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Der „Escape Room“ im Klostergewölbe macht die Legende lebendig

Der Heilige Gral steht in Dalheim

Lichtenau (WB). Der Heilige Gral – vielleicht der größte Mythos überhaupt. Diverse Legenden verorten den Kelch in der Abtei von Glastonbury, in der Rosslyn Chapel bei Edinburgh und in der Kathedrale von Valencia. Derzeit, so viel ist sicher, steht der Heilige Gral in einem Gewölbe des Klosters Dalheim.

Andreas Schnadwinkel

Der Sand muss weg: Im Gewölbe des Klosters Dalheim sind auch archäologische Tätigkeiten gefragt. Alexander Mietz hat den Raum erdacht. Kirsten Wartmann betreut die Gruppen. Foto: Andreas Schnadwinkel

Und alle, die Dan Browns „Sakrileg“ gelesen, „Die drei Fragezeichen“ gehört und „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ gesehen haben, können den Gral finden. Das Gefäß, aus dem Jesus – der Überlieferung nach – mit seinen Jüngern beim letzten Abendmahl trank und in dem Josef von Arimathäa unter dem Kreuz Jesu Blut auffing, ist das Zielobjekt einer Rätseltour in einem „Escape Room“. Dieser Raum, aus dem sich Gruppen von zwei bis acht Personen mit klugen Kombinationen und guter Auffassungsgabe in einer Stunde befreien können, befindet sich im denkmalgeschützten Gemäuer des Klosters.

Erfinder betreiben bundesweit „Escape Rooms“

Konzipiert haben die anspruchsvolle Schnitzeljagd Alexander Mietz und Arthur Hammerschmidt aus Nienburg an der Weser. Das Duo betreibt bundesweit „Escape Rooms“ und hat in Leipzig ein stationäres Zentrum. Für Museen wie das in Dalheim entwickeln sie zeitlich begrenzte Projekte. Die Suche nach dem Heiligen Gral ist an die aktuelle Ausstellung „Verschwörungstheorien – früher und heute“ angepasst. „Der Gral ist ein sehr schöner Mythos, wie eine Sage mit wahren und fantastischen Inhalten. Zu den Fakten gehören die Tempelritter, zur Fantasie gehören die besonderen Fähigkeiten des Artefakts“, sagt Alexander Mietz und legt Wert darauf, dass in Dalheim nicht nur Rätsel gelöst werden: „Die gesamte Story muss stimmen, damit der Besuch zum Erlebnis wird und der Eindruck lange anhält. Es ist wie im Kino, Effekte machen keinen guten Film.“

Kirsten Wartmann gehört zu den Guides und führt die Gruppen in den „Escape Room“ ein, sie erklärt die Spielregeln. Jeder bekommt einen gelben Schutzhelm mit Stirnlampe und zusätzlich eine Taschenlampe. In den Räumen befinden sich Kameras und Mikrofone, damit Kirsten Wartmann die Schatzsuche am Bildschirm verfolgen und bei Bedarf Hinweise geben kann – schriftlich auf einen der Monitore in den Gewölbekammern. Bei aller Konzentration auf die Rätsel sollte man die Monitore stets im Blick behalten. Deswegen sind Teams mit mehreren Personen, die sich geschickt aufteilen, im Vorteil.

Die erste Aufgabe: für elektrisches Licht sorgen

Runter geht’s im Fahrstuhl. Die erste Aufgabe: für elektrisches Licht sorgen. Wo sind die Sicherungen? Das wird an dieser Stelle natürlich genauso wenig verraten wie andere Details. Nur so viel: Alles ist wichtig, fast jeder Gegenstand ist hilfreich, in jeder Ecke und jeder Schublade könnten Hinweise und Schlüssel verborgen. Und: Der Gralshüter ist eine Überraschung.

„Die Eigendynamik der Gruppen ist spannend zu beobachten. Wenn Teamgeist gefragt ist und unter Zeitdruck gedacht werden muss, erkennt man die Persönlichkeiten“, sagt Mietz. Deswegen hätten auch Unternehmen Interesse an „Escape Rooms“ – als eine Art Assessment-Center zur Auswahl von Bewerbern. „Alle schaffen es nicht“, weiß Kirsten Wartmann. „Nur etwas mehr als die Hälfte. Und manche, die es nicht schaffen, wollen die Auflösung gar nicht wissen und buchen die Tour ein zweites Mal. Da ist auch Ehrgeiz im Spiel.“

Ein halbes Jahr lang geplant

Ein halbes Jahr haben Mietz und Hammerschmidt den Raum geplant und installiert. Sechs Tonnen Material und drei Kilometer Kabel sind hier verbaut. „An den Steinmauern durften wir wegen des Denkmalschutzes nichts befestigen. Gegenstände an den Wänden sind mit Holzfassungen angeklemmt“, erläutert Mietz.

Mit der Resonanz sind die Macher sehr zufrieden: „Viele Besucher meinen, dass es einer der besten Räume in Deutschland sei.“ In der Tat spricht einiges dafür, den „Escape Room“ über das Ende der Ausstellung „Verschwörungstheorien – früher und heute“ hinaus im Kloster Dalheim dauerhaft einzurichten.

Noch bis zum 22. März 2020 können Teams von zwei bis acht Personen auf Gralssuche gehen. Die 60-minütigen Touren beginnen dienstags bis sonntags um 10, 11.30, 13, 15 und 16.30 Uhr.

Näheres unter 05021/8641041 und unter www.escapedalheim.de .

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