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Hövelhofer Förderverein Wasser für Labgar unterstützt das Dorf im Senegal auch während der Corona-Pandemie

„Wer nicht arbeitet, muss hungern“

Hövelhof

Spendenaktionen und Basare fallen aus, Gründungsmitglied Mor Sene hängt im Senegal fest: Das Coronavirus hat enorme Auswirkungen auf den Hövelhofer Förderverein „Wasser für Labgar“. Gleichzeitig bringt die Pandemie in Labgar neue Pro­bleme und damit immer neue Aufgaben für den Förderverein.

Meike Oblau

Mor Sene (links) ist seit Monaten im Senegal vor Ort und kann sich vom Erfolg der neu angelegten Obst- und Gemüsebeete in Labgar persönlich überzeugen. Foto: Förderverein Wasser für Labgar

„Im Senegal galt bis Juli vergangenen Jahres teilweise eine sehr strenge Ausgangssperre“, berichtet Vereinsvorsitzende Dorothea Martl. Das hatte sowohl Konsequenzen für die Menschen in Labgar als auch für Mor Sene persönlich. „Mor war in der Hauptstadt Dakar und durfte zunächst nicht nach Labgar reisen. Das klappte dann nur mit einer Sondergenehmigung der Regierung. Inzwischen ist es für uns eigentlich ein Segen, dass er immer noch vor Ort ist, denn so haben wir einen festen Ansprechpartner dort, der gewisse Dinge für uns regeln kann“, beschreibt Martl.

Die Feldarbeit in Labgar ist mühseliger als in Deutschland. Obst und Gemüse nutzen die Einwohner zur Selbstversorgung, verkaufen es aber auch weiter. Foto: Förderverein Wasser für Labgar

Für die Bewohner von Labgar habe die Ausgangssperre teils schwerwiegende Folgen gehabt: „Wer nicht arbeitet, muss hungern. Ohne Arbeit kein Geld. Und dort haben vor Corona auch schon viele Menschen jeden Tag von der Hand in den Mund gelebt“, sagt die Vereinsvorsitzende.

Daher habe sich der Förderverein im Mai spontan entschlossen, 5000 Euro in Hilfsgüter wie 3,5 Tonnen Reis, Milchpulver, Öl und Zucker zu investieren. Außerdem gab es Geld für neue Reifen und eine neue Batterie für den ebenfalls vor einiger Zeit aus Deutschland gespendeten Krankenwagen.

Auch die Wasserversorgung in Labgar, die erste Aufgabe, die der Hövelhofer Förderverein dort vor Jahren bewältigt hatte, helfe in der Not, ebenso das zwei Hektar große, umzäunte Feld, auf dem die neu angelegten Gemüsebeete jetzt von den Menschen aus dem Dorf bewirtschaftet werden. „Dort wurden Erdnüsse, Melonen und Bohnen geerntet, demnächst sollen noch Kartoffeln, Zwiebeln und anderes Gemüse dazukommen, vor allem zur Selbstversorgung“, sagt Dorothea Martl. Zudem wurden auch einige Obstbäume gepflanzt. Um das Gepflanzte zu bewässern, wurden eine große Karre mit Behälter und zwei Esel angeschafft. Damit wird das Wasser von der Wasserpumpe zu den Feldern transportiert.

Dorothea Martl

In der Zwischenzeit sind mit großer Unterstützung aus Deutschland viele Obstbäume gespendet worden. „Ich war begeistert über eine so große Spendenbereitschaft. Es darf auch weiter gespendet werden, denn es sollen auch andere Bäume gepflanzt werden. Bäume spenden Schatten, brechen den Wind, die Wurzeln stabilisieren den Boden und halten die Feuchtigkeit“, sagt Dorothea Martl.

Der Wunsch des Fördervereins ist, dass mit Hilfe von Spenden weitere Obstbäume für die Anpflanzung in Labgar finanziert werden können. Dazu wurden sogar eigens Spendenkarten entworfen, die zu unterschiedlichen Preisen (25 bis 75 Euro) beim Verein erworben werden können. Für jede gekaufte Karte wird in Labgar ein Obstbaum gepflanzt – samt Schild mit dem Namen des Spenders.

Ursprünglich war der Verein gegründet worden, um eine bessere Wasserversorgung in Labgar zu ermöglichen – daher auch der Name. Mit dem Bau von Wasserleitungen und der Unterstützung bei der Selbstversorgung ist die Aufgabe des Vereins „Wasser für Labgar“ im Senegal aber keinesfalls abgeschlossen. Auch der Bereich Berufsausbildung liegt Dorothea Martl und Mor Sene nach wie vor sehr am Herzen.

Dorothea Martl

So hat der Verein einem jungen Mann aus Labgar eine auswärtige Ausbildung zum Solartechniker ermöglicht. „Er kehrt nun nach Labgar zurück und wir hoffen, dass er dort viele Solarmodule installieren und vielleicht auch sein Wissen weitergeben kann“, sagt Dorothea Martl. Auch zwei junge Frauen, die in der senegalesischen Hauptstadt Dakar den Beruf der medizinisch-technischen Assistentin (MTA) erlernt haben, kommen nach Labgar zurück: „Unser Traum dort wäre eine kleine Krankenstation“, sagt Martl.

Im Moment wird aber ein anderes Projekt verwirklicht: „Es wird eine Werkstatt gebaut, auch für unsere drei Näherinnen, die noch in der Ausbildung sind, mit einem Aufenthaltsraum und einer Küche, eventuell sogar einem kleinen Restaurant. Das alles können wir angehen, weil das abgelaufene Jahr uns trotz der Pandemie sehr viele große und kleine Spenden eingebracht hat“, bilanziert Dorothea Martl.

Die kleine Karre und zwei Esel zum Wassertransport wurden aus Spendengeldern angeschafft. Foto: Förderverein Wasser für Labgar
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