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Danach tötet sich der Mann – Kurz vorher soll er aus der Psychiatrie entlassen worden sein

90-Jähriger erschießt Tochter

Paderborn (WB). Ein 90-Jähriger hat nach WESTFALEN-BLATT-Informationen am Samstagabend in Paderborn – wie berichtet – auf offener Straße erst seine Tochter (63) und danach sich selbst erschossen. Tatort war die Einfahrt zum Haus. Der Mann soll erst am Tag zuvor aus der Psychiatrie entlassen worden sein. Das Motiv ist noch unklar.

Ingo Schmitz

Im Wohngebiet Kaukenberg in Paderborn fielen am Samstag mehrere Schüsse. Unter den Zelten liegen zwei Leichen. Foto: Ingo Schmitz

Die Nachbarn sind fassungslos über das, was sich vor ihrer Haustür ereignet hat. Sie berichten, dass am Samstag um 19.18 Uhr mindestens zehn Schüsse in der Siedlung gefallen seien, in der ­viele Aussiedler leben. Weil der 23. Februar ein russischer Feiertag ist, dachten sie zunächst an ein Feuerwerk. Doch als die Anwohner nachschauten, entdeckten sie die beiden blutüberströmten ­Leichen auf der Straße. Der Mann sei sofort tot gewesen, die Frau sei wenig später im Krankenwagen gestorben, erzählen die An­wohner.

Die Polizei sperrte die Siedlung großräumig ab und stellte am Tatort die mutmaßliche Tatwaffe sicher, wie Polizei und Staatsanwaltschaft gestern in einer gemeinsamen Erklärung mitteilten. Bis tief in die Nacht war die Spurensicherung vor Ort. Unter anderem wurde an einem Nachbarhaus in der Jalousie ein Einschussloch entdeckt.

In der kleinen Sackgasse im Wohngebiet Kaukenberg kannten die Menschen den als sehr gebildet, aber auch sehr energisch auftretenden Akademiker gut. Er habe wohl die gesamte Familie beherrscht, heißt es. »Es gab immer wieder Streit zwischen Vater und Tochter«, berichtet ein Paar. Vor einer Woche sei es so schlimm gewesen, dass Polizei und Rettungsdienst vor Ort gewesen seien. Sie hätten den Senior mitgenommen. Am Freitag, einen Tag vor der Tat, sei der Mann dann aus der Psychiatrie entlassen worden und ­wieder nach Hause gekommen. Stunden später ereignete sich das Drama.

Seit dem Tod seiner Frau vor mehr als zehn Jahren habe er mit seiner Tochter eine Hälfte des selbst gebauten Doppelhauses bewohnt. Nebenan lebt eine zweite Tochter mit ihrem Mann und ihrer ebenfalls erwachsenen Tochter. »Der Senior, seine verstorbene Frau, beide Töchter und auch die Enkelin – das war eine reine Akademikerfamilie«, sagt ein Anwohner. Die getötete 63-Jährige habe als Neurologin gearbeitet, der 90-Jährige habe in Kasachstan ein Krankenhaus geleitet.

Das Haus wurde noch in der Nacht polizeilich versiegelt. Die eingesetzte Mordkommission unter der Leitung von Kriminalhauptkommissarin Jutta Horst­kötter untersucht nun die Zusammenhänge der beiden Tötungs­delikte. Unter anderem stellt sich die Frage, woher der 90-Jährige die Waffe hatte.

Obduktion am Dienstag

Nach derzeitigem Kenntnisstand gehen die Staatsanwaltschaft und die Polizei davon aus, dass es zu einer Schussabgabe nach innerfamiliären Streitigkeiten kam. Auslöser könnte eine krankheitsbedingte Persönlichkeitsveränderung des 90-Jährigen sein, wie die Polizei am Montag mitteilte. Die Herkunft der Waffe sei derzeit Gegenstand der Ermittlungen der Mordkommission. Eine Obduktion der Leichname findet voraussichtlich am Dienstag statt.

Schon im Januar hatte es in Paderborn eine Bluttat gegeben: Ein in Paderborn bekannter Unternehmer erstach zunächst seine Frau und erhängte sich dann.

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