1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Lichtenau
  6. >
  7. »Denkanstöße für den Alltag«

  8. >

Künstler Gunter Demnig verlegt acht Stolpersteine in Lichtenau

»Denkanstöße für den Alltag«

Lichtenau (WB/jhan). Sie sind ein sichtbares Zeichen gegen das Vergessen: Acht Stolpersteine hat Gunter Demnig in Lichtenau verlegt. An vier Stellen erinnern sie an die Opfer der Nazi-Diktatur und werden jeweils vor dem letzten bekannten Wohnsitz in den Gehweg eingelassen.

Künstler Gunter Demnig verlegt die ersten Stolpersteine in Lichtenau. Bürgermeister Josef Hartmann (links) empfand es als große Ehre, dass zur Verlegung der ersten Stolpersteine auch Hagai Tal (rechts; Nachkomme der Familie Buchdahl) angereist war. Foto: Hannemann

Der Künstler aus Köln hat mittlerweile 69.000 Stolpersteine in 21 Ländern verlegt. In Lichtenau ist er zum ersten Mal, um die »Denkanstöße für den Alltag« zu installieren. »Der Hintergrund der Aktion ist kein Grund zur Freude, ich freue mich jedoch über jeden weiteren Stein, der dazu kommt«, sagt der Kölner mit dem markanten Hut als Markenzeichen nachdenklich. »Ein Mensch ist schließlich erst dann vergessen, wenn sein Name vergessen ist.«

Bei der Gedenkstunde in Lichtenau vor dem Rathaus waren etliche Bürger und Vertreter von Vereinen dabei. Auch die jetzigen Bewohner der Häuser, vor denen die Steine verlegt wurden, »sind sehr interessiert und sofort einverstanden mit der Aktion gewesen«, betont Bürgermeister Josef Hartmann.

Die kleinen Messingtafeln nennen Namen und Lebensdaten von Lichtenauer Bürgern jüdischen Glaubens. Verlegt werden die zehn mal zehn Zentimeter großen Tafeln jeweils vor dem letzten frei gewählten Wohnsitz. Die ersten beiden Steine, verlegt unmittelbar neben dem heutigen Rathaus, erinnern an das Schicksal der Familie Schnellenberg. Ortsheimatpfleger Bernd Kruse hat sich mit ihrer Geschichte befasst und berichtete davon während der Gedenkstunde: »Vor dem Ersten Weltkrieg erwarb der Kaufmann Siegmund Schnellenberg eines der ältesten Häuser Lichtenaus. Nachdem er 1924 an den Spätfolgen einer Kriegsverletzung gestorben war, führte seine Witwe Wilhelmine das Geschäft fort. Während die beiden Söhne noch nach Shanghai auswandern konnten, wurde Wilhelmine mit ihrer Tochter Lieselotte am 10. Dezember 1941 nach Riga deportiert und im KZ ermordet.«

Entstanden ist die Idee, Stolpersteine auch in Lichtenau zu verlegen, unter anderem durch den Nachkommen einer betroffenen jüdischen Familie, Hagai Tal. »Eine große Ehre« sei es, so Bürgermeister Josef Hartmann, dass Tal jetzt extra zu der Verlegung und der Feierstunde aus dem mehr als 4300 Kilometer entfernten Israel nach Lichtenau angereist war. Der Nachkomme der jüdischen Familie Buchdahl hat die Stadt auf den Spuren seiner Familiengeschichte besucht. In Dortmund, das er ebenfalls besuchte, sei er auf die Stolpersteine aufmerksam geworden und stellte einen Kontakt zwischen Bürgermeister Hartmann und dem Künstler Gunter Demnig her.

Startseite