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Archäologen dokumentieren in Paderborn ungewöhnlich großes Teilstück

100 Meter Mauer

Paderborn (WB). Das Teilstück der Stadtmauer ist gut 100 Meter lang und elf Meter breit. Mit Blick auf die Reste spricht Archäologin Sveva Gai von einer »glücklichen Situation«.

Dietmar Kemper

Bis zum WC-Häuschen im Hintergrund reicht die Grabungsfläche. Robert Süße, Eckhard Döring und Sveva Gai (von links) hocken vor dem Fundament eines Turms. Foto: Dietmar Kemper

Grabungen im Bereich der Straßen Westernmauer und Alte Torgasse eröffneten den Archäologen die seltene Möglichkeit, im Hinblick auf die Stadtbefestigung eine größere Fläche zu dokumentieren und nicht nur punktuell ein kleines Stück aus jener Zeit, in der sich Paderborn einmauerte.

Das war in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts der Fall, danach wurde die Mauer den jeweiligen Bedürfnissen der Zeit angepasst, bis sie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts abgerissen wurde und fortan den Einwohnern als Steinbruch diente. Die Stadtväter maßen ihr damals keine Bedeutung mehr bei. Heute dagegen gilt die Mauer als Erkennungszeichen und als Teil der Paderborner Identität, wie in der vergangenen Sitzung des Kulturausschusses deutlich wurde. Der Ringwall soll demnach wieder besser sichtbar werden.

Türme und Stützpfeiler

Den Wissenschaftlern gelang die nach Angaben des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe »bislang größte Ausgrabung eines zusammenhängenden Mauerabschnitts, der den Straßenverlauf bis heute prägt«. Zum Vorschein kamen auch zwei Stützpfeiler und Türme. Die Archäologen fanden zwei Halbschalentürme mit einer zur Stadt hin offenen, nicht vermauerten Seite. So konnten sich Angreifer nicht in ihnen verschanzen und auf die Stadt feuern.

Möglicherweise standen in dem Bereich sogar drei Türme. Darauf lässt eine aus dem 17. Jahrhundert stammende, schematische Darstellung der Stadtbefestigung schließen, erläuterte Ausgrabungsleiter Robert Süße am Donnerstag. Die Reste der mehr als zwei Meter breiten Mauer, die außen aus Kalksteinblöcken und innen aus kleineren Bruchsteinen bestand, soll nicht real, sondern nur virtuell in Form einer 3-D-Rekonstruktion erhalten bleiben.

Künftig fahren dort Busse entlang

Der Grund: An der Stelle wird die zentrale Haltestelle für die Busse samt Umfahrung angelegt. Geplant seien eine drei Meter breite Aufstellfläche für die Busse und eine 6,50 Meter breite Fahrbahn, sagte Eckhard Döring vom Straßen- und Brückenbauamt. Der Radweg entlang des Walls wird vor die Häuser verlegt.

Infotafel im Wartehäuschen?

Zuerst aber stehen Kanalarbeiten an, die im Frühjahr 2020 beginnen sollen. Der Bau der zentralen Haltestelle werde voraussichtlich im August 2021 beginnen, erläuterte Döring. Die Grabungsfläche wird demnach nach Abschluss der archäologischen Arbeiten mit einem Vlies abgedeckt und dann mit Schotter aufgefüllt. Die Archäologen werden vermutlich Anfang November fertig sein, sagte Robert Süße. Wie bekommen die Bürger später mit, dass dort, wo künftig die Busse stehen, 100 Meter Mauer gefunden wurden? Döring hält eine Infotafel im Wartehäuschen für eine Option.

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