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Archäologen finden in Paderborn Reste unterhalb des Konrad-Martin-Hauses

Als der Bischof eine Mauer bauen ließ

Paderborn (WB). Der Bischof und der Schuhmacher standen im Mittelalter nicht auf einer Stufe – auch rechtlich nicht. Für den Mann Gottes galt das kirchliche, für den Handwerker das weltliche Recht.

Dietmar Kemper

Die Bau- und Ausgrabungsstelle von oben. In der Nähe des Doms und des Konrad-Martin-Hauses tauchten mehrere Mauern aus verschiedenen Jahrhunderten auf. Foto: Jörn Hannemann

In seinem „Reich“ genoss der Bischof Immunität. Mauern dienten dazu, beide Welten

vonein­ander zu trennen. In der Frage, wo in Paderborn die sogenannte Domburgmauer verlief, sind die Archäologen schlauer geworden. Unterhalb des Konrad-Martin-Hauses stießen sie auf die unterste Steinschicht der Mauer. „Wir haben ein Stück der Domburgmauer und damit die Grenze der Immunität entdeckt“, sagte die Stadtarchäologin Sveva Gai am Dienstag. Die Wissenschaft habe bislang vermutet, dass die Mauer weiter südlich verlief.

Die Domburg selbst reicht in die Karolingerzeit zurück, also ins 9. Jahrhundert. Wie eine Ritterburg darf man sie sich nicht vorstellen. Es war ein mit einer Mauer umfasster Bereich. Die jetzt entdeckte Mauer war zwei Meter dick und bestand aus vermörtelten Kalkbruchsteinen. Nach Angaben des Grabungsleiters Ralf Mahytka wird die Grundmauer von Schichten aus dem 12. Jahrhundert überlagert und sei deshalb „mindestens in diese Zeit, vielleicht auch früher zu datieren“.

Die Funde wurden möglich, weil das Erzbischöfliche Generalvikariat an der Heiersstraße ein Verwaltungsgebäude baut. Im April 2021 soll es in Betrieb genommen werden und bis zu 54 Mitarbeitern Platz bieten. Weil dieses Gelände im Schatten des Doms für Archäologen besonders interessant ist, begannen die Experten zu graben und stießen zuerst auf den Keller eines Hauses, das vermutlich aus der Zeit des Barock (ab Ende des 16. Jahrhundert) stammt.

Der Keller habe vermutlich zur Tigge gehört, sagte Ralf Mahytka. Die Tigge war das ehemalige Gerichtsgebäude, das 1527 erstmals erwähnt wird, aber vermutlich schon Anfang des 14. Jahrhunderts bestand. Eine Zeichnung aus dem Jahr 1841 zeigt die Tigge als schmalen Fachwerkbau, der im ersten Obergeschoss mit Wappen geschmückt war.

Die Archäologen stießen auf ein Wirrwarr von Mauerresten. Unterhalb des Konrad-Martin-Hauses befand sich auch die ehemalige Dommädchenschule, die Mitte des 19. Jahrhunderts gebaut worden war. Zuletzt war hier das als „Kleiderkammer“ bekannte Gebäude der Caritas angesiedelt.

Die Domburgmauer wurde im 12. Jahrhundert aufgegeben und als Baumaterial genutzt. Sie hatte sich überlebt. Till Lodemann, wissenschaftlicher Volontär der Paderborner Stadtarchäologie, erklärte: „Die Mauer sollte das bischöfliche Territorium zum Beispiel vor Räubern schützen und abgrenzen. Als sich mehr Menschen hier ansiedelten und die Stadtmauer gebaut wurde, war diese Mauer nicht mehr so wichtig.“ Die Stadtmauer wurde um 1180 errichtet.

Die Grabungen hatten im September begonnen und sollen Ende Januar 2020 abgeschlossen sein. Zuvor wird alles digital erfasst. Die Mauer wird unter dem Betonfundament eingeschlossen und überdauert unter der Erde für nachwachsende Generationen. Auch wenn sich durch die Forschungen der Baubeginn verzögert, unterstützte das Generalvikariat die Arbeiten.

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