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Drei von vier Kommunen können sich komplett selbst versorgen

Wie grün ist der Strom im Südkreis Paderborn?

Büren/Salzkotten/Lichtenau/Bad Wünnenberg

Laut Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat die Menschheit am 27. Juli alle natürlichen Ressourcen, die der Planet innerhalb eines Jahres erzeugen und regenerieren kann, verbraucht. Die Forderung ist klar: mehr Nachhaltigkeit und Strom aus regenerativen Energien. Wie ist der Stand im Südkreis Paderborn?

Von Franz Purucker

Windkraftanlagen in Lichtenau. Foto: Oliver Schwabe

Die Städte Bad Wünnenberg, Büren, Lichtenau und Salzkotten sowie die Gemeinde Borchen arbeiten im Regionalforum Südliches Paderborner Land aktuell an einem kommunal übergreifenden Konzept, das Bürgern Wissen zu Umweltschutz und naturfördernden Maßnahmen näher bringen soll – unter anderem zur Umwandlung von Schottergärten in naturnahe Gärten, Infos zur Regenwassernutzung und zur Dachbegrünung. Aber wie weit sind die Städte selbst?

Büren

Die Moritz-Stadt ließ schon 2012 ein „Klimaschutz-Teilkonzept“ erstellen, um das Einsparpotenzial bei städtischen Gebäuden zu ermitteln. Seit Oktober des vergangenen Jahres hat Büren mit Sascha Glaser einen Klimaschutzmanager, dessen Ziel die Erstellung eines integrierten Klimaschutzkonzeptes ist. Dieses soll als Leitlinie für städtische Einrichtungen, Bürger, Handel und Gewerbe dienen.

In Sachen Stromproduktion kann sich Büren inzwischen komplett selbst mit regenerativen Energien versorgen, vor allem wegen der 65 Windräder, die 128 Prozent des Bedarfs abdecken. Auf 1573 Dachflächen befinden sich Solaranlagen, die zusammen 34 Gigawattstunden Strom liefern. Hinzu kommen vier Gigawattstunden von drei Freiflächen-Anlagen. Ein Viertel des Strombedarfs lässt sich allein durch Solar abdecken. Außerdem speisen sieben Biogasanlagen pro Jahr 26 Gigawattstunden Strom ins Netz ein, was immerhin 16 Prozent des Verbrauchs ausmacht.

Salzkotten

Die Stadt kann mit Recht als Vorreiter in Sachen Klimaschutz bezeichnet werden: Schon 2015 setzte sich die Stadt das Ziel, die Kohlendioxid-Emissionen pro Einwohner bis 2025 auf zwei Tonnen pro Kopf zu drücken. „Aktuell deutet nichts darauf hin, dass wir diesen Plan erreichen können“, sagte Marc Svensson (Grüne) zur letzten Ratssitzung, als es um einen Bürgerantrag dazu ging. Annette Stracke (CDU) verwies dabei auf die Klimawerkstatt, die Salzkotten initiiert hat, um gemeinsam mit den Bürgern Klimaschutzmaßnahmen zu entwickeln.

Um das Ziel zu erreichen, hat die Stadt ein großes Förderprogramm mit dem klangvollen Namen „Richtiges Handeln für den Klimaschutz und die Klimafolgeanpassungen“ auf den Weg gebracht, das unter anderem Photovoltaikanlagen, Lastenfahrräder, die Entsiegelung von Schottergärten und das Pflanzen von Bäumen und Hecken bezuschusst.

Wichtigste regenerative Energiequelle ist auch in Salzkotten der Wind mit 13 Anlagen, die jedes Jahr 74 Megawattstunden Strom einspeisen und damit 39,4 Prozent des Bedarfs decken. Solaranlagen gibt es auf 1651 Dächern und liefern pro Jahr 27 Gigawattstunden Strom. Zusammen mit den fünf Freiflächenanlagen (eine Gigawattstunden Strom) deckt dies 14,7 Prozent des Strombedarfs. Unterm Strich kann die Kommune aber nur gut die Hälfte ihres Strombedarfs mit regenerativen Energien erfüllen. Salzkotten ist kreisweit die einzige Stadt mit einer Deponiegas-Anlage, die rund eine Gigawattstrom pro Jahr liefert.

Bad Wünnenberg

Auch Bad Wünnenberg hat mit Frank Segin zum 1. Januar recht frisch einen Klimaschutzmanager eingestellt, der in zwei Jahren ein Klimaschutzkonzept erarbeiten soll. Die Stadt stellte den Diplom-Bauingenieur als „Kümmerer“ für den Bereich vor.

Als ersten Schritt wurden Arbeitsgruppen gebildet, die in runden Tischen vor dem Sommer zusammenkamen.

Die Stadt kann heute etwa fünf Mal so viel Energie erzeugen, wie sie selbst verbraucht (92 Gigawattstunden). Die wichtigste Energiequelle sind die 98 Windräder mit einem jährlichen Ertrag von 497 Gigawattstunden. Die 1179 Solaranlagen auf Dächern in der Kurstadt erzeugen jedes Jahr 25 Gigawattstunden Strom und können knapp 27 Prozent des Bedarf abdecken. Zwölf Gigawattstunden (13 Prozent des Verbrauchs) erzeugen die fünf Biogasanlagen.

Lichtenau

Den Titel „Energiestadt“ hat sich Lichtenau mehr als verdient: Fast zehn Mal so viel wie die Stadt selbst verbraucht, wird an Energie produziert. Den größten Teil machen die 184 Windräder aus, die jedes Jahr 736 Gigawattstunden Strom erzeugen. Dies entspricht 930 Prozent des Energiebedarfs der Stadt. Die vier Freiflächen-Solaranlagen mit einer Gigawattstunde Stromertrag pro Jahr und die 1182 Solaranlagen auf Dächern mit 21 Gigawattstunden Stromertrag, können 28 Prozent des Bedarfs abdecken.

Ein Viertel des Strombedarf kann Lichtenau durch drei Biogasanlagen abdecken, die 20 Gigawattstunden Strom erzeugen. Die Technik ist deshalb interessant, weil sie unabhängig von Sonne und Wind ist und die Lücke entsprechend ausfüllen kann.

Ein Klimaschutzkonzept wurde schon 2013 auf den Weg gebracht und 2016, lange vor vielen anderen Kommunen, ein Klimaschutzmanager eingestellt. Seit März gibt es wieder regelmäßige Treffen der Arbeitsgruppe Umwelt, Wald und Energie. Im April beauftragte die Politik den Klimaschutzmanager ein neues Klimaanpassungskonzept auf den Weg zu bringen.

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