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Nach Unfall: Deutsche Bahn muss Signalmast in Paderborn ersetzen

Bahnübergang Detmolder Straße: Posten sollen mit Flatterband für Sicherheit sorgen

Paderborn

Ein Lkw-Unfall am Bahnübergang Detmolder Straße löst gravierende Probleme aus: Weil die Deutsche Bahn einen Signalmast bestellen muss, sorgen in den nächsten Wochen Mitarbeiter mit Flatterband für Sicherheit. 

Von Rajkumar Mukherjee

In den nächsten Wochen sollen Posten am Übergang Detmolder Straße für zusätzliche Sicherheit sorgen. Foto: Jörn Hannemann

Erhebliche Einschränkungen hat es zudem nach einer technischen Störung am Übergang Am Hilligenbusch gegeben. Verspätungen und Ausfällen beklagt die Nordwestbahn.

Die zufällige zeitliche Überschneidung beider Störungen, eine durch einen Unfall ausgelöst, führte besonders am Wochenanfang dazu, dass es auf der eingleisigen Strecke der Regionalbahn (RB) 74  zu Problemen kam. Auf den Schienen der Deutsche Bahn (DB) Netz betreibt die Nordwestbahn (NWB) die RB 74. Züge der Senne-Bahn pendeln hier zwischen den Hauptbahnhöfen Paderborn und Bielefeld.

 „Wir hatten am Montag und Dienstag extreme Probleme“, sagt Steffen Högemann. Er ist Sprecher der NWB mit Sitz in Osnabrück. Züge hätten beispielsweise 20 Minuten oder mehr Verspätung gehabt, teilweise seien sie ganz ausgefallen.

Die erste Störung betraf den Bahnübergang an der Straße Am Hilligenbusch. Auf eine technische Ursache verweist Laura Reich, DB-Sprecherin in Düsseldorf. Am Montag seien Techniker damit beschäftigt gewesen, die Ursache herauszufinden und zu beheben. Weil ein Ersatzteil erst beschafft werden musste, hätten die Arbeiten bis zum Nachmittag angedauert. 

Hinzu kam, dass die Bahnübergänge aus Sicherheitsgründen miteinander verbunden sind. Weil es Am Hilligenbusch zu Problemen gekommen war, lösten auch die anderen Übergänge aus, die Schranken senkten sich. In Absprache mit dem Fahrdienstleiter im Stellwerk mussten die Lokführer dann jeweils aussteigen und die Signalanlage „durchschlüsseln“ – also manuell freischalten. „Hier spielen Sicherheitsvorschriften eine Rolle“, sagt Laura Reich. 

Anders die Situation am Montagmittag am Bahnübergang an der Detmolder Straße. Hier hatte ein Lkw-Fahrer mit seinem Fahrzeug einen Teil der Anlage beschädigt. In der Folge blieb die Schranke unten. Das bestätigt auch Tobias Bußkamp, Sprecher der zuständigen Bundespolizei in Münster. Zwischen 11.30 und 13 Uhr sei die Bundespolizei vor Ort gewesen. Zusammen mit Kräften der Kreispolizei hätten sie den Verkehr geregelt. Gegen 12.30 Uhr seien dann Techniker der DB vor Ort gewesen.

Ersatzteil erst in einigen Wochen verfügbar

Die Auswirkungen hier sind hier nach wie vor erheblich. „Ein Ersatz  für den beschädigten Signalmast ist nicht so schnell zu besorgen. Das wird Wochen dauern“, sagt Laura Reich. Solange werden die Posten am Übergang bleiben und diesen immer dann zusätzlich zu den gesenkten Schranken absperren, wenn ein Zug die Stelle passieren soll. „Sie sind in mehreren Schichten vor Ort, rund um die Uhr“, sagt Laura Reich. Von Donnerstagabend an sollten die Posten im Einsatz sein. 

Anders als am Übergang Am Hilligenbusch mussten die Lokführer hier seit Montag mehrere Tage lang ein besonderes Sicherheitsprozedere durchführen, die „Befehlsfahrt“. Hierbei nähert sich der Lokführer in langsamer Fahrt, nimmt Kontakt zum Fahrdienstleiter im Stellwerk auf und lässt sich von ihm einen schriftlichen Befehl erteilen. Diesen notiert der Lokführer, wiederholt diesen und erhält dann die Freigabe zum Passieren des Übergangs.  Dieses Verfahren sollte laut Laura Reich solange gelten, bis die Posten ihren Dienst aufnehmen.  

Ob zeitweises „Durchschlüsseln“ oder die vorübergehende „Befehlsfahrt“: Beide Verfahren nehmen Zeit in Anspruch und haben offenbar bis Donnerstag für Verzögerungen gesorgt. Aus Sicht von Steffen Högemann würden die nah beieinanderliegenden Bahnübergänge noch in einem anderem Zusammenhang für Herausforderungen sorgen. Vier Bahnübergänge seien es zwischen den Haltepunkten Nord und Paderborn-Hauptbahnhof. Und seiner Kenntnis nach lösen Züge in 800 Meter Entfernung das Herunterfahren der Schranken aus. Weil aber die genannten  Bahnübergänge so nah beieinanderliegen,  fahren bereits Schranken herunter, obwohl die Züge die Übergänge noch gar nicht erreicht hätten. Auch das habe zu Zeitverzögerungen geführt.   

Aus Sicht der NWB führt die aktuelle Situation zu Kritik. „Die Posten hätten schon früher im Einsatz sein müssen“, sagt Steffen Högemann. Und es sei die NWB, die den Unmut der Bahnfahrer, darunter Pendler, auf sich lenke. „Zudem müssen wir Strafe für Verspätungen zahlen“, sagt Högemann. Und ungeachtet des Lkw-Unfalls würden die Probleme an den Bahnübergängen zeigen, dass „die Infrastruktur der DB im Nahverkehr marode ist“.    

Dem widerspricht Laura Reich, auch mit Blick auf die Bahnstrecke der RB 74. „Der Zustand der Strecke entspricht dem aktuellen Standard“, sagt sie. Sie werde regelmäßig gewartet und instandgesetzt. 

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