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LST und Bauamt entwickeln besonderen Stein für den Henkenplatz in Hövelhof

Hufeisen-Experiment geglückt

Hövelhof (WB). Im Hövelhofer Imagefilm, der vor ein paar Jahren gedreht wurde, musste noch eine Schatzkarte helfen, um den Weg zum Glück zu finden. Wer sein Glück heute in der Sennegemeinde sucht, sollte am neuen Henkenplatz vorbeischauen. 100 Hufeisen sind dort verlegt worden – eingelassen in dunkle Pflastersteine, die eigens für und in Hövelhof entwickelt wurden.

Meike Oblau

Bauamtsleiter Andreas Markgraf zeigt einen der Hufeisen-Pflastersteine, die für und in Hövelhof entwickelt wurden. 100 Exemplare sind auf dem Henkenplatz verlegt worden. Foto: Jörn Hannemann

Am Anfang stand wie so oft die theoretische Idee eines Planers. Um sichtbar zu machen, wie geschichtsträchtig der Henkenplatz ist, sollten Hufeisen den Weg nachzeichnen, den man einst von Schloß Neuhaus aus kommend ritt, um das Hövelhofer Jagdschloss zu besuchen. Das Schloss wurde 1661 vom Paderborner Fürstbischof Dietrich Adolph von der Recke errichtet.

Verlängerung der Mittelachse des Schlosses

Das neue Pflasterband – etwa jeder vierte Stein ist hier mit einem Hufeisen verziert – stellt die Verlängerung der Mittelachse dar, die im Schlossgarten aufs Fürstbischöfliche Jagdschloss zuläuft. »Die geradlinige Auffahrt von der Allee zum Schloss war der Endpunkt der Chaussee von der bischöflichen Residenz in Schloß Neuhaus zum Hövelhofer Jagdschloss«, heißt es im Ortskernkonzept. Viele Hövelhofer hatten den Henkenplatz in Planungsworkshops zu diesem Konzept als »ihre« Ortsmitte benannt.

Ursprünglich hatten die Planer gehofft, die Sichtachse zum Schloss vom Henkenplatz aus komplett freilegen zu können. Privater Immobilienbesitz (ehemaliges Gasthaus Zur Post samt Anbau) verhindert diese Planungen zurzeit, so dass sich die frühere Achse derzeit nicht durchgehend erkennen, aber zumindest erahnen lässt. Die Hufeisen-Pflastersteine nämlich symbolisieren nun den Weg, den die heutige Paderborner Straße früher in Richtung Jagdschloss nahm.

Doch wie sind die Hufeisen eigentlich in die Steine hineingekommen? Fest steht: Als fertiges Produkt einfach bestellen kann man diese Steine nicht. Sie sind eine tüftlerische Co-Produktion des Hövelhofer Bauamtes, des örtlichen Unternehmens LST Laserschneidtechnik und eines Betonwerks in Porta Westfalica im Kreis Minden-Lübbecke.

Herkömmliche Hufeisen kamen nicht in Frage

»Es gibt durchaus Städte in Deutschland, die so etwas in der Art schon umgesetzt haben. Zum Teil konnten wir da aber auch erfahren, was nicht funktioniert«, schildert Hövelhofs Bauamtsleiter Andreas Markgraf. Herkömmliche Hufeisen kann man nämlich nicht nutzen: »Die setzen Rost an und man kriegt auch keine ebene Fläche hin. Da können sich Stolperkanten bilden«, sagt Markgraf. Sein früherer Kollege Guido Löhr kam mit LST Laserschneidtechnik ins Gespräch. Das Unternehmen an der Heinz-Sallads-Straße produziert zum Beispiel auch die Hövelhof-Silhouette aus Edelstahl .

Spezielles Programm für Laserschneidmaschinen geschrieben

Wie es dann weiterging, schildert Florian Meier von LST: »Wir haben nach passenden Zeichnungen eines Hufeisens gesucht und daraus ein Programm für unsere Maschinen geschrieben. Die Hufeisen wurden dabei per Laser aus Edelstahl ausgeschnitten.«

Zuvor habe man aber die Frage klären müssen, wie man die Hufeisen später so fest im Stein verankern kann, dass man sie nicht so leicht wieder herauslösen kann. Spezielle 20 Millimeter lange Schweißbolzen, die sich dornenähnlich in den Steinen verhaken, waren die Lösung.

Mit 100 Hufeisen im Gepäck machte sich dann eine kleine, neugierige Delegation aus Hövelhof auf den Weg ins Betonwerk nach Porta Westfalica. »Es hat auf Anhieb geklappt«, erinnert sich Florian Meier. »Die bei uns produzierten Hufeisen wurden in den noch feuchten Stein gepresst und dann wurde der Stein ganz herkömmlich gebrannt.«

»Stresstest« auf dem Gelände des Bauhofes

Was gut aussieht, muss aber noch lange nicht funktionieren, und so wurden die Steine einem »Stresstest« unterzogen: »Wir haben eine Teststrecke auf unserem Bauhof verlegt. Da sind dann monatelang schwere Fahrzeuge drübergefahren. Wir haben auch geprüft, wie der Edelstahl auf Streusalz reagiert«, berichtet Bauamtsleiter Andreas Markgraf.

Die Steine und die Hufeisen hielten Stand und wurden im Frühjahr auf dem Henkenplatz verlegt. Das Areal wird am Montag, 3. Juni, um 19 Uhr eingeweiht. Wer sein Glück also noch nicht gefunden hat, kann es dann dort suchen. Ganz ohne Schatzkarte.

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