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Kreise Höxter, Paderborn und Lippe am stärksten betrofffen

Noch immer Funklöcher in OWL

Bielefeld

Deutschlands Mobilfunk-Netzbetreiber sind beim Schließen von sogenannten weißen Flecken – also 4G-Funklöchern – spät dran. Wie aus einem Bericht der Bundesnetzagentur an ihren Beirat hervorgeht, wird voraussichtlich keiner der drei etablierten Betreiber eine entsprechende Ausbauauflage bei zum Jahresende komplett erfüllen. Auch in OWL macht sich der schleppende Ausbau bemerkbar – bis hin zu echten Funklöchern ohne jeglichen Empfang.

Nach Angaben auf der Webseite breitband-monitor.de gab es im Oktober auf 2,94 Prozent der Fläche Deutschlands weiße Flecken. Hinzu kommt noch eine Fläche von 18,56 Prozent mit „grauen Flecken“, wo nur einer oder zwei der drei Netzbetreiber funken. Echte Funklöcher gibt es auf 0,32 Prozent der Fläche – dort ist nicht mal 2G zu empfangen.

In OWL finden sich „graue Flecken“ in 26 Prozent des Kreises Höxter, in 17,6 Prozent des Kreises Lippe und in 19,1 Prozent des Kreises Paderborn. Echte Funklöcher sind in OWL nur noch selten zu finden – auch hier sind vor allem die ländlichen Regionen unter anderem in den Kreisen Höxter und Paderborn betroffen.

500 neue Stationen müssen gebaut werden

In der Frequenzauktion von 2019 hatten sich die Firmen dazu verpflichtet, bis Ende 2022 in 500 bisherigen „weißen Flecken“ neue Funkstationen zu bauen. Dem Bericht zufolge ist Telefónica (O2) erst bei 45, die Telekom bei 28 und Vodafone bei 12. Die Firmen wollen sich gegenseitig Zugang verschaffen, sie sind für je ein Drittel der weißen Flecken zuständig.

Telefónica teilte mit, die Angaben in dem Bericht seinen nicht mehr aktuell – der Ausbau sei bereits weiter vorangeschritten. Als Reaktion auf den Bericht sagte die Technikchefin von Vodafone Deutschland, Tanja Richter: „Die Netze in Deutschland sind gut, aber noch nicht gut genug.“ Man arbeitete „mit Hochdruck daran, das zu ändern“.

Weiße Flecken sind Gebiete, in denen weder 4G/LTE- noch 5G-Funksignale empfangen werden. Die Ausbauauflage besagt, dass auch dort ein Daten-Download in einem Tempo von 100 Megabit pro Sekunde möglich sein muss.

Streng genommen sind weiße Flecken nach Definition der Bundesbehörde keine Funklöcher, weil dort zumindest 2G-Telefoniesignale zu empfangen sind. Im datengetriebenen Internetzeitalter dürften viele Bundesbürger weiße Flecken aber wie ein Funkloch empfinden.

Unterdessen ist der schnelle 5G-Standard in weiteren Gebieten verfügbar.  „Der Ausbau der leistungsfähigen 5G-Netze durch die Mobilfunkanbieter geht voran“, teilte die Bundesnetzagentur am Mittwoch mit. Nach Erhebungen mit der Funkloch-App der Netzagentur war der 5G-Standard im September an 14 Prozent der Messpunkte verfügbar. Mit 80 Prozent der Messpunkte sei aber der 4G-Standard nach wie vor die bestimmende Technologie.

Kreis Herford führt beim 5G-Netz

Das 5G-Netz ist unter anderem für die Fernsteuerung von Maschinen notwendig, weil hier Daten nahezu in Echtzeit übermittelt werden können. In OWL ist hier der Kreis Herford führend vor Bielefeld und dem Kreis Gütersloh.

In den ländlichen Gebieten Ostwestfalen-Lippes ist nicht nur die 5G-Versorgung schlechter – hier gibt es auch den größten Anteil an Flächen, die maximal den veralteten 2G-Standard erreichen

Wie O2 ist auch Vodafone zuversichtlich, bis zum Jahresende in jedem Bundesland mindestens 98 Prozent der Haushalte mit 100 Megabit pro Sekunde oder mehr zu versorgen und damit diese Ausbau-Pflicht zu erfüllen. Bei den weißen Flecken sieht das anders aus – hier dürften wohl auch Vodafone und die Telekom die Latte reißen.

Vodafone-Vorständin Tanja Richter sagt, die Erschließung dieser Gebiete gestalte sich „aufgrund von vielerorts langen Genehmigungsverfahren, der Suche nach neuen Standorten und vorbereitenden Planungsprozessen, die erst am Ende des vergangenen Jahres abgeschlossen wurden, schwierig“. Telefónica-Deutschlandchef Markus Haas sagt zu diesem Thema: „Die Errichtung neuer Standorte insbesondere in der Fläche erfordert einen langen zeitlichen Vorlauf.“ Man setze „alles daran, auch diesen Teil der Versorgungsauflage bis Ende 2022 zu erfüllen“. Die Telekom teilt hingegen mit, dass sie die Anforderungen der Bundesnetzagentur erfüllen werde, „soweit es keine rechtlichen und tatsächlichen Hinderungsgründe für den Ausbau von einzelnen Standorten gibt“.

Wie gut die Netzqualität ist, hängt auch vom Nutzer ab. Wer im Auto auf Handyempfang angewiesen ist, sollte eine Außenantenne mit Bluetooth-Verbindung verwenden, rät Kai Hollensett, Mobilfunkkoordinator beim Kreis Steinfurt.

Abstriche bei Billigtarifen

Wer Billigtarife nutzt, muss Abstriche  einkalkulieren. Solche Anbieter haben kein eigenes Netz, sondern kaufen an einer Börse Gesprächs- oder Datenminuten ein. Dann kann es passieren, dass Kunden in einer Woche das Netz der Telekom und in der anderen das von Vodafone benutzen – und plötzlich keinen Empfang mehr haben, wo sie vor fünf Tagen noch problemlos telefonieren konnten.

Neben   Telekom, Vodafone und Telefónica mit seiner Marke O2 will auch der Neueinsteiger 1&1 Mobilfunk anbieten. Die avisierten 1000 5G-Standorte können aber nicht wie geplant zum Jahresende, sondern erst Mitte 2023 in Betrieb gehen. Grund seien Verzögerungen bei einer beauftragten Infrastrukturfirma.

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