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Entfernung der Farbschichten fördert kleine Sensation zutage

Altes Wegekreuz saniert

Paderborn (WB). Bildhauer Michael Diwo hat mit seinem Team ein altes Wegekreuz in Paderborn-Marienloh saniert. Nach der Entfernung der Farbschicht wurde ein Schriftzug deutlich, der Joseph Paschen als Künstler des Wegekreuzes auszeichnet. Paschen hat unter anderem die Figur des heiligen Liborius auf dem Liboriusbrunnen in Paderborn geschaffen.

Am restaurierten Wegekreuz (von links): Heike Müller, Eigentümer Johannes Füller-Schmidt, Bildhauer Michael Diwo und Birgit Teget­hoff (Heimatfreunde Marienloh). Foto: Blanka Füller-Schmidt

Mehr als 400 Jahre lebten und arbeiteten Eigentümer und Personal auf dem Theilhof in Marienloh, als ein Schicksalsschlag die Existenzgrundlage zu zerstören drohte. Im Jahre 1856 biss vermutlich ein tollwütiger Fuchs mehrere Rinder und Kühe, so dass das gesamte Vieh wegen Tollwutgefahr notgeschlachtet werden musste. Noch gab es keine Viehseuchenenkasse, die den finanziellen Verlust ausgleichen konnte.

Als Dank für göttlichen Beistand 1886 Kreuz aufgestellt

Den Eigentümerfamilien Füller und Tegethoff gelang es, den Hof zu erhalten. Geblieben war die Erinnerung an das schreckliche Ereignis. Aus Dankbarkeit für göttlichen Beistand und als mahnendes Gedenken wurde im Jahr 1886 ein Kreuz an der Chaussee Aachen – Königsberg (heute Detmolder Straße) unmittelbar an der Abzweigung zum Diebesweg aufgestellt.

Im Jahre 1920 fand das Kreuz einen neuen Platz an der Zufahrt Diebesweg zum Hof der Familie Füller-Schmidt. Es ist für Autofahrer und Fahrradfahrer gut sichtbar und mag einen kurzen Moment des Innehaltens auslösen.

Umfangreiche technische Sanierungen

Der Wechsel der Jahreszeiten, Zerstörungen und Reparaturen beeinträchtigten massiv die Substanz des neugotischen Sockelunterbaus und des Kreuzes mit Korpus. Die Familie Füller-Schmidt und die Mitglieder der Heimatfreunde Marienloh stemmten gemeinsam das Vorhaben, den schleichenden Verfall des Denkmals aufzuhalten.

Der Bildhauer Michael Diwo und seine Mitarbeiter führten umfangreiche technische Sanierungen durch. Mehrere Schichten Farbe wurden abgetragen, eine Sturmstange, die den Kreuzschaft stabilisiert, angebracht. Abgefallene Finger der rechten Hand fanden sich im Gebüsche wieder und konnten angeklebt werden. Die nunmehr einheitliche Fassung in gebrochenem Weiß sorgt für Ruhe und Würde.

Die Entfernung der Farbschichten förderte eine kleine Sensation zutage. Ein Schriftzug verweist auf Joseph Paschen als Erbauer des Wegekreuzes: Das wohl bekannteste Werk von ihm ist die Figur des heiligen Liborius auf dem Liboriusbrunnen auf dem Kamp in Paderborn. Viele weitere Arbeiten von ihm, unter anderem in und an denkmalgeschützten Sa­kralbauten wie in der Busdorfkirche, den katholischen Pfarrkirchen in Benhausen, Dahl und Neuenbeken zeigen hohe künstlerische Qualität.

Die Inschrift des Wegekreuzes lautet:

Trag Dein Kreuz recht willig und froh/

unser Herrgott will es so!

Und wems druckt so bitter und schwer/

ach dann schau auf Jesum her!

Auf der Rückseite sind die Namen der Stifterfamilien Füller und Tegethoff und das Jahr 1886, auf der rechten Seite die bisher unbekannte Bildhauerkennzeichnung Paschen angebracht.

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