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Pläne eines Investors für Kernstadt Lichtenau stoßen bei Nachbarn auf wenig Begeisterung – mit Kommentar

Mehrfamilienhäuser sind umstritten

Lichtenau

Ein Bauvorhaben östlich des Neuen Weges in der Lichtenauer Kernstadt stößt bei einigen der künftigen Nachbarn auf Ablehnung. Ein Investor möchte auf einer Freifläche, für die bisher kein Bebauungsplan bestanden hat, drei Gebäude mit jeweils sechs Wohneinheiten errichten.

Hanne Hagelgans

Foto: Google Maps

Die Wohnungen sollen vermietet werden. Anlieger kritisieren die Pläne; sie finden die Baukörper zu dominierend und befürchten verstärktes Verkehrsaufkommen.

Dennoch hat der Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen, Wohnen und Digitalisierung das Planverfahren jetzt einen Schritt weiter gebracht. Nach der Beteiligung der Träger öffentlicher Belange und der Anlieger folgt nun die allgemeine Offenlage, bei der noch einmal Stellungnahmen abgegeben werden können. Damit, so stellte Ausschussvorsitzender Ulrich Löhr klar, sei noch keineswegs eine endgültige Genehmigung verbunden, es handele sich lediglich um den nächsten Verfahrensschritt.

Birgit Rebbe-Schulte, Ortsvorsteherin der Lich­tenauer Kernstadt, äußerte im Gespräch mit dem WV zwar Verständnis für die Sorgen der Anwohner; die Gebäude wirkten tatsächlich sehr massiv. Andererseits sei es „gut, dass es Investoren gibt, die in Lichtenau etwas verwirklichen wollen“. Und gerade Mietwohnungen würden auch benötigt. Der Investor halte alle Baugrenzen ein und sei den Anliegern sogar in mehreren Aspekten entgegen gekommen. So soll das größte der drei Gebäude nun nicht mehr, wie ursprünglich geplant, 14,5, sondern lediglich noch 12 Meter hoch werden. Die beiden weiteren Gebäude sollen eine Höhe von zehn Metern haben.

Bauamtsleiter Franz-Josef Manegold berichtete, die Ortsvorsteherin habe im Vorfeld der Ausschusssitzung im Informationsgespräch mit der CDU-Fraktion erläutert, dass der Investor alle Rechte habe, dort sei Vorhaben zu verwirklichen, weil es bisher für den überplanten Bereich eben keinen Bebauungsplan gebe.

Tatsächlich hätte er auch höher bauen dürfen als nun geplant.

Den gesetzlichen Vorschriften entsprechend, ist bisher pro Wohneinheit ein neu zu schaffender Parkplatz vorgesehen. Auch hier, so Birgit Rebbe-Schulte, gehe der Investor jedoch auf Sorgen der Anlieger ein.

Sollte sich zeigen, dass die Zahl der Stellflächen doch zu knapp bemessen sei, habe er bereits zugesagt, ein weiteres Grundstück wenige Schritte entfernt zur Verfügung zu stellen und dort bei Bedarf weitere Parkplätze zu schaffen.

Hoffnung, den Konflikt aus der Welt zu schaffen, setzen die Mitglieder des Ausschusses auf ein Moderationsverfahren. Gemeinsam mit Vertretern der Verwaltung sollen sich alle Beteiligten nun noch einmal zusammensetzen und nach für alle tragbaren Lösungen suchen.

Ein Kommentar von Hanne Hagelgans

Der Fall, der jetzt für Zuschauerandrang im Lich­tenauer Bauausschuss gesorgt hat, erinnert an eine Situation in Salzkotten. Dort ärgern sich Anwohner des Tempelwegs über massive Mietshäuser, die bereits im Bau weit fortgeschritten sind und künftig zu ihrer Nachbarschaft gehören werden.

In beiden Fällen werden die Neubauten möglich, weil es für Freiflächen innerhalb von Wohngebieten keine Bebauungspläne gibt, die festschreiben, was zulässig ist und was nicht.

Es ist verständlich, dass Investoren dann ihr gutes Recht wahrnehmen, für ihr Geld eben genau so zu bauen, wie sie möchten und dürfen und wie es für sie rentabel ist. Zumal immer wieder (richtigerweise) von der Politik angemahnt wird, dass es modernen Wohnraum auch für Menschen geben muss, für die Eigentum keine Option ist.

Um konfliktträchtige Missverhältnisse zwischen Bestand und Neubauten zu vermeiden, tut die Politik gut daran, beizeiten auf die Suche nach bisher nicht überplanten Flächen zu gehen und hier Regelungen zu treffen.

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