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70 Bedürftige und Obdachlose freuen sich über eine neue Frisur

„Barber Angels“ bringen in Paderborn ein Stück Würde zurück

Paderborn

Sich die Haare zu schneiden, wenn die Frisur stört, ist für viele Menschen ganz normal. Doch in einer Zeit, in der die Preise steigen, können immer mehr Leute diese Luxusdienstleistung nicht mehr bezahlen. Um Bedürftigen und Obdachlosen entgegenzukommen, haben die „Barber Angels“ in Paderborn kostenlos frisiert. 

Von Phil Hänsgen

Centurio Uwe Kennemund (links) und sein Sohn Alexander nahmen die Schere in die Hand. Foto: Phil Hänsgen

Dabei soll vor allem das Selbstwertgefühl bei den Betroffenen gesteigert und ihnen ein besseres Gefühl in der Öffentlichkeit gegeben werden. „Ich finde es gut, dass man Leute mit wenig Geld unterstützt und einem geholfen wird, wenn alles teurer wird“, freut sich beispielsweise Jana Jung über das Angebot. Die 49-Jährige kommt ursprünglich aus dem Siegerland und wohnt seit 14 Jahren, von den Johannitern betreut, in der Paderborner Südstadt.

In ihrer Freizeit stellt sie aus alten Bremsscheiben Gitarren, Kerzenständer oder Spiegel her, die sie dann beispielsweise an Motorradläden verschenkt, die ihr die Scheiben auch zur Verfügung stellen.  Im Laufe ihres Lebens hatte sie mit einigen Problemen zu kämpfen, weshalb sie die angebotene Dienstleistung gerne in Anspruch nimmt: „Meine Betreuerin hat gesagt, dass die Barber Angels gut für mich sind und die Aktion meine Integration unterstützt. Es sind alle nett, liebevoll, umgänglich und sozial sehr engagiert.“

Das Projekt besteht seit 2016 und wurde von Claus Niedermaier gegründet, weil dieser als Friseur sozial helfen wollte und ihm das nötige Geld fehlte, um viele Leute erreichen zu können. Mittlerweile haben sich über 400 Mitglieder versammelt, die deutschlandweit und auch schon in den Niederlanden, Spanien und der Schweiz im Einsatz sind.

Tanjana Worgull frisiert Jana Jung. Foto: Phil Hänsgen

In Paderborn ist man bereits seit 2017 tätig. Ziel ist es, noch weitere Länder in Europa zu erreichen, wie Uwe Kennemund berichtet, der Centurio (Leiter) bei den „Barber Angels“ in Ostwestfalen-Lippe ist: „Wir wollen den Menschen auf der Straße ihre Würde zurückgeben. Alles wird momentan teurer und da geben Leute mit wenigen finanziellen Mitteln natürlich das, was da ist, eher für Lebensmittel als für geschnittene Haare aus. Die Betroffenen fühlen sich dadurch auf der Straße anerkannt und ihr Selbstwertgefühl steigert sich, was eine super Sache ist.“

Mit insgesamt zwölf Mitgliedern waren die „Barber Angels“ beim Verein „KIM – Soziale Arbeit“ in Paderborn im Einsatz und schnitten in den drei Stunden annähernd 70 Frisuren. Die Freude beim Schneiden war den Bedürftigen teilweise am Gesicht abzulesen und auch mit dem Ergebnis waren alle zufrieden. Damit die Hilfe nur bei den passenden Personen ankam, wurden im Vorfeld Einladungen zu Leuten verschickt, die der Einrichtung bereits bekannt waren.

Die Friseure kommen aus ganz Ostwestfalen und führen diese Arbeit ehrenamtlich aus. Finanziell unterstützt werden die Angels durch Sponsoren wie „dm“ oder die Firma Wahl, die Utensilien für Barbiere produziert. Da das Angebot in Paderborn großen Anklang gefunden hat, möchte man bereits im Januar 2023 zurückkommen und den sozial benachteiligten Paderbornern mit einer frischen Frisur abermals eine Freude bereiten. Wer gelernter Friseur ist und helfen möchte, kann sich auf der Seite www.b-a-b.club informieren. Auch für Helfer, die vielleicht nicht schneiden können, ist Platz im Team, da es auch organisatorischer Unterstützung bedarf.

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