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Busfahren im Hochstift: Bernd Adelmeyer im WV-Interview

„Kritik unserer Stammkunden lässt uns nicht kalt“

Bad Wünnenberg/Lichtenau

Anfang Juli hat der Nahverkehrsverbund Paderborn/Höxter (nph) in einigen Bereichen des Hochstifts den Fahrplan gewechselt. Nicht alle Fahrgäste sind zufrieden mit den Neuerungen. Auch gibt es vermehrt Kritik am Service. Über Probleme, Kundenwünsche, Klimaschutz und Verbesserungsmöglichkeiten im öffentlichen Personennahverkehr sprach Redakteurin Marion Neesen mit Bernd Adelmeyer, stellvertretender Geschäftsführer des nph.

Bernd Adelmeyer ist stellvertretender Geschäftsführer des Nahverkehrsverbundes Paderborn/Höxter. Foto: Oliver Schwabe

Berufspendler aus Husen und Leiberg beklagen sich, dass die Busse morgens zu spät Richtung Paderborn fahren, so dass sie nicht mehr pünktlich zur Arbeit kommen. Anhand welcher Kriterien werden die Fahrpläne eigentlich gemacht und was hat Priorität?

Bernd Adelmeyer: Priorität bei den Planungen hat der Schulverkehr. Dieser macht in der Regel über 65 Prozent der Nachfrage aus. Da wir erst nach und nach die Zuständigkeit für die einzelnen Linienbündel übernehmen, liegen uns mit Ausnahme der Schülerfahrten noch keine ausreichenden Nutzerdaten vor. Daher können wir momentan leider erst im Nachgang reagieren, wenn uns entsprechende Kundeneingaben vorliegen. In Husen und Leiberg haben wir dies im Übrigen auch vor. So werden ab dem 18. August von montags bis freitags zwei zusätzliche Fahrten aus Husen angeboten. Auch zwischen Haaren und Leiberg wird es zusätzliche Fahrten geben. Um zukünftig bei den Planungen besser zu werden, laufen derzeit Überlegungen, die Busse mit automatischen Fahrgastzählsystemen auszustatten und auch verstärkt auf die Auswertung von anonymen Mobilfunkdaten zu setzen. Damit haben wir dann einen besseren Überblick über die quantitative Nachfrage auf den einzelnen Buslinien. Um auch aktuelle qualitative Daten zu haben, setzen wir auf die anstehenden Fahrgastbefragungen, die die Verbundgesellschaft Paderborn/Höxter (VPH) in regelmäßigen Abständen durchführt. Hier ist eine möglichst große Beteiligung der Fahrgäste wünschenswert, damit wir eine möglichst gute Planungsgrundlage haben.

Die Linie zwischen Büren und Bad Wünnenberg wurde auf den Schülerverkehr reduziert. Damit wurde eine wichtige Verbindung zwischen zwei Nachbarstädten gekappt. Warum?

Adelmeyer: Die Linie gehört zum Linienbündel Büren/Salzkotten, das noch in der wirtschaftlichen Verantwortung des Verkehrsunternehmens liegt. Die Änderungen beruhen daher auf einer unternehmerischen Entscheidung, auf die der nph nur sehr begrenzten Einfluss nehmen kann. Von Seiten des Betreibers wurde uns signalisiert, dass die Verbindung ausschließlich im Schulverkehr nachgefragt sei.

Wie groß ist die Bereitschaft, Kritik der Kunden aufzunehmen und gegebenenfalls noch Änderungen vorzunehmen?

Adelmeyer: Sehr groß. Wir stehen seit Mitte vergangenen Jahres aufgrund des Wechsels von der Eigen- zur Gemeinwirtschaftlichkeit in immer mehr Linienbündeln in der klaren Verantwortung für die konkrete Ausgestaltung des Busverkehrs im Hochstift. Damit verbunden ist auch das Ziel, mehr Menschen für den Umstieg vom Auto in den ÖPNV zu bewegen. Wenn wir jetzt morgens in der Zeitung lesen, dass es Stammkunden gibt, denen wir nach dem Fahrplanwechsel keine attraktive Verbindung mehr anbieten, dann lässt uns dies nicht kalt. Wir prüfen daher in jedem uns bekannten Fall, ob wir die Fahrpläne an der ein oder anderen Stelle anpassen können, um den Fahrgast im ÖPNV halten zu können. Ehrlicherweise muss man aber auch sagen, dass uns dies nicht in jedem Fall gelingen wird.

Seit Anfang Juli gilt der neue Fahrplan. An den Haltestellen hängen aber noch immer die alten Fahrpläne aus. Warum?

