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Prozess am Landgericht Paderborn: Diebstahl, Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und einiges mehr

40-Jähriger hält die ganze Innenstadt in Atem

Paderborn

In dieser Geschichte spielen Bierdosen mit, Flachmänner und ein schwarzer Büstenhalter. Dann gibt es auch noch ein Einhandmesser und eine alte Spritze. All diese Gegenstände haben einen 40-Jährigen aus Paderborn vor Gericht gebracht – und erst einmal in die Forensik in Eickelborn.

Ulrich Pfaff

Das Land- und Amtsgericht in Paderborn. Foto: Jörn Hannemann

Es sind keine zwei Monate, aber die haben es in sich. Zehn Mal soll der 40-Jährige, der im Paderborner Stadtbild bestens bekannt ist, zum Teil massiv mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sein: räuberischer Diebstahl, Diebstahl mit Waffen, gefährliche Körperverletzung sowohl als Versuch als auch vollendet, und nicht zuletzt auch noch Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte.

Was sich nach dem Strafgesetzbuch eher nüchtern anhört, dürfte den Beteiligten als unheimliche Begegnung im Sommer vergangenen Jahres so schnell nicht in Vergessenheit geraten. Los ging es laut Anklageschrift Mitte Juli, als der Mann ohne festen Wohnsitz in der Innenstadt in einem Kaufhaus eine rote Damentasche für 79 Euro klaute und dem Kaufhausdetektiv, der ihn nach draußen verfolgte, Prügel androhte. Vier Wochen später gelang es dem Angeklagten, aus einem anderen Geschäft mit einem schwarzen Büstenhalter das Weite zu suchen, ohne jemanden bedrohen zu müssen. Das wiederum soll er ein paar Tage zuvor dann doch recht massiv getan haben: „Ich schneide dir den Kopf ab“, soll er eine Frau angeschrien haben, der er an einem Lebensmittelmarkt seine prall gefüllte Einkaufstüte unvermittelt an den Kopf geworfen hatte. Mit Bierdosen beworfen habe der 40-Jährige eine Verkäuferin in einem Einkaufsmarkt in der Breslauer Straße, die ihn beim Diebstahl derselben und noch eines Flachmannes mit Likör erwischt hatte – angesichts des aggressiven Verhaltens des Ladendiebes ließ die Frau den Dieb lieber laufen.

Bis Anfang September leistete sich der 40-Jährige nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft noch ein paar ähnliche „Dinger“: An der Zentralstation zerschlug er einem Wartenden eine Bierflasche auf dem Kopf, woraufhin das gestürzte Opfer sich die Hand an den Glasscherben aufschnitt, einer Verkäuferin in einem Kiosk am Westerntor drohte er mit einem Messer, als er dort eine Dose mit einem Mixgetränk klaute und von ihr verfolgt wurde, im Paderquellgebiet stach er einem anderen eine gebrauchte Spritze ins Handgelenk. Die unfreundliche Seite des 40-Jährigen bekam auch eine Polizeistreife zu spüren, die ihn nach dem Büstenhalter-Diebstahl stellte und ihm wegen seines renitenten Verhaltens Handfesseln anlegen wollte: Da gab es Tritte, Spuckattacken und Beschimpfungen. Bei alle Vorfällen soll der Angeklagte vermindert schuldfähig gewesen sein.

Mit den ganzen Vorwürfen dürfte die 8. Große Strafkammer, die den Prozess am Dienstag eröffnete, eine Zeit lang beschäftigt sein: Es sind Verhandlungstermine bis zum 8. April angesetzt. Seit seinem letzten Übergriff Anfang September befindet sich der 40-Jährige in der Forensik in Eickelborn – bei der Verlesung der Anklage machte er einen recht aufgeräumten Eindruck.

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