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Jahresrückblick: Gasalarm bei Glasfaserarbeiten – E-Center neu eröffnet

In Hövelhof wird fleißig gebuddelt

Hövelhof

Lockdown hin, Kontaktbeschränkungen und Veranstaltungsabsagen her: In Hövelhof passiert auch 2020 wieder viel. Schönes und Trauriges, Mutmacher-Geschichten und Kriminelles. Ein Rückblick:

Meike Oblau

Im August eröffnet das E-Center an der Bielefelder Straße (oben links). Die Feuerwehr ist im Sommer bei vier Gasalarmen im Zuge des Glasfaserausbaus gefragt (oben rechts). Die Sennestraße (unten links) wird ebenso saniert wie der Hövelmarkt, der einen neuen Brunnen erhält. Fotos: Langer, Oblau, Schwabe, Polizei Foto:

Als in Deutschland die ersten Coronafälleauftauchen, ist im Kreis Paderborn die Gemeinde Hövelhof als erste besonders betroffen: Nach einem positiven Befund in der Belegschaft einer Arztpraxis am Mergelweg Mitte März entscheidet der Krisenstab der Sennegemeinde bereits vor dem ersten bundesweiten Lockdown, vorsichtshalber

Schulen, Kitas und weitere öffentliche Einrichtungen zu schließen und alle Großveranstaltungen vorerst bis Ende Juni abzusagen. Für dringende Fälle bietet der Mediziner Dr. Georg Schneider Coronatests auf dem Parkplatz vor seiner Praxis an der Paderborner Straße an.

Ende März gibt es einen Coronaausbruch im Altenzentrum Haus Bredemeier. Drei Bewohner, bei denen Corona nachgewiesen worden war, sterben im April. Insgesamt gibt es im Haus Bredemeier im März und April mehr als 30 an Corona erkrankte Bewohner und Mitarbeiter. Im Herbst sind mehrere Schulen und Kitas in Hövelhof von Quarantänemaßnahmen und Schließungen nach positiven Coronafällen betroffen. Ins Haus Bredemeier kommen Besucher seit Mitte November nur noch nach einem negativen Corona-Schnelltest. Die Tests werden in einem Container neben dem Altenheim durchgeführt.

Bauprojekte

Die Umgestaltung des Hövelmarktplatzes ist der letzte Baustein des Ortskernkonzepts 2020. Vor Beginn des Umbaus gibt es in einer Bürgerversammlung heiße Diskussionen um Bäume und Parkplätze. Die Planung wird daraufhin in Teilen nochmal umgeschmissen. Im April beginnt der Umbau. Der Jerome-Brunnen verschwindet, das alte Pflaster wird durch „sennegelbes“ ersetzt. Ein neuer Brunnen entsteht vor dem Einstein, ebenso eine Stele mit Glockenspiel. Die Bauarbeiten ziehen sich deutlich in die Länge: Eigentlich sollte Anfang Oktober alles fertig sein, aber letztlich kann der Platz erst am 23. Dezember wieder freigegeben werden.

Komplett im Zeitplan bleibt hingegen der Umbau der Sennestraße zwischen Raiffeisenstraße und Schulzentrum. Hier wird zudem eine neue Buswendeschleife angelegt und der Wanderparkplatz wird saniert. Umgestaltet wird ganz in der Nähe auch die Bifkurkation aus Krollbach und Schwarzwasserbach.

Auch im Einzelhandel gibt es Neuerungen. Im August ist das deutlich vergrößerte E-Center an der Bielefelder Straße fertig, kurz vor der Eröffnung wird auch das Wohn- und Geschäftshaus am Kreisel (Boutique Edith M) zugunsten eines größeren Supermarktparkplatzes noch abgerissen. Das alte E-Center an der Ferdinandstraße wir ab September als Elli-Markt und SB Lüning genutzt. An der Paderborner Straße schließt der Netto-Getränkemarkt, die Immobilie übernimmt Lidl und will im Frühjahr 2021 eröffnen.

Im Juni wird der Anbau des Altenzentrums Haus Bredemeier an der Dr.-Sonnenschein-Straße eröffnet. Hier gibt es zwei Wohngemeinschaften - im Erdgeschoss für jüngere Bewohner von 20 bis 60 Jahren, in der ersten Etage für ältere Senioren.

