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Elf Hövelhofer Mediziner schließen sich zusammen und fordern Corona-Impfungen in örtlichen Praxen

„Können Vertrauen wieder aufbauen“

Hövelhof

Die Hövelhofer Allgemeinmediziner und Gynäkologen sowie der Krisenstab der Sennegemeinde fordern Nachbesserungen bei der Organisation der Corona-Impfung. Vor allem wollen die Ärzte erreichen, dass sie möglichst zeitnah auch in ihren Praxen und bei Hausbesuchen impfen dürfen, statt ihre Patienten zum Impfzentrum nach Salzkotten zu schicken.

Meike Oblau

Bürgermeister Michael Berens und die Hövelhofer Ärzte Dr. Ulrich Smolnik, Dr. Markus Krois, Dr. Renate Froese, Dr. Ulrich Behrends, Dr. Annette Rodenkirchen, Dr. Stefan Sondermann, Dr. Peter Engeling, Dr. Georg Schneider, Dr. Mirko Klawohn, Dr. Martin Schneider und Dr. Eva-Maria Richter (von links) fordern, dass zeitnah auch Corona-Impfungen in den Hövelhofer Arztpraxen ermöglicht werden. Foto: Meike Oblau

„In anderen Landkreisen, zum Beispiel in Nordwestmecklenburg und im Berchtesgadener Land, wird das bereits praktiziert und wir fordern unseren Landrat Christoph Rüther auf, sich dafür einzusetzen, das auch im Kreis Paderborn zu ermöglichen“, sagt Dr. Georg Schneider, ärztlicher Berater des Hövelhofer Krisenstabes.

Die beteiligten Arztpraxen könnten bis zu 1000 Impfungen pro Woche in Hövelhof sicherstellen und seien darüber hinaus auch zu Wochenenddiensten bereit, um beim Impfen schneller voran zu kommen, sagte Schneider. Auch gemeinsame Impfaktionen der Ärzte im Schützen- und Bürgerhaus seien denkbar.

„Uns geht es um die Beschleunigung des Impfprozesses, die Strategie muss geändert werden, wir können in Hövelhof pragmatisch und ortsnah agieren“, sind sich die Ärzte einig. Der Staat solle den „gesunden Menschenverstand walten lassen.“

Berens: „Kreisweite Impfzentren sind die falsche Strategie“

Bürgermeister Michael Berens dankte den Medizinern für den „außergewöhnlichen Zusammenschluss, um öffentlichkeitswirksam Druck auszuüben.“ Berens sagte, die Strategie von kreisweiten Impfzentren die aus seiner Sicht von Anfang an die falsche gewesen: „Das will man nun aber nicht zugeben.“ Den Bürgern sei „vorgegaukelt worden, dass der Impfstoff von Biontech/Pfizer nur in Impfzentren verabreicht werden kann, weil eine besondere Kühlung notwendig ist.“ Er bekomme täglich Post von Hövelhofer Bürgern, die nicht nach Salzkotten ins Impfzentrum fahren wollen: „Wir haben hier Fachleute vor Ort, die die Kompetenz haben und die Menschen hier kennen.“ Auch die Idee, Pflegebedürftige nach Salzkotten zu „karren“, statt sie zu Hause oder in ihrer Pflegeeinrichtung zu impfen, sei „Quatsch und Geldverschwendung. Das können unsere Ärzte vor Ort gut bewältigen.“

Liste mit acht Forderungen präsentiert

Eine von den Medizinern der Sennegemeinde vorgelegte Liste umfasst acht Forderungen. Sie weisen darauf hin, dass die dritte Corona-Welle im Land angekommen sei. Auch in Hövelhof seien inzwischen etwa die Hälfte der mit Corona Infizierten von der offenbar wesentlich ansteckenderen britischen Mutation betroffen. „Wir fordern die schnellstmögliche Impfung durch Hausärzte, Fachärzte und Betriebsmediziner vor Ort“, so der Wortlaut.

Zwingend erforderlich sei die Impfung von nicht mehr mobilen und zum Teil bettlägerigen Hausbesuchs-Patienten aller Altersgruppen durch ihre behandelnden Ärzte. Alle drei derzeit verfügbaren Impfstoffe von Biontech/Pfizer, AstraZeneca und Moderna könnten bei den bereits in Hövelhof verfügbaren Möglichkeiten der Kühlung und Aufbewahrung eingesetzt werden. Die von der Ständigen Impfkommission (Stiko) und dem Robert-Koch-Institut (RKI) zugesagte Erweiterung der Zulassung von AstraZeneca für Patienten über 65 halten die Mediziner für „überfällig und schnellstmöglich erforderlich“.

„Diskussionen haben Vertrauen zerstört“

Die Hövelhofer Ärzte sagen: „Die Diskussion um schlechte Verträglichkeiten von AstraZeneca und die teils schweren Probleme bei der Terminvergabe in den Impfzentren haben Vertrauen in Impfstoff und Organisation zerstört, Patienten verunsichert und zum Fernbleiben bei Impfterminen geführt.“ Aus ihrer Sicht könne man dieses Vertrauen in den Hausarztpraxen wieder aufbauen und dadurch die Impfquote deutlich steigern.

Eine zentrale Impfpraxis pro Kommune lehnen die Hövelhofer ab, denn Impfen sei Vertrauenssache. Daher sei es wichtig, dass sich Arzt und Patient kennen. Möglich sei eine Bevorratung an einem zentralen Ort in Hövelhof, von wo aus der Impfstoff dann an die einzelnen Praxen herausgegeben werde: „Die Verteilung könnte von uns übernommen und organisiert werden.“ Heimpatienten müssten weiterhin die Möglichkeit haben, bei Neueinzug durch mobile Teams vor Ort geimpft statt mit Liegewagen zum Impfzentrum transportiert zu werden. Kritisch sehen die Hövelhofer Mediziner das Ausstellen von Attesten und Bescheinigungen zum Vorziehen von Patienten im Rahmen der derzeitigen Priorisierung.

Der Fokus müsse jetzt darauf liegen, die vorhandenen Impfdosen unverzüglich zu verabreichen, und zwar auch dezentral durch niedergelassene Ärzte: „Statistiken aus Israel, Schottland und Großbritannien beweisen den drastischen Rückgang an schweren Infektionen, Krankenhausaufenthalten und Todesfällen.“

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