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Hauptversammlung der Diebold Nixdorf AG mit nur noch 40 Aktionären

An Bedeutung eingebüßt

Paderborn (WB). Es war ein Bild mit Symbolkraft für den Bedeutungsverlust der Diebold Nixdorf AG als Teil des amerikanisch-deutschen Zahlungssystemherstellers: 20 Vorstands- und Aufsichtsratsmitgliedern auf dem Podium saßen bei der Hauptversammlung in Paderborn am Donnerstag nur 40 Aktionäre gegenüber. Sie hörten wenig Neues, kaum Erbauliches.

Oliver Horst

Jürgen Wunram spricht zum ersten und zugleich zum letzten Mal als Vorstandsvorsitzender der Diebold Nixdorf AG zu den Aktionären. Der Nachfolger von Eckard Heidloff scheidet zum Monatsende aus. Ulrich Näher (links) übernimmt den Chefposten. Foto: Oliver Horst

Seit Inkrafttreten des Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrags im Februar 2017 mit dem US-Mutterkonzern Diebold Nixdorf Inc. sind die Befugnisse des deutschen Unternehmensteils begrenzt. Weil die US-Mutter hohe Millionenverluste schreibt, stellte Josef Gemmeke als Vertreter der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) fest: »Man hat den Eindruck, dass der Schwache den Starken übernommen hat.« Widerspruch gab es hierzu nicht.

Zwar hat auch die Diebold Nixdorf AG deutlich zu kämpfen mit dem schwierigen Marktumfeld , das von der Investitionszurückhaltung der Banken bei Geldautomaten und der Digitalisierung des Zahlungsverkehrs geprägt ist. Aber die Paderborner büßen im Vergleich mit den US-Kollegen weniger stark an Umsatz ein – und schreiben vor allem immer noch ordentliche Gewinne.

2017 wurden bereits in 20 Ländern die Aktivitäten zusammengelegt

Im Geschäftsjahr 2016/17 (30. September) setzte die AG 2,36 Milliarden Euro um – acht Prozent weniger als im Vorjahr. Eine Milliarde entfiel auf Geräteverkäufe. Der Überschuss stieg von 102 auf 119 Millionen. Im Rumpfgeschäftsjahr bis Dezember reduzierten sich die Erlöse ebenfalls um 8 Prozent auf 567 Millionen – der Gewinn wuchs von 32 auf 51 Millionen Euro. Dies begründete der Ende Mai scheidende Vorstandschef Jürgen Wunram mit »geringeren Personalaufwendungen und Kostensenkungen durch das Integrations- und Transformationsprogramm«.

2017 wurden bereits in 20 Ländern die Aktivitäten zusammengelegt, im laufenden Jahr folgten weitere neun. Landesgesellschaften seien sowohl der AG als der Inc. zugeschlagen worden. Auch Forschung und Entwicklung sowie Geräteproduktion seien auf beide verteilt, sagte der künftige Vorstandschef Ulrich Näher.

Für das laufende Jahr erwartet die AG einen Umsatz von 2,3 Milliarden Euro – wie im Kalenderjahr 2017. Der operative Gewinn vor Zinsen und Steuern werde aber deutlich unter dem Vorjahreswert von 210 Millionen liegen. »Wir rechnen nun mit negativen Auswirkungen vor allem aufgrund des anhaltenden Preisverfalls im Hardware-Geschäft«, sagte Wunram. Die Geldautomaten des Konzerns kosten je nach Ausstattung zwischen 10.000 und 20.000 Euro. Weltweit setzt die Branche rund 330.000 Geräte ab, Diebold Nixdorf gilt als Nummer eins bei der Zahl der installierten Geldautomaten. Doch Wachstumsmärkte sind vor allem Asien und der Mittlere Osten, wo der Wettbewerbsdruck hoch und Diebold Nixdorf nicht so stark ist wie in anderen Regionen, die schrumpfen. Dort sei eine Trendwende nicht in Sicht, erklärte Näher. In Deutschland habe sich die Zahl der Geldautomaten in drei Jahren um 3000 auf 58.000 verringert.

Geschäfte mit Systemen für den Einzelhandel laufen besser

Besser laufen dagegen die Geschäfte mit Systemen für den Einzelhandel. Zudem setzt Diebold Nixdorf verstärkt auf Softwarelösungen und Service und betreibt als Dienstleister selbst Geräte.

Ein Zwangsausschluss der Minderheitsaktionäre »steht derzeit nicht im Raum«, sagte Wunram. Dies lasse der zu geringe Anteil der Konzernmutter nicht zu, die knapp 80 Prozent kontrolliert. Sie bräuchte mindestens 90 Prozent. Die Mehrheit reichte am Donnerstag aber, um den einzig umstrittenen Tagesordnungspunkt durchzusetzen: Die AG veröffentlicht künftig nicht mehr die Vergütung der Vorstände individuell. Dies geschehe durch die US-Mutter, sagte Aufsichtsratschef Alexander Dibelius. Weil die Standards unterschiedlich seien, sei der Aufwand hoch und könne es Widersprüchlichkeiten geben. Aktionärsschützer sehen einen Transparenzverlust.

Während die Mutter die Dividende strich, erhalten Aktionäre der AG die garantierte Ausgleichszahlung von 3,13 Euro pro Jahr. Die stattliche Rendite lässt ein Stück weit den Kursrückgang der vergangenen Monate verschmerzen.

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