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15 Jahre nach dem Tod von Frauke Liebs setzt die Familie auf eine wohl letzte große Medienkampagne

„Ich hoffe, der Mörder sieht diesen Film“

Paderborn/Lübbecke

Emotionale Appelle der Mutter auf Facebook und Instagram, ein Bericht im „Stern“, Podcasts im kommenden Jahr und Ende dieses Monats eine 100 Minuten lange Dokumentation auf Vox: Mit einem medialen Paukenschlag will die Familie der 2006 ermordeten Frauke Liebs (21) von Montag an noch einmal versuchen, mögliche Mitwisser und den Täter anzusprechen.

Von Christian Althoff

Die 100-minütige Dokumentation läuft ab Montag auf RTL+ (früher TV Now) und am Mittwoch, 24. November, auf Vox im frei empfangbaren Fernsehen Foto: RTL

„Auch wenn das Thema bundesweit verbreitet wird – uns ist wichtig, dass viele Menschen in Ostwestfalen-Lippe noch einmal aufgerüttelt werden, denn dort liegt der Schlüssel zu dem Fall“, sagt „Stern“-Reporter Dominik Stawski, der das Projekt maßgeblich betreut hat.

Die meisten Menschen in Ostwestfalen-Lippe kennen die Geschichte: Frauke Liebs war am 20. Juni 2006 in Paderborn nachts auf dem Weg vom Pub „The Auld Triangle“ zu ihrer Wohnung verschwunden.

In den Tagen danach meldete sie sich per SMS und Telefon, wirkte aber abwesend, wie unter Drogen. 106 Tage nach ihrem Verschwinden fand ein Jäger ihre skelettierte Leiche in einem Wald in Lichtenau. Die Todesursache konnte nicht mehr ermittelt werden.

Chris, der Ex-Freund von Frauke Liebs, tritt in der Doku auf Foto: RTL

Von Montag an können Abonnenten von TV Now (das jetzt RTL+ heißt) die Dokumentation „Der letzte Anruf“ streamen, am 24. November läuft der Film dann ab 20.15 Uhr auf Vox. Es ist kein reißerischer Beitrag, sondern ein Film, der fast ausschließlich von den Aussagen der Beteiligten lebt. Fraukes Mutter, die pensionierte Studiendirektorin Ingrid Liebs (68) aus Lübbecke, hatte dafür gesorgt, dass in der Dokumentation, die über Monate entstanden ist, wichtige Protagonisten zu Wort kommen: Fraukes Freundin Isabella zum Beispiel. Sie ist der letzte bekannte Mensch, der mit Frauke gesprochen hat, und sie treibt die Frage um, was wäre, hätte sie sich nicht mit Frauke im Pub verabredet. Auch Christos Karaoulis, Fraukes früherer Freund und Mitbewohner in der Paderborner WG, kommt zu Wort. Ihn hatte Frauke nach ihrem Verschwinden wiederholt angerufen, und er wurde von der Polizei verdächtigt, mit ihrem Verschwinden etwas zu tun zu haben. Letztlich entlastete ihn, dass Fraukes Schwester Karen zufällig bei ihm war, als ihre Schwester sich am 28. Juni ein letztes Mal bei Christos meldete.

Auch Karen Liebs spricht in der Dokumentation – zum Beispiel über das Hoffen und Bangen der Familie und die Beerdigung ihrer Schwester in der Heimatstadt Lübbecke, einen der schlimmsten Tage ihres Lebens. Niels war ebenfalls bereit, am Film mitzuwirken. Er war ein Bekannter von Frauke Liebs und hatte wegen einer unbedachten SMS im Verdacht gestanden, der Täter zu sein. Doch sein Alibi war wasserdicht.

Karen Liebs, die Schwester von Frauke, kommt ebenfalls zu Wort Foto: RTL

Die Fernsehdokumentation spricht auch mögliche Polizeipannen an. Zum Beispiel, dass nicht alle Daten bestimmter Handyfunkmasten gesichert worden sein sollen. Und dass die Kripo die Anrufe der verschwundenen Schwesternschülerin nicht auf Tonband aufgenommen hat und diese Beweise heute fehlen. Das Polizeipräsidium Bielefeld, das für den Fall zuständig ist, lehnte allerdings eine Mitwirkung an dem Film ab, so dass die Kritik unwidersprochen im Raum steht.

Rechtsanwalt Roman von Alvensleben aus Hameln vertritt Ingrid Liebs und sagt: „Ich finde es gut, dass die Familie diesen Schritt in die Öffentlichkeit tut, was bestimmt nicht einfach war.“ Von Alvensleben begrüßt es, dass die Staatsanwaltschaft Paderborn der Mutter nach so vielen Jahren ermöglicht hat, in seiner Kanzlei einen Teil der Ermittlungsakten zu lesen. „Ich halte das für eine große Chance. Bei der Polizei und der Staatsanwaltschaft haben die Sachbearbeiter schon vor längerer Zeit gewechselt. Die Mutter ist dagegen seit 15 Jahren involviert. Sie hat den Überblick und kennt viele Details und Verbindungen.“ Er glaube, dass Ingrid Liebs in den Akten möglicherweise etwas finden könne, das anderen nicht auffalle. „Deshalb wäre es wünschenswert, dass wir weitere Spurenakten bekämen.“

Ingrid Liebs, die Mutter von Frauke, durfte Teile der Ermittlungsakte lesen Foto: Althoff

Die 68-Jährige sagt, es habe sie viel Kraft gekostet, an dem Film mitzuwirken. „Ich musste tief in die Vergangenheit einsteigen und mich an vieles erinnern.“ Ingrid Liebs sagt, sie hoffe, dass der Mörder diesen Film sehe und unter dem Eindruck der Interviews sein Gewissen nach 15 Jahren erleichtere. „Ich hoffe außerdem, dass jemand, der im Juni 2006 etwas beobachtet hat, was er bisher für unwichtig hielt, sich doch noch meldet.“

Das letzte Wort in der Dokumentation hat der Paderborner Staatsanwalt Kai Uwe Waschkies. Sein Appell: „Bitte, teilen Sie Ihr Wissen zum Verschwinden von Frauke mit, damit der Fall doch noch geklärt werden kann!“

Hinweise an die Kripo Bielefeld unter 0521/5450 oder unter www.frauke-liebs.de

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