Nicht rund läuft es weiterhin für die neue Malteser-Kita. Nachdem der Kauf eines Grundstücks am Küsterkamp im vergangenen Jahr platzte, verzögert sich nun der Neubau am Hollandsweg, so dass die Kita im August zunächst Ausweich-Container am Schützen- und Bürgerhaus beziehen muss.

Im Oktober beschließt der Gemeinderat, sich per Vorkaufsrecht die Gaststätten-Immobilie „Zur alten Post“ (Möller) zu sichern. Was genau mit dem Haus und dem Grundstück passieren soll, ist noch offen. Einwände von Bürgern verhindern, dass ein Abriss zur Freilegung der Schlossachse und zur Vergrößerung des Schlossgartens bereits beschlossen wird.

Auch in den kommenden Jahren stehen in Hövelhof größere Projekte an: Der Neubau des Feuerwehrgerätehauses am Alten Markt wird im Mai beschlossen, zu einem möglichen 12 bis 15 Millionen Euro teuren Ersatzbau für das marode Sennebad soll es im ersten Halbjahr 2021 einen Ratsbürgerentscheid geben.

In Riege und an der Ecke Sennestraße/Bentlakestraße sollen zudem neuen Baugebiete entstehen.

Kriminalität

Gleich zweimal innerhalb von 72 Stunden ist die Tankstelle Falkenrich an der Paderborner Straße im Januar das Ziel von Überfällen. Bei der ersten Tat schlägt ein Angestellter den Räuber mit Hilfe eines Staubsaugers in die Flucht. Drei Tage später steht wieder ein Maskierter am Tresen. Diesmal erbeutet er eine vierstellige Bargeldsumme.

Im September hebt die Polizei in Hövelhof auf einem ehemaligen Bauernhof mit mehreren Hallenanlagen eine riesige Cannabis-Plantage aus, nach Angaben der Behörden die bislang größte Drogenplantage,die je im Kreis Paderborn entdeckt wurde. Ein 42-jähriger Albaner wird festgenommen. 150 Cannabispflanzen und 160 Jungpflanzen, die unter Einsatz von 100 Speziallampen und Ventilatoren professionell gezüchtet werden, entdecken die Ermittler. Sie schätzen, dass dort jährlich Drogen mit einem Verkaufswert von etwa 300.000 Euro produziert werden können.

Im Oktober durchsuchen Ermittler die Räumlichkeiten der Firma Kaimann an der Hansastraße. Laut Staatsanwaltschaft wird wegen Betrugsverdachts gegen ehemalige und aktuelle Mitarbeiter des Unternehmens ermittelt. Die Ermittlungen gehen auf eine Strafanzeige eines Konkurrenzunternehmens zurück. Ergebnisse stehen noch aus.

Zu einer spektakulären kurzzeitigen Entführung kommt es kurz vor Weihnachten im Ortszentrum. Zeugen beobachten, wie mehrere Männer in der Straße Zur Post mit Baseballschlägern auf einen jungen Mann einprügeln. Anschließend verfrachten sie ihn in einen Lieferwagen und fahren davon. Die Polizei kann den Wagen später in Brackwede stoppen und das schwer verletzte Opfer befreien. Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich um eine Auseinandersetzung im Drogenmilieu handelt.

Feuerwehreinsätze

Viermal sorgen Baukolonnen der Deutschen Glasfaser im Sommer für große Feuerwehreinsätze: Die Bauarbeiter beschädigen am Grünen Weg, an der Leuschnerstraße, am Mergelweg und an der Leostraße Gasleitungen, vorsichtshalber werden Häuser evakuiert. Nach dem vierten Einsatz zieht die DG auf Drängen der Gemeinde Konsequenzen, setzt andere Bauarbeiter ein und kontrolliert häufiger.

Bei Bauarbeiten wird im Juli auf dem Gelände der Hövelhofer JVA Phosphorgeruch festgestellt. Feuerwehr und Kampfmittelräumdienst eilen in den Ortsteil Staumühle. Sechs Personen kommen vorsorglich ins Krankenhaus, Anwohner müssen kurzzeitig ihre Häuser verlassen. Gefunden wurden Kampfmittel aus dem Ersten Weltkrieg.

90 Feuerwehrleute sind im August bei einem Großbrand an der Detmolder Straße in Riege im Einsatz. Sie können die historische Fachwerkscheune aus dem 18. Jahrhundert nicht retten, aber verhindern, dass die Flammen auf das Haupthaus und andere umliegende Gebäude übergreifen.

