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Sie spüren Räuber auf, finden Beweismittel, Rauschgift und stellen Übeltäter

Bei diesen Spürnasen haben Verbrecher schlechte Karten

Paderborn

Den richtigen Riecher zu haben, kann als Mitarbeiter der Polizei nicht Schaden. Im Fall von Pepper, Dexter und Tara ist das sogar oberste Dienstvoraussetzung. Und auf sie ist Verlass: Die Hundestaffel der Polizei hat gerade in der jüngsten Zeit zahlreiche Fällen erfolgreich lösen können

Jörn Hannemann

Die Polizeihunde der Paderborner Polizei sind in den vergangenen Monaten wieder äußerst erfolgreich gewesen. Foto:

Pepper ist aufgeregt, hat ihre Ohren gespitzt und hüpft aufgeregt auf der Stelle. Auf das Kommando von Christian Paschen sprintet die drei Jahre alte Hündin los. Sie findet Sven Martin, stellt sich vor ihn und bellt. So lange, bis ihr Paschen das Kommando gibt aufzuhören. Pepper hört sofort auf und wird gelobt. Alles richtig gemacht.

Pepper ist einer der vier Paderborner Polizeihunden, die bei Einsätzen wie Demonstrationen, Fußballspielen, Schlägereien, und Sondereinsätzen im ganzen Land dazugerufen werden. Wenn sie losgelassen werden, haben Verbrecher schlechte Karten. Die Polizeihunde spüren Übeltäter auf, finden Beweismittel und Rauschgift. Das WESTFALEN-BLATT hat den Spürnasen auf die Pfoten schauen dürfen.

Allein in den vergangenen Monaten haben die vierbeinigen Kommissare mehrfach ihr Talent bewiesen und viel dazu beigetragen, Taten aufzuklären. So war Polizeidiensthund Dexter im September „sehr hilfreich“, wie es später im Pressebericht der Polizei hieß, bei der Festnahme von drei mutmaßlichen Tätern nach einem Einbruch in einen großen Paderborner Baumarkt in Schloß Neuhaus. Diebesgut von über 20.000 Euro stand bereits zum Abtransport bereit, als Dexter mit seinem zweibeinigen Partner Sven Martin am Tatort eintraf. Die drei Verdächtigen versuchten zu flüchten. Als der Polizist den Einsatz des belgischen Schäferhundes androht, bleiben zwei Männer sofort stehen und lassen sich festnehmen, Der dritte riskiert es noch zu türmen, doch Dexter ist schneller und findet ihn in einem Gebüsch — so dass auch er festgenommen werden kann.

Wie wichtig die tierischen Ermittler-Duos sind, zeigt auch ein Fall wenige Wochen später an der Borchener Straße. Nach einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen mehreren Personen fällt ein Schuss. Neben herbeigerufenen SEK-Einheiten sind auch hier die heimischen Polizeihunde gefragt. Trotz der unübersichtlichen Lage vor Ort entdeckt Pepper und Hundeführer Christina Paschen auf dem großen Terrain eine Patronenhülse, ein wichtiges Beweisstück.

Drittes Beispiel aus diesem Jahr: Ein Paderborner in einer psychischen Ausnahmesituation hat sich in seiner Wohnung verbarrikadiert. Während schon überlegt wird, wie das SEK die Räume stürmt, erfahren die Beamten, dass der Mann offenbar Angst vor Hunden hat. „Auch hier reichte die bloße Androhung, in diesem Fall ein paar Mal bellen, und der Mann ergab sich freiwillig.“ Ein Hund hat bei gefährlichen Situationen auf die Leute einfach eine andere Wirkung als eine normale Streife.

Die heimische Polizeihundestaffel gehört zum Bereich der Sonderdienste unter der Leitung von Volker Hildesheim. Derzeit gibt es vier Diensthundeführer: Christian Paschen, Wolfgang Ehlert, Sven Martin und Peter Klaaßen. Drei Hunde – Pepper, Dexter und Tara – sind aktiv im Dienst. Drei weitere, Zeus, Kira und Lotte, die in Kürze ihre Prüfung zum Schutzhund der Polizei ablegen sollen, werden das Team im kommenden Jahr unterstützen. Die dual ausgebildeten Hunde haben neben einer klassischen Schutzhundausbildung auch eine Sonderqualifikation. In Paderborn gibt es derzeit Rauschgift- und Personenspürhunde, aber keine Sprengstoffspürhunde. Diese werden bei Bedarf von anderen Dienststellen angefordert.

Im benachbarten Stukenbrock stehen beispielsweise Schnüffelnasen zur Verfügung, die besonders gut Brandmittelspuren entdecken, Leichen finden oder als „Mantrailer“ hervorragende Personenspürhunde sind. Als Reaktion auf den Kindesmissbrauch in Lügde hat das Land NRW außerdem an weiteren Standorten Polizeihunde trainiert, digitale Speichermedien zu finden und damit Cyber-Verbrechen aufzuklären oder Banknoten aufzuspüren, was sich sicherlich der ein oder andere auch für daheim wünscht.

Deutsche Schäferhunde, wie Kommissar Rex im Fernsehen, sucht man bei der Paderborner Diensthundestaffel übrigens vergebens. Ihre belgischen Artgenossen haben sie nach und nach ersetzt. „Sie sind in vielen Dingen oft überlegen, beispielsweise bei der körperlichen Leistungsfähigkeit oder dem Lernverhalten“, fassen die Hundeführer die Vorteile der Malinois zusammen. Die meisten kommen aus der landeseigenen Diensthunde-Zucht in Stukenbrock. „Schon als Welpen im Alter von acht Monaten nehmen wir sie bei uns auf“, erzählt Sven Martin. Mit einem Jahr werden sie körperlich untersucht und die Veranlagungen geprüft – und im Idealfall zur Prüfung zugelassen. Dann müssen sie so gefestigt sein, dass sie auch bei einem Einsatz in einem Fußballstadion, wo Pyrotechnik gezündet wird und Leute Krach machen und schreien, die Stresssituation problemlos aushalten können“, ergänzt Christian Paschen.

Wolfgang Ehlert

Die Einsätze sind sehr vielfältig. Einerseits sind die Diensthundeführer im Wechseldienst tätig, beispielsweise rücken sie nach Alarmauslösungen in Geschäften aus, wo Täter noch vor Ort vermutet werden. Andererseits gehören auch Sondereinsätze dazu. So waren die Paderborner Diensthunde auch bei Protesten im Dannenröder Forst wegen des Ausbaus der Autobahn 49 im Einsatz oder wegen des von Umweltaktivisten besetzten Hambacher Waldes.

Durch die gemeinsamen Einsätze sind Hund und Mensch auch außerhalb der Dienstzeit zu einem Team geworden. „Ein guter Hundeführer gibt seinen Hund niemals ab“, betont Wolfgang Ehlert. So werden die Tiere nach Dienstschluss nicht eingesperrt, sondern begleiten das Herrchen nach Hause und zählen dort als „richtiges Familienmitglied“ – und verbleiben in der Regel sogar auch nach der Rente bei ihrem Partner.

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