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Als gesprochene Sprache „weitgehend tot, aber ansonsten quicklebendig“

Von Cicero bis Asterix – Latein-Ausstellung im Kloster Dalheim

Lichtenau

Wer früher keine Latein-Vokabeln gelernt hatte, musste auf dem hölzernen „Strafesel“ sitzen. Auch heutige Schülergenerationen fühlen sich vor einer Prüfung manchmal wie die „Morituri“, die Todgeweihten, die in den Asterix-Comics Cäsar vor dem Kampf in der Arena grüßen. Dennoch sollte das Wort Latein niemanden davon abhalten, die Ausstellung im Klostermuseum in Lichtenau-Dalheim zu besuchen. Es lohnt sich – auch wegen der eigens dafür gebrauten „Cervisia exportatica“.

Von Dietmar Kemper

Carolin Mischer (links) hört Cicero, der, wie Ingo Grabowsky und Barbara Rüschoff-Parzinger wissen, Latein auf ein Niveau brachte, hinter das später niemand mehr zurückkonnte. Foto: Oliver Schwabe

Vom 13. Mai 2022 bis zum 8. Januar 2023 informiert die Schau „Latein. Tot oder lebendig!?“ über eine mehr als 2000-jährige Sprachgeschichte. Anhand der Biografien von Rednern wie Cicero, Herrschern wie Karl dem Großen, Schriftstellern wie Francesco Petrarca, Pädagogen wie Johann Amos Comenius und einflussreichen Frauen wie Hildegard von Bingen werden Entwicklung und Wandel erzählt. Dabei legen die Macher Wert darauf, deutlich zu machen, „welche Bedeutung die Sprache heute noch in unserem Alltag hat“, wie es die Kulturdezernentin des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), Barbara Rüschoff-Parzinger, am Mittwoch ausdrückte.

Freier Eintritt am Wochenende

Als gesprochene Sprache sei Latein „weitgehend tot, aber ansonsten quicklebendig“, findet Museumsdirektor Ingo Grabowsky. Wörter wie Keller, Käse, Wein oder Computer spiegelten bis heute den Einfluss einer Sprache wider, die sich von einer Kirchen-, Welt- und Gelehrtensprache zu einer allgemeinen Bildungssprache entwickelt und mit ihrer völkerverbindenden Funktion nationalistischem Denken entgegengestanden habe. Projektleiterin Carolin Mischer verwies auf die große Bedeutung der Klöster bei der Bewahrung der antiken Sprache. Einen Schub als Verkehrs- und Handelssprache habe Karl der Große dem Lateinischen im 8. Jahrhundert durch seine Bildungsreform gegeben, auch Humanisten wie Erasmus von Rotterdam hätten die Sprache im 16. Jahrhundert gepflegt und reaktiviert.

Zu den 200 Exponaten aus dem In- und Ausland gehören das älteste Fragment einer lateinischen Bibelübersetzung des Hieronymus aus dem 5. Jahrhundert genauso wie eine Originalseite des Comics „Asterix der Gallier“ (1959). Asterix sei der Latein-Botschafter der Gegenwart, sagte Gra­bowsky, und Rüschoff-Parzinger betonte, Zielgruppe der Ausstellung seien nicht nur die Latein-Klassen.

Immerhin ist Latein immer noch die dritthäufigste Fremdsprache an den Schulen. Für die Schau wurde der Podcast „Hocus, locus, jocus“ entwickelt, Schüler des Paderborner Gymnasiums Theodorianum dachten sich ein Latein-Quiz aus, drehten Videoclips und gestalteten ein lateinisches Bildwörterbuch. Die Ausstellung ist zweisprachig, enthält Erläuterungen auf Deutsch und Latein. Und sie ist interaktiv angelegt: Zu Beginn können die Besucher testen, welche Produktnamen in einem Supermarkt bei der lateinischen Sprache abgekupfert haben. So wie die Taschentücher, die nach „tempus“ (Zeit) benannt sind.

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