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Erneuerbare Energien: Investoren planen Firmenansiedlungen in Lichtenau

Frischer Wind für alte Hallen

Lichtenau (WB/han). In die seit Jahren leer stehenden, riesigen Hallen des alten Leinkenjost-Geländes in Lichtenau zieht wieder neues Leben ein. Und eine neue Erschließungsstraße erinnert an einen der Vordenker der regenerativen Energien.

Aus der Luft wird die Dimension der Hallenflächen deutlich, die künftig Produktions- und Lagerstätten für Unternehmen aus dem Sektor der Erneuerbaren Energien sein sollen Foto: Oliver Schwabe

Hermann-Scheer-Weg heißt künftig die kleine Straße, die zwischen den Hallen und einem geplanten Wohngebiet angelegt werden soll. Namensgeber ist der vor genau zehn Jahren verstorbene SPD-Bundespolitiker Hermann Scheer, der ein bekannter Vorkämpfer für die Energiewende war. Er gilt als einer der Väter des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und hat damit die Grundlage für den Ausbau der regenerativen Stromerzeugung in Deutschland gelegt.

Vorgeschlagen haben den Namen die Investoren um die heimischen Windkraftunternehmer Johannes Lackmann, Willi Pauli und Christoph Sonntag. Der Lich­tenauer Stadtrat stimmte der Idee einstimmig zu. Erworben hat das etwa 22.000 Quadratmeter große Grundstück der ehemaligen Möbelmanufaktur Leinkenjost die Breikedahl GbR.

Die Gesellschaft plant dort ein Gewerbe- und Mischgebiet, das ganz auf erneuerbare Energien ausgerichtet ist – und das, so meint Johannes Lackmann, Hermann Scheer sicherlich gefallen hätte.

Als eine der ersten Maßnahmen wurde auf dem Dach eines Fabrikgebäudes eine große Photovoltaikanlage von 750 kWp installiert. Zurzeit werden die knapp 10.000 Quadratmeter umfassenden Hallen teils saniert, teils sind sie bereits von neuen Firmen in Betrieb genommen worden. Dazu gehört zum Beispiel das Unternehmen Westfalen Care GmbH, das besonders leichte, aber trotzdem wirksame Mund-Nase-Masken herstellt.

Grundsätzlich, erläutert Lackmann, sollen am Hermann-Scheer-Weg Firmen angesiedelt werden, die in einem Zusammenhang mit erneuerbaren Energien stehen und Produktions- und Lagerflächen benötigen. Daher entstehe auch keine Konkurrenz zum bestehenden Technologiezentrum am Leihbühl, das ganz auf Büroflächen setzt.

Teile der großen Hallen sollen auch als Ersatzteillager für Windenergieanlagen dienen. Denn Ziel sei es, so Lackmann, auch die älteren Anlagen so lange wie möglich weiterlaufen zu lassen. So lasse sich der günstigste Strom produzieren, wovon dann auch die Lichtenauer durch besonders niedrige Preise profitierten. Gerade für ältere Anlagen müsse man aber häufig auf eingelagerte Ersatzteile zurückgreifen, weil es neue kaum noch zu kaufen gebe.

Geplant ist auch der Bau eines neuen Bürohauses in Holzbauweise. „Wir wollen dort Firmen ansiedeln, die im Bereich der erneuerbaren Energien tätig sind und so das Profil des Wirtschaftsstandortes Lichtenau weiter in diese Richtung schärfen“, betont Johannes Lackmann. So soll in dem Areal unter anderem auch eine Steuerkanzlei mit Schwerpunkt Erneuerbare Energien ihren Sitz finden.

Auf der rechten Seite des neuen Hermann-Scheer-Weges soll ein Mischgebiet entstehen, das ökologisches Wohnen und Arbeiten verbindet. Für die Wärmeversorgung wollen die Investoren eine auf dem Firmengelände bereits vorhandene Holzhackschnitzelheizung mit einbeziehen.

Lichtenaus scheidender Bürgermeister Josef Hartmann freut sich über das Projekt. Es passe gut in die Energiestadt Lichtenau, die schon heute neun Mal mehr Strom erzeuge als vor Ort verbraucht werde, fand er.

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