Vor Gericht

Große Diskussionen um eine kleine Skulptur: Im Mai wird an der Raiffeisenstraße eine „kantige“ Nachbildung des Hermannsdenkmals aufgestellt. Auszubildende haben die Figur gebaut und der Gemeinde geschenkt. Das Problem: Teile des Gemeinderates fühlen sich übergangen, weil die Skulptur ohne jeglichen Beschluss aufgestellt wurde. Nach ebenso langen wie ergebnislosen Diskussionen in den politischen Gremien schaltet FDP-Fraktionsvorsitzender André Klocksin das Verwaltungsgericht in Minden ein, um klären zu lassen, ob Bürgermeister Michael Berens (CDU) den Rat hätte beteiligen müssen. Eine Entscheidung des Gerichts dazu steht nach wie vor aus.

Kommunalwahl

Bei der Kommunalwahl am 13. September hat Bürgermeister Michael Berens (CDU) erstmals zwei Gegenkandidaten. Wiedergewählt wird der Amtsinhaber letztlich mit 70,0 Prozent. Herausforderer Jörn Achtelik (Bündnis 90/Die Grünen) holt 18,3 Prozent, auf Benjamin Sandbothe von der FDP entfallen 11,8 Prozent der Stimmen. Die CDU verteidigt die absolute Mehrheit im Gemeinderat. Sie holt zwar kreisweit das beste Ergebnis, verliert in Hövelhof aber dennoch sieben Prozent im Vergleich zur letzten Wahl. Auch die neu formierte SPD verliert – insgesamt sechs Prozent. Gewinner im Gemeinderat sind die Fraktionen der Grünen (plus 7,3 Prozent) und der FDP (plus 5,6 Prozent). Der frühere Hövelhofer Ratsherr Jörg Schlüter (Grüne) wird stellvertretender Landrat.

Trauerfälle

Im Alter von 82 Jahren verstirbt am 7. Januar der Hövelhofer Unternehmer Hartwig Liemke. Er führte 47 Jahre lang das von seinem Vater gegründete Maschinenbauunternehmen Elha und gründete 1977 die Firma Kern-Deudiam, die Diamantwerkzeuge für Baumaschinen herstellt. 2001 gehörte er zu den Mitinitiatoren des Ausbildungsnetzwerkes Bang.

27 Jahre lang wirkte er als Pfarrer in der Hövelhofer Kirchengemeinde St. Johannes Nepomuk. Am Ostermontag verstirbt Josef Heller im Alter von 95 Jahren. Er war von 1967 bis 1994 Pfarrer in der Sennegemeinde. In seine Amtszeit fielen der Neubau der Pfarrkirche und des Pfarrheims.

Im September verstirbt im Alter von 83 Jahren Pater Minas. Er hatte 31 Jahre lang, von 1971 bis 2002, das Salvator-Kolleg geleitet. In seiner Zeit als Direktor der Jugendhilfeeinrichtung eröffnete er dort unter anderem ein eigenes Berufskolleg.

Kreative Ideen

Die Coronakrise verlangt der Wirtschaft auch in Hövelhof einiges ab, in vielen Betrieben muss Kurzarbeit angemeldet werden. Doch den Kopf stecken die Unternehmen nicht in den Sand. Sie werden kreativ. Gastronomen organisieren quasi von heute auf morgen einen Abhol- oder Lieferservice. Die Firma Berenbrinker Lichtwerbung stellt Teile ihrer Produktion auf die Fertigung von Spuckschutzwänden um. Conta-Clip produziert jetzt spezielle Kunststoffteile, die sich „hygienischer Türöffner“ nennen. Sie können über Türklinken gezogen werden, damit man diese dann mit dem Unterarm öffnen kann. Spirituosen-Spezialist In-Spirit versucht, der Coronakrise mit einem Augenzwinkern zu begegnen und bringt Likör und Wein unter dem Namen „Impfstoff“ auf den Markt. Angelika Michelis vom Festbedarf Michelis stellt neuerdings Weihnachtsbaumschmuck und Windlichter mit Hövelhofer Motiven her.

Kreativ wird auch der Verkehrsverein. Als der Hövelmarkt und der Nikolausmarkt abgesagt werden müssen, bieten die Organisatoren Tüten zum Verkauf an, damit die Menschen zu Hause im Kleinen feiern können. Die Idee kommt an, der Verkehrsverein packt jeweils mehrere hundert dieser Tüten, unter anderem mit gebrannten Mandeln, Currywurst im Glas, Wurstebrei, Hövelmarkt-Brot und Getränken.

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