werden, weil wir in einem Altenheim arbeiten. Aber das stimmt nicht, alles war freiwillig“, berichtet die 42-Jährige. „Wir haben hier im vergangenen Frühjahr miterlebt, was Corona anrichten kann“, erinnert sich Ewert an Infektionen und auch Todesfälle in der Einrichtung an der Allee. Auch aufgrund dieser Erfahrung sei die Entscheidung für die Spritze gefallen.

Einrichtungsleiterin Anna Dusch und Annika Sandbothe (Leitung Tagespflege, sitzend von links) haben viel Papierkram zu erledigen, ehe Mitarbeiterin Simran Kaur Sandhu mit der Impfung an der Reihe ist. Foto: Karl-Martin Flüter

Ihre Kollegin vom Empfang, Monika Klein-Franze, sagt, sie habe nach der zweiten Impfung kurzzeitig Kopf- und Rückenschmerzen gehabt, insgesamt sei dennoch alles gut verlaufen. „Ich akzeptiere es aber auch, dass es Kollegen gibt, die bezüglich der Impfung einfach ein schlechtes Bauchgefühl haben und es deswegen erstmal abgelehnt haben“, sagt die 61-Jährige.

Die Erfahrungsberichte aus dem Haus Bredemeier gingen am Wochenende bis nach Kolumbien. Von dort stammt Angelica Briñez. Die 23-Jährige absolviert derzeit den Bundesfreiwilligendienst im Altenheim, eine Ausbildung in der Pflege wird sich anschließen. „Die Impfung ist nicht nur für mich persönlich wichtig, ich habe auch Verantwortung unseren Bewohnern gegenüber“, beschreibt die Kolumbianerin ihre Beweggründe. In ihrer Heimat seien die Impfungen noch nicht gestartet: „Alle fanden es toll, dass ich hier in Deutschland schon die Möglichkeit dazu hatte“, berichtet sie.

Dr. Georg Schneider (links) impft Elmar Kroll, der bereits seit 20 Jahren als Koch im Hövelhofer Altenheim arbeitet. Foto: Karl-Martin Flüter

Mitarbeiter, die sich gegen die Impfung entschieden haben, hätten keinerlei Nachteile zu befürchten, sagt die Vorstandsvorsitzende des Hauses Bredemeier, Monika Stricker: „Ich persönlich kann es zwar nicht nachvollziehen, warum man sich dagegen entscheidet, aber ich akzeptiere das. Ich bin gegen einen Impfzwang. Akzeptanz von Impfungen erreichen wir durch Aufklärung, nicht durch Zwang. Ich persönlich sehe die Impfung als alternativlos an, ohne Impfung kommen wir als Gesellschaft meiner Meinung nach nicht raus aus dieser Pandemie.“ Sie halte es für ihre soziale Verantwortung, sich impfen zu lassen, sagt Stricker. Für Pflegekräfte sei zum Beispiel eine Hepatitis-Impfung eine selbstverständliche Routine.

Als besonders problematisch empfindet sie, dass insbesondere im Internet diffuse Ängste geschürt würden, die jeglicher Grundlage entbehrten: „Das überfordert viele." Gespannt sei sie darauf, ob es, sobald alle Menschen die Möglichkeit zu einer Impfung gehabt hätten, Privilegien mit sich bringe, wenn man geimpft sei: „Ich könnte mir schon vorstellen, dass irgendwann der Zeitpunkt kommt, dass man nicht mehr ins Flugzeug steigen oder ein Restaurant besuchen darf, wenn man keine Impfung nachweisen kann“, sagt Monika Stricker.

275 Impfungen in drei Stunden

Am 2. Januar hatte im Haus Bredemeier die erste Impfrunde gegen das Coronavirus stattgefunden, am vergangenen Samstag wurden die zweiten Impfungen verabreicht. 275 Bewohner, Mitarbeiter und einige Tagespflegegäste bekamen je eine Dosis des Wirkstoffes von Biontec/Pfizer. Im Einsatz waren Mitarbeiter der Praxis Sennemedizin, die drei Stunden lang parallel in den Wohnbereichen und für das Personal in den Räumen der Tagespflege die Spritzen verabreichten. Mit dieser zweiten Dosis sei der Impfvorgang gegen Covid-19 abgeschlossen, in etwa einer Woche sollte der volle Schutz eingetreten sein, sagte Vorstandsvorsitzende Monika Stricker vom Haus Bredemeier. Etwa 90 Prozent der Bewohner und 70 Prozent der Mitarbeiter ließen sich impfen. Die bekannten Maßnahmen wie Testpflicht (auch für Besucher), feste Besuchszeiten, Screening am Eingang und das Tragen von FFP2-Masken gelten dennoch weiterhin.

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