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Bundesweit kehren 359.338 Menschen der katholischen Kirche den Rücken – Missbrauchsskandale als Ursache

16.310 Katholiken im Erzbistum Paderborn sind ausgetreten

Paderborn/Bonn

Im vergangenen Jahr sind so viele Menschen aus der katholischen Kirche ausgetreten wie noch nie. 359.338 Katholiken kehrten ihrer Kirche allein 2021 den Rücken, wie die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) am Montag in Bonn mitteilte. Das ist ein neuer Negativrekord.

Alfons Hardt, Generalvikar des Erzbischofs von Paderborn. Foto: Besim Mazhiqi

Die katholische Kirche zählt 21.645.875 Mitglieder – das macht 26 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz Georg Bätzing zeigte sich „zutiefst erschüttert über die extrem hohe Zahl von Kirchenaustritten“.

Die Zahl sei Zeugnis einer „tiefgreifenden Krise, in der wir uns als katholische Kirche in Deutschland befinden“, sagte er. „Es ist nichts schönzureden.“ 2020 hatten mit 221.390 Personen noch deutlich weniger Katholiken die Kirche verlassen, 2019 – im Jahr vor Corona – lag die Zahl bei 272.771.

Im Erzbistum Paderborn ist die Zahl der Kirchenmitglieder 2021 um 32.691 auf 1.406.872 gesunken, im Jahr 2020 waren es noch 1.439.563. Der Anteil der aktiven Austritte beträgt 16.310, im Jahr 2020 waren es 10.104.

Einer der Hauptgründe für die Zunahme liegt in den Missbrauchsskandalen. „Die Skandale, die wir innerkirchlich zu beklagen und in erheblichem Maße selbst zu verantworten haben, zeigen sich in der Austrittszahl als Spiegelbild. Dieses dürfen wir nicht verzerren, wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass die Kirchen wieder voller werden oder die Zahl der Gläubigen wieder steigt“, erklärte Bätzing am Montag und betonte, die „drastische Austrittszahl nicht schönreden“ zu wollen.

„Aber ich möchte dafür werben, das Mehr, den Gewinn, das Plus von Kirche zu sehen. Ohne die vielen Angebote von Gottesdiensten und Glaubensvermittlung würde unser menschliches Miteinander an Tiefe verlieren“, so Bätzing weiter.

Alfons Hardt, Generalvikar des Erzbischofs von Paderborn, rief dazu auf, die „richtigen Wege der Erneuerung und der Konzentration auf den Kern“ des eigenen Daseins und Auftrags in diesen Zeiten der Veränderung konsequent weiterzugehen. „Wieder einmal erhalten wir als katholische Kirche in Deutschland die Quittung für das, was wir noch nicht gut hingekriegt haben“, sagte Hardt und appellierte: „Allen, die sich von der Kirche abwenden, die skeptisch sind oder sich zurückziehen, sage ich: Bleibt! Habt Mut zu neuem Vertrauen!“

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