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Hövelhofer Unternehmen möchte Gleisanschluss reaktivieren und etwas für die Umwelt tun – Kooperation mit Ikea verstärkt

Formaplan will zurück auf die Schiene

Hövelhof

Das Hövelhofer Unternehmen Formaplan will seinen stillgelegten Gleisanschluss reaktivieren und einen Teil seiner 350-Lkw-Fahrten pro Woche auf die Schiene bringen. Das sagte Formaplan-Firmenchef Rolf Henrichsmeyer jetzt bei einem Besuch des Hövelhofer Bürgermeisters Michael Berens (CDU). Henrichsmeyer erläuterte zudem, dass die Kooperation mit dem schwedischen Möbelkonzern Ikea verstärkt wurde.

wn

Beim dritten Besuch des Bürgermeisters an der ­Gehastraße hatte der Chef des Hövelhofer Herstellers vorgefertigter Teile für den Möbelbau, der der größte Arbeitgeber in der Gemeinde ist, laut einer Pressemitteilung beeindruckende Zahlen zu verkünden. Seit 2012 habe sich der Umsatz des Unternehmens von 57 Millionen Euro auf mehr als 100 Millionen Euro nahezu verdoppelt – Tendenz steigend, sagte Henrichsmeyer. Die Zahl der Mitarbeiter sei im selben Zeitraum von 380 auf 500 gestiegen. Grund für die positive Entwicklung sei die strategische Weiterentwicklung der Zusammenarbeit mit Ikea.

Sie begann bereits 1993. 2012 bekam Formaplan dann von Ikea den Auftrag, für das Schubladensystem „Komplement“ im Schranksystem „Pax“ eine Fertigungslinie aufzubauen. Inzwischen liefert das Unternehmen jährlich etwa zehn Millionen Schubladen an Ikea. Die Schubkastenführungen stammen übrigens aus der direkten Nachbarschaft, von Reme. Von den weltweit drei Lieferanten sei Formaplan der größte. Etwa 85 Prozent seines Umsatzes erziele das Hövelhofer Unternehmen mittlerweile mit den Schweden.

Formaplan ist nach eigenen Angaben der einzige Hersteller von Schubkästen, der eine neuartige Verbindungstechnik, bei der ein „Klick“ zweier Teile das bisherige Holzdübelsystem ersetzt, auch bei hohen Stückzahlen industriell fertigen kann. Vorteil des neuen Verbinders: erheblich kürzere Montagezeiten für Kunden. Henrichsmeyer kündigte an, dass Formaplan in den kommenden zwei Jahren rund sieben Millionen Euro investieren wolle. Unter anderem soll eine zweite Maschine für die industrielle Verbindungstechnik gekauft werden.

Der enorme Spanplattendurchsatz schlage sich auch in der Logistik bei Formaplan nieder. Etwa 350 Lkw steuerten das Unternehmen pro Woche an, um Rohwaren zu liefern und fertige Produkte abzuholen. Mit Blick auf diesen Verkehr wolle er den betriebseigenen Gleisanschluss reaktivieren, sagte Henrichsmeyer: „Das würden wir gerne machen, denn der Großteil der Spanplatten stammt aus Osteuropa. Ein Transport mit der Bahn würde sowohl die Verkehrsbelastung in Hövelhof als auch die Klimabelastung senken. Bis 2030 müssen wir klimaneutral produzieren“, erläuterte Henrichs­meyer und verwies auf eine Vorgabe von Ikea.

Ein Helfer dabei soll auch das moderne Heizkraftwerk vor Ort sein. Trotz der positiven Umsatzentwicklung sei es mit Hilfe der Anlage gelungen, den Kohlen­dioxidausstoß deutlich zu reduzieren. Bürgermeister Berens und Wirtschaftsförderer Thomas Westhof versprachen Henrichsmeyer, das Unternehmen mit dem Vorhaben bei der Bahn unterstützen zu wollen.

Über Innovationen in der Verbindungstechnik bei Formaplan haben sich (von links) Hövelhofs Bürgermeister Michael Berens, Geschäftsführer Werner Schirmer, Unternehmer Rolf Henrichs­meyer und Wirtschaftsförderer Thomas Westhof ausgetauscht. Foto: Verkehrsverein Hövelhof

Ende 2020 hatte Formaplan den „sanften Ausstieg aus der Möbelherstellung“ besiegelt. Die hochwertigen Schlafzimmer, die Geha einst produzierte, sind Vergangenheit. „Unter einem Dach Möbel herzustellen und Zulieferteile zu fertigen, klappt nicht“, sagt der Firmenchef. Der eingeschlagene Weg habe sich inzwischen als richtig erwiesen und sei nahezu personalneutral abgelaufen. Fast alle früheren Geha-Mitarbeiter arbeiteten heute bei Formaplan, sagte Henrichs­meyer. Sieben ehemalige Mitarbeiter seien mittlerweile für einen anderen Möbelhersteller tätig. Die Geha-Entwürfe werden heute bei Interlübke für die Möbelvertriebsgesellschaft Collection C in Weimar gefertigt. Deren Geschäftsführer Ralf Hentschel war ­früher als Vertriebsleiter bei den Geha-Möbelwerken ­tätig.

Bislang sei Formaplan gut durch die Pandemie gekommen. Nur wenige Wochen habe im vergangenen Jahr die Produktion komplett geruht. Bereits im Frühjahr wurden Wartungen und Urlaube soweit wie möglich vorgezogen, sagte Henrichs­meyer. Ab Sommer 2021 sei es dann im Dreischicht-Betrieb wieder losgegangen. Nur gelegentlich habe es Probleme bei der Materialverfügbarkeit gegeben.

Im Betrieb gelte ein striktes Corona-Regime. Auch Formaplan sei nicht von einzelnen Erkrankungen und Quarantänemaßnahmen verschont geblieben. Es habe aber keine Massenausbrüche gegeben, betonte Henrichs­meyer.

Inzwischen hat das Unternehmen ein Testzentrum eingerichtet, in dem die Mitarbeiter zweimal pro Woche getestet werden. „Und wir möchten gerne noch weiter gehen“, sagte Henrichsmeyer. Formaplan wolle den Mitarbeitern auch im Betrieb, die Chance auf eine Impfung geben. Platz genug für ein betriebliches Impfzentrum sei reichlich vorhanden. Dazu wolle man zeitnah Gespräche aufnehmen, kündigte Henrichs­meyer an.

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