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Festival »Dalheimer Sommer« erinnert an große historische Auseinandersetzungen

Kriege und die Kraft der Liebe

Lichtenau (WB). In seiner 22. Spielzeit rückt das Festival »Dalheimer Sommer« das vielschichtige Verhältnis zwischen Krieg und Liebe in Musik und Schauspiel in den Fokus.

Sie haben das Programm des »Dalheimer Sommer« vor: Museumsleiter Dr. Ingo Graboswky, Intendant Arno Paduch mit der Zink und Hans-Dieter Seidensticker (Freundeskreis Dalheim, von links) im Klosterkeller. Foto: Stienecke

Unter dem Motto »Krieg und Liebe« bescheren zwölf Veranstaltungen vom 20. Juli bis 12. August hochkarätigen Kulturgenuss in der ehemaligen Klosteranlage. Die Besucher erwarten ein Kammer-Musical voller Liebeswirrungen aus Shakespeares Zeiten ebenso wie eine moderne Internet-Liebschaft nach dem Bestseller »Gut gegen Nordwind«.

Das Ensemble des »Dalheimer Sommers«, die »Capella Dalheimensis«, eröffnet unter der Leitung von Domkapellmeister Thomas Berning das Festival mit italienischer Musik aus der Zeit der Glaubenskriege. Weitere Programmhöhepunkte sind eine Lesung mit Musik und die hochklassig besetzte Konzertreihe, die in diesem Jahr durch ein Wandelkonzert – die Zuhörer gehen zu mehreren Spielorten – erweitert wird. Erstmals gastiert der »Dalheimer Sommer« mit einem Orgel- und Trompetenkonzert außerhalb des Klosters in der Pfarrkirche St. Kilian in Lichtenau.

Picknick-Konzert bei gutem Wetter unter freiem Himmel im Klostergarten

Die 22. Spielzeit steht unter der Intendanz des renommierten Musikers Arno Paduch. Veranstalter sind die Stiftung Kloster Dalheim und der Verein der Freunde des Klosters. Sie rechnen mit bis zu 2000 Gästen in den zwölf Veranstaltungen, die sowohl in der Klosterkirche als auch im Neuen Schafstall, im Klosterkeller und im Refektorium über die Bühne gehen. Das Picknick-Konzert wird bei gutem Wetter unter freiem Himmel im Klostergarten stattfinden. Der Kartenvorverkauf hat am Donnerstag begonnen.

»Die diesjährige Spielzeit widmet sich dem aktuellen Gedenken: Vor 100 Jahren endete der Erste Weltkrieg, und der Beginn des Dreißigjährigen Krieges jährt sich zum 400. Mal«, ordnet Dr. Ingo Grabowsky, Museumsdirektor des LWL-Landesmuseums für Klosterkultur, das gewählte Festival-Motto ein. Die politischen Machtverhältnisse änderten sich gravierend und beeinflussten das gesamte gesellschaftliche Leben. Auch die Kultur blieb von den kriegerischen Auseinandersetzungen nicht verschont. »Musiker, Literaten und Theatermacher sahen sich plötzlich einem Verfall der Künste gegenüber. Sie verarbeiteten in ihren Werken nicht nur das Kriegsgeschehen – gleichzeitig wehrten sie sich in ihrem Schaffen gegen den Zusammenbruch der Kulturen«, erläutert Grabowsky.

Musik, Literatur und Schauspiel aus fünf Jahrhunderten

»In der Epoche des Barock gab Heinrich Schütz beispielsweise weiterhin Konzerte, obwohl er seine Ansprüche an Aufführungspraxis und Instrumentarien erheblich verringern musste. Claudio Monteverdi schuf während des Dreißigjährigen Krieges seine Madrigale von Krieg und Liebe, die den Menschen voller Konflikte und Gegensätze als leidenschaftliches Wesen zeigen«, erklärt Arno Paduch. Monteverdis Werk spannt den Bogen zum Motto der diesjährigen Festivalsaison, da es sowohl die großen, weltlichen Konflikte als auch die zwischenmenschlichen Gefechte anspricht. »Hier kommt die Liebe als treibende Kraft hinzu: Sie ist durch alle Zeiten hinweg stets eine Muse für Künstler gewesen.«

Das aktuelle Programm präsentiert Musik, Literatur und Schauspiel aus fünf Jahrhunderten, die sich zwischen Auseinandersetzungen und Kompromissen, Feindseligkeit und Zuneigung bewegen. Nach der erfolgreichen Premiere im letzten Jahr gibt die »Capella Dalheimensis« mit italienischer Musik aus der Zeit der Glaubenskriege das Eröffnungskonzert (21. Juli). Das Ensemble – eine Zusammenstellung von erfahrenen Musikern, Studentinnen und jungen Absolventen verschiedener deutscher Hochschulen – steht in diesem Jahr unter der Leitung von Domkapellmeister Thomas Berning. Der Schwerpunkt des Konzerts liegt auf der sechzehnstimmigen Messe von Antonio Maria Abbatini. Daneben werden auch Werke Alter Musik von Giovanni Bassani, Constante Ruggieri und anderen dargeboten.

In der Tradition der vergangenen Jahre präsentiert die Konzertreihe erstklassige Ensembles Alter Musik. Den Anfang macht das »Teatro del mondo«, das sich auf die Spuren von Claudio Monteverdi begibt und seine »Madrigali guerrieri et amorosi« (Madrigale von Krieg und Liebe) aufführt. Es folgt ein Konzertabend von »CordArte« und Viola Blache mit den venezianisch-theatralischen Werken von Heinrich Schütz. Mit Musik zum Dreißigjährigen Krieg, darunter Andreas Hammerschmidt und Gustav Düben, gibt das preisgekrönte »Johann Rosenmüller Ensemble« unter der Leitung von Arno Paduch das Abschlusskonzert.

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