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Mit pfiffiger Bewerbung wollen die Dorfbewohner bei der Telekom punkten

Ebbinghäuser (ver)jagen ihr Funkloch

Lichtenau (WB). Auf den ersten Blick erscheint das Dorf Ebbinghausen als eine ganz normale kleine Ortschaft im Paderborner Land – malerisch im Tal der Sauer gelegen, 270 Einwohner, zwei Pflegeeinrichtungen, sonst landwirtschaftlich geprägt. Doch etwas trübt die Idylle und nervt viele Einwohner kolossal.

Ebbinghausen ist auf den ersten Blick ein ganz normales Dorf im Paderborner Land: Auf den zweiten Blick ist es aber wohl das einzige, in dem es überhaupt keinen Handyempfang gibt. Foto:

Wer nämlich im zweiten Blick auf sein Handy schaut, merkt, dass sich hier nichts tut – hier gibt es keinen Empfang und das im ganzen Dorf und unabhängig davon, mit welchem Handynetz man es probiert. Diesen Zustand wollen die Ebbinghäuser nicht länger hinnehmen und so sind mit Unterstützung der Stadt Lichtenau Bewerbungsunterlagen bei der Telekom-Initiative »Wir jagen Funklöcher« eingereicht worden. Mit dieser Aktion will die Deutsche Telekom bundesweit 50 Funklöcher schließen, die sonst unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht geschlossen würden. Eine der Teilnahmevoraussetzungen besteht darin, dass es sich um ein komplettes Funkloch handelt: Das bedeutet, dass es gar kein Netz geben darf – weder von der Telekom, noch von Vodafone, noch von irgendeinem anderen Anbieter. »Das ist in Ebbinghausen leider so gegeben«, sagt Ortsvorsteher Thomas Schulze.

Probleme und Herausforderungen

Deshalb haben sich die Ebbinghäuser für die Bewerbung bei der Aktion der Telekom stark gemacht. In einer Dorfversammlung Anfang Oktober wurden zahlreiche Beispiele dafür gesammelt, welche Aktivitäten in Ebbinghausen nicht möglich sind und welche Probleme und Herausforderungen entstehen, weil es keinen Handyempfang gibt. »Im Tal der Nichterreichbaren« wird es etwa schwierig bei einer Autopanne oder einem Wildunfall einen Notruf abzusetzen, die Hebamme zu erreichen, oder auch für die hungrige Runde in der Blockhütte eine Pizza zu bestellen. Schwierigkeiten können auch die Pflegeeinrichtungen bekommen, wenn ihre Bewohner bei einem Spaziergang Probleme bekommen und nicht erreichbar sind. Geschäftsleute und Handwerker verlieren ebenso den Kontakt zu ihren Kunden wie die Landwirte auf dem Feld nicht mal eben Saatgut nachbestellen können.

Tatkräftige Unterstützung

Unter der Regie des Ortsvorstehers Thomas Schulze wurden diese Situationen in einem Video zusammengefasst, das zusammen mit den anderen erforderlichen Bewerbungsunterlagen bei der Telekom eingereicht wurde. Eine ebenfalls zwingend erforderliche Voraussetzung ist die Unterstützung durch Stadtrat und Verwaltung. Hierzu konnte der Ratsbeschluss bereits am 26. September gefasst werden. Die Ebbinghäuser und alle, die dort immer wieder auf Empfang hoffen, danken der Stadtverwaltung und dem Stadtrat für die tatkräftige Unterstützung.

Nun heißt es Daumen drücken und hoffen, dass die Bewerbung Früchte trägt und man bald beim Blick aufs Handy sagen kann, in einer ganz normalen Ortschaft im Paderborner Land zu sein.

Wer sich weiter über die Aktion informieren möchte, kann sich das entstandene Video bei Youtube oder Facebook anschauen – Suchbegriff »Funkloch Ebbinghausen«.

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