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Erste Piloten unterliegen im Streit um Weiterbeschäftigung – auch in Paderborn Klagen eingegangen

1889 Mitarbeiter klagen nach Air-Berlin-Pleite

Berlin/Paderborn (WB). Nach der Insolvenz Air Berlins klagen nahezu 2000 Piloten, Flugbegleiter und Bodenkräfte beim Arbeitsgericht in Berlin.

Christian Althoff

Oktober 2017: Air-Berlin-Mitarbeiter protestieren. Foto: dpa

»Seit dem 1. Dezember sind bei uns 1889 Verfahren eingegangen«, sagte Gerichtssprecherin Dr. Andrea Baer. Die Klagen richteten sich gegen Air Berlin und den Insolvenzverwalter. Die Klageflut sei so enorm, dass das Gericht Großkanzleien gebeten habe, die Schriftsätze nicht zu faxen, weil sonst die Faxgeräte für Tage blockiert seien. »Manche Anwälte lassen uns deshalb Aktenberge mit Autos bringen.«

Air Berlin hatte im August 2017 Insolvenz angemeldet. Teile wurden von Lufthansa und Easyjet übernommen.

In den meisten Arbeitsgerichtsverfahren wenden sich frühere Air-Berlin-Mitarbeiter gegen ihre Kündigung. Sie argumentieren, es habe einen Betriebsübergang gegeben. Liegt ein Betriebsübergang auf einen neuen Inhaber vor, bleiben die Arbeitsverhältnisse laut Gesetz bestehen.

Zehn Klagen in Paderborn

Auch beim Arbeitsgericht Paderborn sind etwa zehn Klagen von Stewardessen und Piloten eingegangen, die aber nach Berlin verwiesen wurden. Die früheren Air-Berlin-Mitarbeiter aus Ostwestfalen waren der Meinung, ihre Klagen gehörten nach Paderborn, denn sie hätten ihre Arbeit stets auf dem Flughafen Paderborn/Lippstadt begonnen.

So hieß es im Arbeitsvertrag eines entlassenen Piloten, er sei »in Paderborn stationiert«. Von hier war er deutschlandweit zu Air-Berlin-Standorten gebracht worden, um dort seine Arbeit aufzunehmen. Holger Kuhlmey, Direktor des Arbeitsgerichts Paderborn, sagte, es gebe eine Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts zu der Frage, ob ein Startflughafen als Arbeitsplatz gelte.

Danach ist als Arbeitsplatz das »örtlich ungebundene Flugzeug« anzusehen und nicht die Heimatbasis. Als Arbeitsgericht kommt deshalb das Gericht am Firmensitz in Frage. Unabhängig davon hätten inzwischen mehrere Flugbegleiter vor dem Arbeitsgericht Paderborn Vergleiche mit dem Insolvenzverwalter geschlossen.

Bisher gescheitert

»Vergleiche kann auch ein nicht zuständiges Gericht protokollieren«, sagt Kuhlmey. In den Vergleichen werde geregelt, dass die Betroffenen ihre Kündigung akzeptierten, ein gutes Zeugnis bekämen und mögliche finanzielle Forderungen in die Insolvenztabelle aufgenommen würden.

Dr. Andrea Baer, Sprecherin des Arbeitsgerichts Berlin, sagte, bisher seien dort alle Piloten mit dem Versuch gescheitert, die Übernahme von Air-Berlin-Teilen als Betriebsübergang anerkennen zu lassen. Erfolgreich seien dagegen einzelne Klagen des Bodenpersonals gewesen: »Bei der Auswahl, wen man sofort entlässt und wen man noch für die Zeit der Abwicklung beschäftigt, wurde nicht immer nach sozialen Gesichtspunkten vorgegangen.« Es sei aber fraglich, ob die erfolgreichen Kläger ihre finanzielle Ansprüche durchsetzen könnten.

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