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Im St.-Vincenz-Krankenhaus in Paderborn verankert – heute ist der Tag gegen Schlaganfall

Lotsen sind eine feste Instanz

Paderborn

„Erst einsam, dann krank – kümmern hilft vor Schlaganfall“ – lautet das diesjährige Motto des Tags gegen den Schlaganfall, der am 10. Mai stattfindet.

Heinrich Keller (Schlaganfall-Lotse) und Prof. Dr. Thomas Postert (Chefarzt der Klinik für Neurologie) helfen Schlaganfall-Patienten im St.-Vincenz-Krankenhaus. Foto: St. Vincenz-Krankenhaus/Hoppe

Aktuelle Studien zeigen: Die Pandemie fördere soziale Isolation und Einsamkeit mehr denn je und das Risiko für Schlaganfälle steige an. Um Betroffenen den Weg in ein selbstständiges und eigenverantwortliches Leben nach einem Schlaganfall wieder zu ebnen, seien gute Konzepte wie das der Schlaganfall-Lotsen im St. Vincenz-Krankenhaus gefragt.

Was als ein Modellprojekt der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe startete, sei nun auf der Spezialstation „Stroke Unit“ des St.-Vincenz-Krankenhauses fest verankert: Ausgebildete Lotsen helfen Patienten bis zu einem Jahr nach einem Schlaganfall durch alle Phasen der Gesundheitsversorgung hindurch. „Nach Ende des Pilotprojektes Stroke OWL haben wir uns dafür entschieden, dass unsere Schlaganfall-Lotsen unbedingt bleiben müssen. Bereits 230 Patienten profitierten in den vergangenen drei Jahren von der Arbeit der Lotsen – Betroffene, Angehörige, Hausärzte und unser Klinik-Team haben überaus positive Erfahrungen gemacht“, freut sich Prof. Dr. Thomas Postert, Chefarzt der Klinik für Neurologie. Auch einige Krankenkassen hätten das große Potenzial der Lotsen-Arbeit gesehen und diese Leistung nun mit in die Regelversorgung aufgenommen. Sie übernehmen somit die entstehenden Kosten.

Heinrich Keller ist seit drei Jahren als Lotse für das St.-Vincenz-Krankenhaus tätig. In dieser Zeit habe er viel Erfahrung gewonnen: „Die Unterstützung nach der Akutbehandlung im Krankenhaus tut den Menschen gut. Viele Betroffene leiden nach einem Schlaganfall unter halbseitiger Lähmung oder Sprachschwierigkeiten. Darüber hinaus gibt es viel zu organisieren: Anträge ausfüllen, Arzttermine koordinieren, Hilfsmittel beantragen und geeignete Therapeuten in der Umgebung finden. Damit sind viele überfordert. Hinzu kommt, dass einige Patienten keine Angehörigen haben, die ihnen zur Seite stehen können.“ Ein weiteres großes Ziel der Lotsen sei es, einen zweiten Schlaganfall zu vermeiden. „Nach dem Krankenhausaufenthalt klären wir über Risikofaktoren auf, besuchen unsere ehemaligen Patienten während der Reha und begleiten sie auch zu Hause. Ich sehe mich als Berater und Fürsprecher meiner Patienten“, erklärt Heinrich Keller.

Prof. Dr. Postert und sein Team betreuen etwa 1200 Schlaganfall-Patienten jährlich. Betroffene müssen zumeist eine Woche stationär im Krankenhaus bleiben. Schon während dieser Zeit stellt Heinrich Keller den ersten Kontakt zu den Patienten her. Er begleitet pro Jahr etwa 70 Patienten. Weitere Informationen finden Interessierte im Internet.