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Der Paderborner Monsignore Prof. Dr. Peter Schallenberg erinnert sich

Bayrische Brotzeit mit Joseph Ratzinger

Paderborn

 Der Paderborner Moraltheologe Prof. Dr. Peter Schallenberg ist der Mann aus dem Erzbistum, der den Vatikan am besten kennt. Regelmäßig pendelt er zwischen Rom und Paderborn. Der Monsignore erinnert sich gut an Joseph Ratzinger, den späteren Papst Benedikt XVI.

Von Peter Schallenberg

Der Paderborner Monsignore Peter Schallenberg (links) mit Papst Benedikt XVI.   Foto: privat

Papst emeritus Benedikt XVI. ist tot. Oder besser: Er ist heimgekehrt zu Gott. Oder noch besser: Er ist heimgerufen worden von Gott seinem Schöpfer. Denn das ist korrekter katholischer Glaube, in dem Joseph Ratzinger 95 Jahre gelebt hat: Gott erschafft jeden von uns und sendet ihn ins irdische Leben und ruft jeden am Ende heim in seine Liebe und ins ewige Leben.

Ob wir dann tatsächlich heimkehren zu unserem Schöpfer hängt freilich auch von uns ab, von unseren guten Werken in diesem Leben und von unserer hier und jetzt gelebten Liebe. Deswegen beten wir ja auch für unsere Verstorbenen und für uns selbst um eine gute Sterbestunde und einen gnädigen Heimgang. So, wie wir jetzt und in diesen Tagen für den verstorbenen Benedikt XVI. beten. Und uns an ihn erinnern.

Meine früheste Erinnerung an ihn geht zurück auf den 3. Dezember 1984 abends um 19 Uhr. Es war der erste Adventssonntag, ich war grad drei Monate zum Studium im Germanicum in Rom und Kardinal Ratzinger hatte die Paderborner Studenten eingeladen zur bayrischen Brotzeit und zum gemeinsamen Adventsliedersingen. Deswegen, weil sein Privatsekretär Paderborner Priester war: Dr. Josef Clemens aus Siegen.

Fanta statt Bier

Wir Studenten waren natürlich sehr geehrt durch die Einladung bei dem berühmten Theologen, dessen Texte wir schon im Religionsunterricht im Gymnasium gelesen hatten. Und wir waren ziemlich aufgeregt. Aber zur Aufregung war nicht der geringste Anlass: Joseph Ratzinger war von entwaffnender und liebenswürdiger Bescheidenheit, fragte nach unseren Familien und nach dem Verlauf unserer Studien und trank still, vergnügt über unsere Gesänge - seine Fanta.

Zu unserer nicht geringen Verblüffung nämlich war er zwar ein Oberbayer mit deutlichem Akzent, trank aber keinen Tropfen bayrisches Starkbier. Dafür sprachen wir über Gott und die Welt und über Theologie und das Ziel unseres Lebens. Sehr beglückt ging ich heim. Nie werde ich diesen Abend vergessen, dem viele solche Abende folgten, bis hin zu Einladungen in die päpstliche Wohnung, als er Benedikt XVI. war und uns zu Leberknödelsuppe und Klavierspiel empfing.

Auch köstliche und fast komische Erlebnisse waren dabei, etwa, als ich ihn und zwei andere hoch betagte römische Kardinäle in meinen rostigen Fiat Panda zwängte und wir zum Festabend unserer katholischen Studentenverbindung fuhren, wo Kardinal Ratzinger aufgenommen wurde. Als wir nach drei Stunden die biergeschwängerte große Runde verließen und, wieder in den Panda gezwängt, nach Hause schaukelten, seufzte ein sichtlich erschöpfter, aber weiterhin frohgemuter Ratzinger: „Es waren recht heitere Stunden!“

Faszinierend war mir immer seine unnachahmliche Mischung aus bester Gelehrsamkeit und einfacher Frömmigkeit. Ich spürte: Hier schreibt nicht bloß jemand über Gott, hier glaubt jemand an den lebendigen Gott! An den Gott, der uns am Ende unseres Leben voll Sehnsucht und Geduld erwartet, und der wiederkommen wird zum Gericht und zum Anbruch der Ewigkeit.

In einem seiner wichtigsten Bücher schreibt Ratzinger (und auch das hatten wir schon in der Schule gelesen): „Der Glaube an die Wiederkunft Christi ist der Glaube daran, dass am Ende die Wahrheit richtet und die Liebe siegt…“ Beides prägte zutiefst sein Leben und Denken: Dass wir am Ende die Wahrheit unseres Lebens, unseren letzten Sinn finden. Und dass die Liebe Gottes am Anfang der Ewigkeit unsere endgültige Wahrheit sein wird. Und so erinnere ich mich an Benedikt XVI. und freue mich auf den Moment des Wiedersehens im Himmel. Vermutlich allerdings dann ohne Fanta… Danke, Papst Benedikt!

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