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Lichtenaus Bürgermeisterin Ute Dülfer blickt zurück auf die ersten 100 Tage im Amt

Viel Arbeit in ungewöhnlicher Zeit

Lichtenau

Ute Dülfer ist in ihrem Amt angekommen. Im Gespräch mit WV-Redakteurin Hanne Hagelgans schaut die erste weibliche Bürgermeisterin im Kreis Paderborn zurück auf ihre ersten rund 100 Tage an der Spitze der Stadtverwaltung Lichtenau.

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Ein bunter Strauß Blumen auf dem Schreibtisch macht gleich gute Laune bei der Arbeit, findet Ute Dülfer. Im WV-Interview blickt sie zurück auf ihre ersten 100 Tage im Amt als Lichtenauer Bürgermeisterin. Foto: Oliver Schwabe

Ist der Start im Amt für Sie so verlaufen, wie sie es erwartet haben. Oder gab es Überraschungen – positiver oder negativer Art?

Ute Dülfer:Positiv hat mich überrascht, wie nett meine Kolleginnen und Kollegen mich im Rathaus und auch überall sonst aufgenommen haben. Das hatte ich mir nicht ganz so einfach vorgestellt, es gab gar keine Anlaufschwierigkeiten. Das war wirklich super.

Welches Thema hat die ersten 100 Tage im Amt dominiert?

Ute Dülfer: Da gab es mehrere. Zum einen natürlich der Klima-Campus. Und vor allen Dingen die Digitalisierung unserer Schulen. Hier standen wir in ganz engem und konstruktiven Kontakt mit den Schulleitungen, um datenschutzkonform und anwendungsfreundlich digitalen Unterricht zu ermöglichen. Außerdem haben wir an bedürftige Kinder digitale Endgeräte als Leihgeräte zur Verfügung gestellt. Aus den Rückmeldungen von der Schule und teilweise auch von Schülern oder Eltern haben wir mitgenommen, dass es am Anfang schon zu kleineren Herausforderungen gekommen ist, aber mittlerweile haben alle gelernt damit umzugehen.

Corona war sicherlich auch ein wichtiges Thema?

Ute Dülfer: Selbstverständlich gehört auch das dazu – allerdings ist es ja schon fast zum Alltag geworden. Wichtig waren da Fragen wie: Wie machen wir das mit den Weihnachtsfeiern und mit dem Aufstellen der Tannenbäume in den Orten. Das muss ja mit mehreren Leuten geschehen, so viele dürfen aber im Moment gar nicht zusammen sein.

Lichtenau gehört seit Monaten zu den Kommunen im Kreis, die die wenigsten Fälle haben. Einen Todesfall mit Corona-Verbindung hat es bisher in Lichtenau noch nicht gegeben. Woran könnte das liegen?

Ute Dülfer: Wir sind ja die flächenmäßig größte Gemeinde in Nordrhein-Westfalen. Vielleicht spielt es tatsächlich eine Rolle, dass wir viel Platz haben. Wir sind sehr glücklich mit den aktuell niedrigen Zahlen und hoffen, dass das weiterhin so bleibt. Gott sei Dank hatten wir auch noch keine Ausbrüche in den vier Senioren- und Behindertenheimen im Stadtgebiet.

Wie empfinden Sie die Stimmung der Menschen in Lichtenau in der derzeitigen Situation?

Ute Dülfer: Wann man mit Leuten in Gespräch kommt hört man schon öfter: Wir freuen uns darauf, wenn es dann endlich mal vorbei ist und die Kinder wieder in die Schule und den Kindergarten gehen können und der geregelte Alltag zurück ist. Die meisten sagen allerdings auch: Uns hier auf dem Land geht es ja noch vergleichsweise gut, wir können spazieren gehen, wir können an die frische Luft und in die Natur.

Was sind die nächsten wichtigen Themen, die anstehen?

Ute Dülfer: Zunächst beschäftigt uns jetzt der Haushalt. Die Klausurtagungen der Fraktionen finden diesmal online statt, und auch die Verwaltung ist dazu zu bestimmten Themen eingeladen worden. Am 11. März wollen wir den Haushalt dann verabschieden.Neben dem Klima-Campus, der uns natürlich nach wie vor sehr beschäftigt, möchte ich auch Themen aus meinem Wahlkampf umsetzen. Ich möchte gerne die Jugendlichen mit in die kommunalpolitischen Entscheidungen einbeziehen. Ich hoffe, dass wir über die Ortsvorsteher interessierte Jugendliche erreichen können und man sich in regelmäßigen Abständen trifft, um über Ideen und Projekte in den jeweiligen Orten zu diskutieren. Daraus könnte dann später möglicherweise ein festes Gremium zu Jugendbeteiligung entstehen.Außerdem möchte ich die Wirtschaft fördern und stärken und in einen engen Austausch mit den Unternehmen kommen und unsere Unterstützung bei Projekten anbieten. Wir überlegen, After-Work-Treffen oder Frühschoppen zum gegenseitigen Austausch ins Leben zu rufen – wenn Treffen wieder möglich sind.Außerdem habe ich mir vorgenommen, konventionelle Landwirte und Bio-Landwirte ins Gespräche zu bringen und einen Weg zu finden, regionale Produkte zu vermarkten. Das könnte an einer zentralen Stelle geschehen oder vielleicht auch mit einem Verkaufswagen, der in die Dörfer fährt.Geplant ist auch eine Arbeitsgruppe mit Mitgliedern aus Verwaltung und Politik, die die Baulandpreise für private und gewerbliche Flächen überarbeitet. Die Preise stammen noch aus alten Ratsbeschlüssen und müssen neu festgelegt werden; tendenziell werden sie steigen.

Stichwort Klima-Campus: Liegt die größte Baustelle der Stadt im Zeitplan?

Ute Dülfer: Durch die winterliche Witterung im Januar sind wir ein bisschen nach hinten gerutscht. Die Abbrucharbeiten sind im Jahr 2020 erledigt worden. Jetzt geht es mit dem eigentlichen Aufbau der neuen Schule los.Wir wollten eigentlich nach den Weihnachtsferien mit den Arbeiten starten. Aber die Ausschreibungen laufen und wir sind optimistisch, dass bis zum Sommer 2022 alles fertig sein wird. Das Schuljahr 2022/2023 soll komplett in der neuen Schule stattfinden.

Die Corona-Einschränkungen werden wohl noch eine Weile andauern. Wie wird während dieser Zeit die kommunalpolitische Arbeit mit Rats- und Ausschusssitzungen organisiert?

Ute Dülfer: Es soll auch künftig, wenn es notwendig ist, physische Zusammenkünfte der Gremien geben, die aber so kurz wie möglich gehalten werden. Es ist im Moment schwierig. Wir haben in Gesprächen mit den Fraktionsvorsitzenden abgestimmt, dass wir das so machen wollen. Klar ist, dass das auch die Fraktionen bedauern – gerade in der jetzigen Situation, in der es so viele neue Ratsmitglieder gibt, die sich gerne auch einbringen wollen. Doch die allermeisten verstehen, dass wir im Moment so handeln müssen. Überall wird dazu aufgerufen, Treffen möglichst zu vermeiden. Da haben wir auch eine Vorbildfunktion.

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