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2020 hießen diese Hövelhofer plötzlich wie die weltweite Pandemie

Gestatten? Wir sind Familie Korona

Hövelhof

Dass sie ihren Namen buchstabieren musste, ist Sandra Korona (23) früher oft passiert. Dass Menschen aber stutzen und „Heißt du wirklich so“ fragen – das ist erst so, seit die Hövelhoferin plötzlich heißt wie eine weltweite Pandemie.

Meike Oblau

Sandra Korona und ihr Bruder Patrick aus Hövelhof werden in diesem Jahr besonders oft auf ihren Nachnamen angesprochen. Foto: Jörn Hannemann

Das Telefonbuch verzeichnet in der Sennegemeinde vier Einträge unter „Korona". Vor zwölf Monaten noch war das ein völlig normaler Familienname. Sogar einen Jungschützenkönig dieses Namens hatte Hövelhof schon: Sandras Bruder Patrick (28) schoss einst bei den „U-30-Schützen“ der St.-Hubertus-Bruderschaft den Vogel ab.

Korona = Sonnenfinsternis

In der Astronomie bezeichnet man als Korona den zum Beispiel bei einer totalen Sonnenfinsternis sichtbaren Strahlenkranz der Sonne. Heutzutage denkt bei diesem Wort, wenn auch mit C geschrieben, allerdings jeder an etwas ganz anderes.

„Im Januar haben wir zum ersten Mal gemerkt, dass Menschen im Gespräch mit uns irritiert waren, wenn wir sagten, wie wir heißen“, erinnert sich Sandra Korona. „Damals wollten wir uns zu einem Kursus in Bielefeld anmelden und ich habe noch ganz flapsig gesagt: Korona, wie das Virus, nur mit K.“

Bekanntlich überschlugen sich danach die Ereignisse, und die Situationen, in denen Sandra Korona und ihr Bruder Patrick allein durch Nennung ihres Namens Aufmerksamkeit auf sich zogen, häuften sich. Sandra Korona arbeitet bei der Firma Conta-Clip, ihr Bruder bei Kern-Deudiam. Beide führen bei der Arbeit häufig Telefonate. „Manchmal war es schon ein bisschen nervig, wenn zehnmal pro Tag Nachfragen zu meinem Namen kamen“, sagt Sandra Korona. Ab und zu hätten ihre Gesprächspartner auch gedacht, sie wolle sie auf den Arm nehmen.

An eine solche Begegnung kann sich auch Patrick Korona erinnern: „Bei uns in der Firma war mal ein Bote, der mich bat, ein Paket anzunehmen. Der hat mir tatsächlich nicht geglaubt, wie ich heiße. Ich musste ihm meinen Ausweis zeigen.“

 „Ein hässlicher Name“

Scherzanrufe von übermütigen Jugendlichen oder Radiomoderatoren habe es bisher nicht gegeben, sagt Sandra Korona, und überhaupt sei ihr am Telefon nur einmal wirklich jemand ein wenig dumm gekommen: „Die Dame hat tatsächlich zur mir gesagt, das sei aber ein hässlicher Name“, berichtet die 23-Jährige. „Natürlich verbinden derzeit viele das Wort Corona mit etwas Negativem, mit Pandemie, mit Krise, mit Einschränkungen. Aber es ist eben nicht nur das Virus, sondern schlicht und ergreifend auch mein Name“, ergänzt sie.

Dass der jetzt in aller Munde ist, sei vor allem zu Beginn der Pandemie im Frühjahr irgendwie unwirklich gewesen, berichtet Patrick Korona: „Anfangs ist man irgendwie immer regelrecht hochgeschreckt, wenn das Wort im Radio oder im Fernsehen in den Nachrichten kam. Aber man hat sich schnell dran gewöhnt, mittlerweile gibt es ja auch eigentlich keine Nachrichtensendung mehr, in der das Wort nicht auftaucht.“

Fürs neue Jahr wünscht sich natürlich auch Familie Korona, dass wieder andere Themen in den öffentlichen Fokus geraten: „Die Zeiten, als Corona eine nicht mal wirklich bekannte Biersorte war, waren doch auch ganz schön“, schmunzelt Patrick Korona. Mal abwarten, wann er seinen Namen nicht mehr so oft in Funk und Fernsehen hören muss.

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