Adelmeyer: Hierzu muss man ganz klar sagen, dass wir gerade in der Zeit der Fahrplanumstellung Ende Juli mit personellen Engpässen zu kämpfen hatten. Mit Bad Lippspringe/Hövelhof und der Paderborner Hochfläche sind zudem zwei große Linienbündel zeitgleich an den Start gegangen. Wir haben in beiden Fällen auch noch bei den Fahrplänen nachgesteuert, so dass unsere Verkehrsplaner in den vergangenen Wochen ein enormes Arbeitspensum zu bewältigen hatten. Soweit die Begründung. Glücklich sind wir mit der Situation aber nicht. Wir wissen, dass das Fahrpersonal vor Ort einen Großteil des Unmuts der Kunden auffängt und dafür sorgt, dass die Fahrgäste die benötigten Informationen erhalten. Für diesen Einsatz sind wir außerordentlich dankbar. Unsere Lehren haben wir aus der Situation gezogen. Für die nächsten Fahrplanwechsel werden wir personell nachsteuern.

Der Fahrplanwechsel betrifft auch das Linienbündel Paderborner Hochfläche. Foto: Oliver Schwabe

Viele Informationen laufen inzwischen digital. Doch gerade ältere Mitbürger sind auf den Bus angewiesen, im Internet aber seltener unterwegs. Wie erreichen Sie diese Zielgruppe, damit sie nicht abgehängt wird?

Adelmeyer: Wir unterstützen die Verbundgesellschaft Paderborn/Höxter (VPH) finanziell, um ein Kundenzentrum – die mobithek – am Paderborner Hauptbahnhof zu betreiben. Dort steht montags bis freitags von 7.30 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 14 Uhr ein persönlicher Ansprechpartner für alle Fragen zum ÖPNV im Hochstift zur Verfügung. Darüber hinaus sind die Kolleginnen und Kollegen der mobithek auch telefonisch unter der 05251/2930400 zu erreichen.

Kritik gibt es auch am Service. Beschwerden würden nicht entsprechend bearbeitet, mit den Anforderungslinien laufe es nicht rund. Pannen, die nicht gerade zur Akzeptanz des nph beitragen. Braucht es nicht besseren Service, um einen Umstieg auf den Bus zu schaffen?

Adelmeyer: Das Problem mit der Buchung der Anruf-Linien-Fahrten ist uns bekannt und wir sind hierzu mit der VPH im Gespräch. Also ja, der Service muss an einigen Stellen verbessert werden.

Kritik gibt es immer wieder auch am Fahrpreis. Warum tut sich in Sachen Ein-Euro-Ticket nichts? Ist eine Wirtschaftlichkeit des ÖPNV auf solch niedrigem Preisniveau überhaupt darstellbar, wenn nicht deutlich mehr Fahrgäste einsteigen?

Adelmeyer: Die Frage haben wir uns auch gestellt. Aus diesem Grund hat sich die Verbandsversammlung des nph einstimmig dafür ausgesprochen, die VPH damit zu beauftragen, Voraussetzungen und Auswirkungen der Einführung eines Ein-Euro-Tickets im Hochstift Paderborn zu untersuchen und aufzuzeigen. Hierzu gehört auch die Untersuchung der voraussichtlichen finanziellen Effekte eines solchen Ticketangebots.

Ein Umstieg vom Auto auf den ÖPNV ist mit Blick auf den Klimaschutz wünschenswert. Das Angebot scheint aber für viele keine Alternative zu sein. Erwarten die Bürger zu viel? Oder ist das Image des ÖPNV zu schlecht? Wie lässt es sich verbessern?

Adelmeyer: Bei Gesprächen vor Ort stellen wir immer wieder fest, dass das Angebot, in der Bevölkerung nur unzureichend bekannt ist. Wir bieten auf vielen Verbindungen eine attraktive Alternative zum Auto. Dies wollen wir in den nächsten Monaten verstärkt bekannt machen.

Glauben Sie, dass Bürger in den Dörfern künftig ohne Auto auskommen können?

Adelmeyer: Wir sind überzeugt, dass der ÖPNV mit seinem aktuellen Angebot bereits eine viel größere Rolle spielen könnte. Und wir arbeiten weiter an Verbesserungen.

Was wünscht sich der nph vom Fahrgast?

Adelmeyer: Den direkten Kontakt. Wenn es Anregungen und Hinweise zum Busverkehr im Hochstift gibt, dann nehmen die Kolleginnen und Kollegen der mobithek diese gerne auf und leiten sie direkt an unsere Verkehrsplaner weiter. Wir können dann recht schnell prüfen, inwieweit Anpassungen möglich sind und dem Fahrgast auch unmittelbar eine Rückmeldung geben.

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