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Hövelhofer Unternehmen kauft Firma im Kreis Lippe und eröffnet dort drittes Werk

Horatec zieht’s nach Augustdorf

Hövelhof/Augustdorf (WB). Lange gesucht und in Lippe fündig geworden: Horatec aus Hövelhof eröffnet ein neues Werk in Augustdorf. Hier hat Geschäftsführer Wolfgang Thorwesten die Firma WS Holzfertigung aufgekauft. In Hövelhof hatte sich keine Möglichkeit für eine Erweiterung seines Betriebs mehr ergeben.

Meike Oblau

Werk 3 entsteht im Nachbarkreis: Horatec-Geschäftsführer Wolfgang Thorwesten (links) erläutert Hövelhofs Wirtschaftsförderer Thomas Westhof und Bürgermeister Michael Berens die Erweiterungspläne in Augustdorf. Hier hat er eine Firma aufgekauft. Foto: Meike Oblau

Horatec beliefert Tischler mit Möbelfertigteilen und investiert seit zwei Jahren wie berichtet auch ins Online-Geschäft . Mit einem selbst entwickelten internetbasierten Möbelplaner sollen Kunden künftig Schränke nach Maß selbst konzipieren können – gebaut werden sie dann vom Tischler vor Ort, dem Horatec ein spezielles Internet-Tool auf seine Internetseite stellt und auf Wunsch auch Möbelteile zuliefert.

Die Firma Horatec

Horatec produziert Möbelfertigteile für das Tischlerhandwerk. Wolfgang Thorwesten gründete das Unternehmen 1996 in Ostenland. Seit 2001 ist die Firma in Hövelhof ansässig. Von 2009 bis heute wuchs die Zahl der Mitarbeiter von 20 auf 110. Der Umsatz lag vor zehn Jahren bei fünf Millionen Euro, in diesem Jahr erwartet Wolfgang Thorwesten bis zu 18 Millionen Euro Umsatz. Seit 2014 ist die Egger-Gruppe an Horatec beteiligt. Seit zwei Jahren wird gemeinsam das Thema internetbasierte Möbelplanung vorangetrieben.

Für diese neue Idee braucht Horatec vor allem Platz, um die Produktion auszuweiten – und Platz ist in Hövelhof für Unternehmen bekanntlich rar. Die Hoffnung, ein Grundstück kaufen zu können, das unmittelbar hinter den beiden Hövelhofer Werken liegt, zerschlug sich – stattdessen öffnete sich aber eine Tür im 13 Kilometer entfernten Augustdorf.

»Wir brauchten eine schnelle Lösung«

Die Erweiterungspläne im Nachbarkreis erläuterte Geschäftsführer Wolfgang Thorwesten am Dienstag Hövelhofs Bürgermeister Michael Berens und Wirtschaftsförderer Thomas Westhof. »Ich habe das Grundstück hinter unseren beiden Werken hier in Hövelhof perspektivisch noch nicht gänzlich aufgegeben, aber jetzt brauchen wir eine schnelle Lösung«, sagte er.

Über einen Maschinenlieferanten lernte er Wolfgang Schmidt kennen, der seit Anfang der 1990er Jahre in Augustdorf die Firma WS Holzfertigung betreibt und sich zur Ruhe setzen möchte. »Die Familie hat sich entschieden, die Firma komplett zu verkaufen. So eine Chance ergibt sich für uns wahrscheinlich nie wieder«, schlug Wolfgang Thorwesten nach einjährigen Verhandlungen nun zu.

9000 Quadratmeter Produktions- und Bürofläche kommen dazu

9000 Quadratmeter Produktions- und Bürofläche gehen zum 1. August auf die Firma Horatec über (zum Vergleich: in Hövelhof stehen derzeit 7000 Quadratmeter zur Verfügung). Zum genauen Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht, Thorwesten sprach von einem einstelligen Millionenbetrag. »Wir finden dort eine für unsere Zwecke fast perfekte Infrastruktur vor und haben auch allen dort beschäftigten 25 Mitarbeitern das Angebot gemacht, für uns weiterzuarbeiten«, sagt Thorwesten, der zuletzt häufiger den Fachkräftemangel in Deutschland beklagt hatte . »Wir können dort in unserem dann dritten Werk relativ schnell durchstarten.« Die Mitarbeiter haben jetzt noch drei Wochen Zeit, um sich zu entscheiden, ob sie künftig für Horatec arbeiten wollen. Die Hälfte der Augustdorfer Belegschaft habe bereits zusagt.

Horatec will 15 Millionen Euro investieren

Am neuen Standort will Horatec kräftig investieren – und kräftig wachsen. Etwa 15 Millionen Euro, schätzt der Geschäftsführer, sollen in den kommenden Jahren in die Aufwertung des Maschinenparks fließen, um das neue Werk 3 auf denselben technischen Stand zu bringen wie die beiden Hövelhofer Werke an der Josef-Förster-Straße. Die »Mannschaft« in Augustdorf soll perspektivisch von aktuell 25 auf 100 Mitarbeiter wachsen. Im Kreis Lippe ist in Zukunft ein ähnlich hoher Umsatz (etwa 20 Millionen Euro jährlich) angepeilt wie in der Sennegemeinde.

Die Gewerbesteuer müssten sich beide Kommunen künftig teilen: »Das wird nach der Anzahl der Mitarbeiter berechnet, so dass sich für Hövelhof nichts ändert. Die zusätzlich fällig werdende Gewerbesteuer geht dann aber nach Augustdorf«, erläuterte Bürgermeister Michael Berens. Er bedauere nach wie vor, vielen Unternehmen vor Ort keine Perspektive bieten zu können, da schlichtweg keine Gewerbegrundstücke zur Verfügung stehen. »Horatec aber kann man zu dieser Entscheidung nur gratulieren, man muss zugreifen, wenn man so eine Chance bekommt«, sagte Berens.

»Keine Entscheidung gegen Hövelhof«

Wolfgang Thorwesten, der mit dem Gemeindeoberhaupt gemeinsam die Schulbank gedrückt hat, betonte, er hätte sehr gerne in Hövelhof erweitert: »Das war keine Entscheidung gegen Hövelhof. Wenn es nach mir gegangen wäre, wäre auch das dritte Werk hier entstanden. Zwei Standorte sind immer etwas komplizierter zu organisieren. Aber es gibt Dinge, die man nicht beeinflussen kann – und dann muss man Lösungen finden, statt herumzujammern.« Nun habe sein Unternehmen im Lipperland »einen Fuß in der Tür«. Zügig sollen die Standorte nun zusammenwachsen und die neuen Mitarbeiter entsprechend geschult werden.

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