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Andreas Wigge betreibt seit 25 Jahren Beobachtungsstation

Das Wetter immer im Blick

Lichtenau (WB). So wie das Zähneputzen und der erste Kaffee gehört für Andreas Wigge auch der Gang in den Garten fest zur täglichen Morgenroutine. Und das ohne Ausnahme schon seit 25 Jahren. So lange nämlich betreibt der Lichtenauer im Ehrenamt eine Wetterstation.

Hanne Hagelgans

Andreas Wigge (Mitte) hat aus der Hand von Jörg Bremer (links) die Wetterdienst-Plakette samt Urkunde erhalten. Ehefrau Maria Wigge zeigt Zylinder und Messbecher, mit denen der Lichtenauer seit 25 Jahren den Niederschlag erfasst. Foto: Hanne Hagelgans

Als Anerkennung für ein Vierteljahrhundert Einsatz hat ihm jetzt Jörg Bremer, Leiter der Außenstelle Essen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) mit Sitz in Offenbach, die Wetterdienst-Plakette samt Urkunde überreicht.

Ob Werktag oder Sonntag: Pünktlich um 6.30 Uhr klingelt im Hause Wigge der Wecker, Ausnahmen gibt es nicht. Denn täglich exakt zur gleichen Zeit muss Andreas Wigge den aktuellen Niederschlagswert an den Deutschen Wetterdienst melden. Dazu kontrolliert er, wie viel Wasser sich in den vergangenen 24 Stunden in dem Edelstahlzylinder der Messstation abgesetzt hat.

Schon der Vater war Wetterbeobachter

Die steht schon seit 50 Jahren am gleichen Standort im Garten seines Elternhauses. Denn schon sein Vater Wilhelm Wigge war Wetterbeobachter und hat das Ehrenamt an seinen Sohn weitergegeben. Noch nie, berichtet Andreas Wigge, habe er das morgendliche Ablesen vergessen: „Das gehört eben einfach dazu.“ Und als er doch einmal krank war und eine Reha absolvieren musste, sprang Ehefrau Maria als ebenso zuverlässige Vertretung ein.

„Der Standort für die Wetterstation ist hier ziemlich perfekt“, sagt Jörg Bremer und schaut sich zufrieden in dem großen, gepflegten Garten mit Rasenflächen, Brennholzlager, Blumen- und Gemüsebeeten der Familie Wigge um. Andere Gebäude und hohe Bäume sind weit genug entfernt, um nicht zu stören. Andererseits befindet sich die Station auch nicht auf einem völlig freien Feld, was ebenfalls nicht ideal wäre.

Daten werden online übermittelt

Die gesammelte Flüssigkeit aus dem Zylinder gießt Andreas Wigge sorgfältig in einen Messbecher und teilt den Wert dann den Profis in Offenbach mit. Heute geschieht das natürlich per Computer. „Früher war die Arbeit aufwendiger“, erinnert sich Wigge. Von Hand musste er die Werte in eine Tabelle eintragen, die einen gesamten Monat umfasste und dann per Post auf die Reise geschickt wurde.

Ist am Morgen kein Wasser, sondern Schnee im Messzylinder, muss Andreas Wigge warten, bis er geschmolzen ist, um den Wert korrekt ermitteln zu können. Bisher, erzählt er, sei das in diesem Winter allerdings erst an einem einzigen Tag nötig gewesen: Anfang Dezember habe es ein kleines bisschen Schnee gegeben. An einen Winter mit so wenig Schnee wie diesmal könne er sich nicht erinnern, sagt der erfahrene Wetterbeobachter: „Und der Winter ist ja schon bald um, viel wird da wohl nicht mehr kommen.“

Das könne durchaus ein Zeichen des Klimawandels sein, meint auch Wetterprofi Jörg Bremer. Wobei man zwischen kurzfristigen Wettererscheinungen und dem langfristigen Klima unterscheiden müsse. Dazu vergleiche der Deutsche Wetterdienst die Niederschlags- und Temperaturwerte der Zeitspanne von 1981 bis 2010 mit den heutigen Daten. „Der Niederschlag wird in der Summe nicht unbedingt mehr“, so Bremers Fazit daraus, „aber die Einzelniederschläge eines Tages werden jeweils intensiver.“ Extreme Wetterereignisse hätten also zugenommen.

Deutscher Wetterdienst ist auf Hilfe der Bürger angewiesen

Beim Deutschen Wetterdienst, der bundesweit 182 hauptamtliche Wetterstationen betreibt, ist man auf die Hilfe der Bürger angewiesen. „Wir könnten wesentliche Aufgaben ohne die Ehrenamtlichen nur begrenzt wahrnehmen“, betont Jörg Bremer. 1750 ehrenamtlich betriebene Wetterstationen im ganzen Bundesgebiet ergänzen daher das Netz.

Dass der DWD belastbare Daten liefert, ist für viele Bereiche unverzichtbar. Nur so kann etwa die Wasserwirtschaft zuverlässige Vorhersagen über Pegelstände treffen und kann die Agrarmeteorologie den Landwirten gute Empfehlungen geben, zu welchem Zeitpunkt welche Arbeiten Sinn machen.

Hat es durch Aquaplaning oder Straßenglätte einen Unfall gegeben, sind die amtlichen Gutachter auf Wetterdaten ebenso angewiesen wie die Versicherungswirtschaft, wenn beispielsweise ein Kunde einen Sturm- oder Hagelschaden geltend macht. Und Investoren, die ein Bauvorhaben planen, wollen wissen, welche Schneelasten und Windgeschwindigkeiten das Gebäude aushalten muss. Es gibt also eine ganze Reihe von Gründen für Andreas Wigge, auch in der Zukunft am frühen Morgen den Gang in den Garten auf sich zu nehmen.

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