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In Husen finden die Vögel bei Josef Dissen ein Zuhause

Nachwuchs in der Schwalbenstraße

Lichtenau-Husen (WB). Wo andernorts kaum noch Schwalben Nistmöglichkeiten unter Dachtraufen zum Bau ihrer Nester an Häusern finden, gibt es in Husen ein richtiges Hotel für diese ortstreuen Glücksbringer: „Schwalbenhotel mit 61 Wohnungen“ steht auf einer kleinen Holztafel an einer alten Scheune in Husen.

Helga Kloppenburg

„Schwalbenhotel mit 61 Wohnungen“ – in der alten Scheune in Husen und Umgebung ist derzeit viel los. Foto: Helga Kloppenburg

Angebracht hat diese Josef Dissen – Heimatdichter und Ortsheimatpfleger. Es ist die Scheune seines Elternhauses. Doch es sind weit mehr Nester in der 180 Meter langen Straße, die sogar „Schwalbenstraße“ heißt: „Gezählt habe ich gut 90 Nester“, erklärt der 68-jährige pensionierte Postbeamte. „Ich möchte die Passanten darauf aufmerksam machen, denn an dem Erhalt und der Fortbestand dieser stattlichen Mehlschwalbenkolonie ist mir sehr gelegen.“

Die nahe gelegene Altenau bietet den Mehlschwalben ideale Bedingungen. Dissen überlegt sogar, eine Lehmkuhle mit Bademöglichkeit auf dem Vorplatz seiner Scheune anzulegen. Manch einen mag der Schwalbenkot an der Hauswand stören, sogar so sehr, dass Nester – entgegen dem Bundes-Naturschutzgesetz – entfernt werden. Dissen hingegen entfernt ihn einfach mit etwas Wasser: Denn schließlich hätten ihm die Schwalben nur Glück gebracht. Zudem vertilgten seine Schwalben eine Unmenge an Mücken und Fliegen. Er hat ihnen sogar in seinem Band „Manchmal“ ein Gedicht gewidmet.

In naher Nachbarschaft brüten auch zwei Rauchschwalbenpärchen, und da die Eierschalen der Mehlschwalben fast immer weiß sind und Dissen gesprenkelte Eierschalten unter den Nestern fand, vermutete er eine Kreuzung beider Arten und holte sich Expertenrat eines Ornithologen ein. Dieser gab jedoch Entwarnung. Auch Spatzen nähmen gerne die Nester als Untermieter ein.

In der Nähe haben sich jetzt sogar noch zwei Turmfalkenpaare niedergelassen, und Dissens Frau Doris hat noch einen Schnappschuss von einem der liebestollen Pärchen gemacht. Nicht, dass die Schwalbenstraße noch umbenannt werden muss!

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