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Volksbank Elsen-Wewer-Borchen wächst – Filialnetz wird weiter beobachtet

„Bankkunden werden immer digitaler“

Paderborn (WB). Die gesamte Bankenbranche ist im Umbruch. 40 bis 50 Fusionen werden pro Jahr vollzogen. „Vor vier bis fünf Jahren gab es noch mehr als 1000 Kreditinstitute im gesamten Land. Die Zahl ist inzwischen auf 850 gesunken“, sagt Hartmut Lüther, Vorstand der Volksbank Elsen-Wewer-Borchen.

Ingo Schmitz

Der Sitz der fusionierten Volksbank Elsen-Wewer-Borchen bleibt auch in Zukunft in Paderborn. Das betont Vorstand Hartmut Lüther. Zusammen mit der neuen Zweigstelle Wewelsburg-Ahden hat das Geldinstitut 18.000 Kunden. Foto: Thorsten Hennig

Seine Bank hat jüngst mit der Volksbank Wewelsburg-Ahden fusioniert (wir berichteten). Dadurch wachse das Institut, dessen Hauptsitz in Paderborn bleibe. Allerdings habe das Geldinstitut auch schon vor der Fusion ordentlich zugelegt. Die Bilanzsumme sei seit dem Jahr 2014 um fast 50 Prozent auf nunmehr 362 Millionen Euro geklettert.

„Keine Kündigungen“

Durch die Fusion werde es keine Kündigungen und – vorerst – auch keine Filialschließungen geben: „Wir schmelzen zusammen. Das passiert für die Mitarbeiter und Kunden völlig geräuschlos“, betonte Lüther am Dienstag im Gespräch mit dieser Zeitung. Aber natürlich werde man den Markt weiter beobachten.

Das habe die Genossenschaftsbank mit ihren nun insgesamt mehr als 10.000 Mitgliedern und 18.000 Kunden auch in den Corona-Monaten sehr intensiv getan. Dabei sei festzustellen, dass die Kundschaft dieser „mittelgroßen, regionalen Bank“ mit einer Bilanzsumme von nun 413 Millionen Euro immer digitaler werde. So sei seit Beginn der Pandemie das bargeldlose Bezahlen um 1500 Transaktionen gestiegen. Das Auflegen der Debit- oder Kreditkarte an der Kasse sei sehr stark gefragt. Corona habe den Prozess beschleunigt, wenngleich in diesem Zeitraum auch die Bargeldversorgung zugenommen habe. „Bargeld wird auch weiterhin wichtig bleiben“, ist Lüther sicher. Das zeige die hohe Frequenz an den Geldautomaten insbesondere an den Samstagen. „Auf dem Weg zum Einkauf in die Stadt halten auch viele Nichtkunden in Elsen an, um sich mit Bargeld zu versorgen“, berichtet er. Die Zahl der Automaten sei konstant. Aktuell gebe es zwei in Elsen sowie je einen in Nordborchen, Wewer, Kirchborchen, Etteln und Alfen.

Foto:

Gleichzeitig nehme der Kundenverkehr für einfache Zahlungsvorgänge am Schalter deutlich ab. 80 Prozent der Kontoinhaber verfügten bereits über einen Online-Zugang. Auch das telefonische Kundendialogcenter sei sehr stark gefragt. Vier ehemalige Servicemitarbeiter und Berater arbeiteten dort, um die Wünsche und Anfragen „schnell, bequem und sicher abzuwickeln“, sagt er. Zu Spitzenzeiten gingen 240 Anrufe pro Tag ein. Der Vorteil gegenüber einem Callcenter sei, dass die Mitarbeiter den Kunden bekannt seien – und andersherum, meint Lüther. Nahezu jeder Fall könne dort bis zum Abschluss bearbeitet werden. Zusätzlich stehe ein Online-Support zu Verfügung, der bei Fragen zum Online-Banking helfe. 1800 Anfragen gebe es allein hier pro Monat. Darunter: Probleme mit der Nutzung der App, Erhöhungen des Überweisungs-Limits oder PC-Abstürze. Auch in diesem Bereich orientiere man sich an den Lebensgewohnheiten der Kunden: Der Dienst stehe 365 Tage im Jahr zur Verfügung, und zwar zwischen 7.30 und 22 Uhr.

Kooperation mit Energiegenossenschaft

Und was machen diese Angebote mit dem Filialnetz? „Sicherlich war es früher so, dass Montagsmorgens im Schalterraum der Bank die Fußballergebnisse vom Wochenende diskutiert wurden. Das ist aber inzwischen Nostalgie.“ Dennoch gebe es derzeit keine Entscheidungen, Filialen zu schließen, betont Lüther. Wegen Corona habe man die Zweigstellen Alfen und Nordborchen vorübergehend geschlossen. Allerdings gebe es mit den Filialen in Kirchborchen und Etteln gut erreichbare Alternativen, meint der Chef.

Mit der Verbund-Volksbank OWL gebe es eine sehr enge Zusammenarbeit in der Energiegenossenschaft Paderborner Land, der auch die Volksbank Brilon-Büren-Salzkotten angehört – ein echtes Erfolgsmodell, wie das Mitglied des Vorstands betont. „Das ist ein Kind des ehemaligen Bürgermeisters von Lichtenau, Karl-Heinz Wange“, erinnert Lüther an die Anfänge. Darüber hin­aus arbeiteten die Volksbanken administrativ zusammen, soweit es kartellrechtlich möglich sei. Man werde sich auch weiterhin, so der Weweraner, auf das Kerngebiet „Kreis Paderborn“ konzentrieren. „Wir machen unser Geschäft nicht an der Nordsee oder in Stuttgart – es sei denn, ein Kunde hat dort ein Projekt, das wirtschaftlich tragbar ist.“

74 Mitarbeiter

Die Stimmung in der Belegschaft sei „top“, betont Lüther. 64 Mitarbeiter bringen die Elsener, zehn die Wewelsburger mit in die Fusion ein. Nach dem juristischen Vollzug stehe nun noch der technische an. Der ist für den 21. November geplant. Die Kunden der neuen Volksbank-Zweigstelle Wewelsburg-Ahden haben ab dann zwei Jahre Zeit, sich an die neue IBAN-Nummer und den neuen BIC-Schlüssel bei Überweisungen zu gewöhnen. Denn das sei das Einzige, was sich verändern werde, sagt Lüther. Die bisherigen Kontonummern sowie die Debit- und Kreditkarten blieben gültig.

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